MARCO MENG

Um Parlaments-Neuwahlen zu ermöglichen, ist die ukrainische Regierung zurückgetreten. Wird Russland die neue anerkennen, wenn sie denn gewählt ist? Man versprach auch, die Wahl des neuen ukrainischen Präsidenten zu „respektieren“. In Russland wird jener seitdem freilich als „Faschist“ bezeichnet und seine Schokolade - bis dato die beliebteste in Russland - boykottiert. Dem stehen Scheuklappen-Postillen hierzulande nicht nach. So bedient sich denn auch das hiesige Kommunisten-Blatt desselben Vokabulars wie der Kreml und schreibt von „Putschistenregierung in Kiew“. Ganz schön ideologisch verbohrt.

Ähnlich dümmlich die Dauerpropaganda in Russland, zum Beispiel wenn per Ferndiagnose der dortige Chef-Drogenfahnder im Nachhinein den pro-westlichen Maidan-Demonstranten attestiert, unter Einwirkung von Drogen gestanden zu haben, und andeutet, die könnten aus den USA gekommen sein… Seit Monaten wird in Russland den Menschen suggeriert, was in der Ukraine geschehe, sei eine Verschwörung des bösen Amerika, und die EU müsse auf Befehl Washingtons Sanktionen gegen Russland erlassen. Stimmt: Wir sind von Amis besetzt, dürfen alle nur Chrysler fahren und werden gezwungen, täglich bei McDonalds zu essen. Würg. Nachdem man gestern nun weitere Wrackteile und Leichen fand - nach Putins genialer These ist ja der für den Abschuss der Passagiermaschine verantwortlich, über dessen Territorium das geschah - hat auch die EU weitere Sanktionen beschlossen. Tatsache ist, dass die „Separatisten“ in der Ukraine, von denen viele Terror-Touristen aus Russland sind, ihre Waffen von dort erhalten. Also ist der Kreml dafür mitverantwortlich, was damit angerichtet wird. Dazu gehört auch der Mord an den fast 300 Zivilisten in der malaysischen Maschine. Eine niederländische Zeitung erkannte schon: Moskau werde bei der Suche nach der Wahrheit nicht mitwirken und keine Konsequenzen ziehen. Und weiter: „Solange Putin mit seiner antiwestlichen Paranoia im Kreml sitzt, müssen wir mit dieser traurigen Erkenntnis leben.“

Manch besserwissender Schreibtischapostel hierzulande ist aber gegen jede „Einmischung“ und ruft - wie rührend - zum Kompromiss auf. Wie sähe der aus? „Wowa, du darfst dir die Ostukraine krallen (und die Moldau, die dann nämlich nachfolgt), und wir machen alle Urlaub auf der Krim“? Ob sich Putin von den angekündigten neuen Sanktionen beeindrucken lässt? Dabei gäbe es genügend Probleme auf der Welt, die man gemeinsam lösen müsste - stattdessen geht Putin stur seinen revisionistischen Weg nach rückwärts weiter. Wohin so etwas führen kann, zeigt die Geschichte. Eine schmerzhafte Sanktion würde übrigens gar nichts kosten, den Triumphator Putin aber bis auf die Knochen blamieren: Absage seines nächsten Prestige-Projekts, der Fußball-WM in Russland. Ja, es wäre schön, wenn Europa und Russland normale Beziehungen haben könnten, beide würden profitieren, Menschen und Meinungen könnten sich austauschen, Russland würde eine WM austragen als friedliches Sportfest in Freundschaft mit anderen Nationen. Nach dem, was Herr Putin aber angerichtet hat, ist es an der Zeit, ihm nicht nur zu sagen, sondern zu zeigen: „So nicht!“ Und diese Maßnahme würde er verstehen, weil er sie schwerlich manipulieren oder vor der russischen Öffentlichkeit geheim halten kann.