BRÜSSEL
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EU-Kommissionspräsident Juncker will nicht noch einmal antreten

Jean-Claude Juncker will nicht noch einmal EU-Kommissionschef werden. „Ein schöner Wahlkampf war das“, sagte Juncker im Gespräch mit dem Deutschlandfunk über die Zeit vor der letzten Europawahl im Jahr 2014. „Es wird aber keinen zweiten in der Form geben, weil ich nicht noch einmal antreten werde.“

Für den 62-jährigen Luxemburger ist etwa die Hälfte seiner bis 2019 dauernden Amtszeit vorbei. Er wurde 2014 von den europäischen Staats- und Regierungschefs ernannt und trat sein Amt im November an. Juncker war als Spitzenkandidat der konservativen Europäischen Volkspartei in den Wahlkampf für das Europaparlament gegangen.

Juncker rechnet mit Brexit-Problemen

Für die bald anstehenden Verhandlungen mit Großbritannien über den EU-Austritt hat Juncker eine düstere Prognose. „Die Briten, die werden es schaffen, ohne große Anstrengung die anderen 27 Mitgliedsstaaten auseinanderzudividieren. Die anderen 27 wissen das noch nicht, aber die Briten wissen schon sehr genau, wie sie das in Angriff nehmen können“, sagte Juncker. „Man verspricht dem Land A dieses und man verspricht dem Land B jenes und man verspricht dem Land C etwas Anderes und in der Summe entsteht daraus keine europäische Front.“

Zur Person

Gewiefter Polit-Profi mit Herz für Europa

Ohne ihn ist Europapolitik seit mindestens einem Jahrzehnt kaum denkbar: Der Luxemburger Jean-Claude Juncker ist schon lange einer der profiliertesten Köpfe der Staatengemeinschaft. Dass er diese nun als Chef der EU-Kommission durch eine ihrer schwereren Krisen mitnavigieren muss, betrübt den 62-Jährigen spürbar.
Denn in seine noch bis 2019 dauernde Amtszeit fallen die Verhandlungen mit Großbritannien über den EU-Austritt. Im März dürften die Gespräche beginnen und Juncker erwartet, dass die Front der verbleibenden 27 Länder bröckeln dürfte. Statt großer Reformprojekte ist Krisenmanagement angesagt. Dafür bringt Juncker einiges an Erfahrung mit. Er war neun Jahre lang Vorsitzender der Euro-Gruppe und damit auch an den Verhandlungen über zwei Hilfspakete für Griechenland beteiligt. Unangenehm wurde es für ihn, der achtzehn Jahre lang Premier in Luxemburg gewesen war, als die „Luxleaks“-Steueraffäre hochkochte. Ein Misstrauensvotum im Parlament überstand der Politiker der Christlich Sozialen Volkspartei aber. Legendär sind die flapsigen Bemerkungen des meist jovialen Politikers. Den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban nennt er spaßeshalber „Diktator“. Vor einem Treffen mit dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Alijew sagte er jüngst: „Der angenehme Teil des Tages ist also vorbei.“