ROODT/SYR
PATRICK WELTER

Das Rettungskorps CGDIS startet am 1. Juli - Rauchmelderpflicht ab dem 1. Januar 2019

Es dürfte einer der am besten besuchten Neujahrsempfänge gewesen sein, gestern Abend im Kulturzentrum „Syrkus“ in Roodt/Syr. Innenminister Dan Kersch hatte Vertreter aller Rettungskräfte zu diesem Empfang eingeladen und es waren dann auch alle da. Zum ersten Mal nahmen Vertreter der Berufsfeuerwehren der Hauptstadt und des Flughafens teil. Ab dem 1. Juli sollen dann endgültig alle Schranken zwischen den bisher vielfach getrennten Rettungsdiensten fallen - dann ist das Ziel der großen Reform der luxemburgischen Rettungsdienste endlich auch legislativ erreicht.

Nach dem sich alle Akteure in langen Verhandlungen bereits auf die Bildung eines einheitlichen Nationalen Korps (CGDIS) zum 1. Januar 2017 geeinigt hatten, war es der Staatsrat, der bei der Gesetzgebung aus formalistischen Grünen auf die Bremse trat. Nach derzeitigem Stand der Dinge kann es nun zum 1. Juli 2018 auch formal losgehen.

Dank an Erny Kirsch

Ausdrücklich bedankte sich der Minister bei Erny Kirsch, dem bisherigen Kommandanten der Berufsfeuerwehr Luxemburg, für seine geleistete Arbeit. Er bedaure dessen Eintritt in die Pension sehr, Kirsch sei einer der wichtigen Akteure bei der Reform des Rettungswesens gewesen.

Null Toleranz bei tätlichen Angriffen

Nach dem Dank des Ministers für die „exemplarische Arbeit“ der anderen freiwilligen und hauptamtlichen Rettungskräfte, ging Kersch auf ein Thema ein, dass ihm ganz offensichtlich am Herzen liegt: Bei Angriffen auf Rettungskräfte dürfe man nicht nur von „Zwischenfällen“ reden, sondern müsse das Kind beim Namen nennen. Zum Glück sei die Lage noch nicht wie in den Nachbarländern, aber die Gefahr von Übergriffen auf Rettungssanitäter und Feuerwehrleute sei da - das dürfe man weder verharmlosen noch unter den Teppich kehren. Es laufe etwas falsch, wenn Helfer angegriffen werden, meinte Kersch. Er werde dabei nicht zuschauen. Wie soll man noch Freiwillige oder Berufseinsteiger für die Rettungsdienste bei solchen Aggressionen finden? „Null Toleranz bei Gewalt gegen Rettungskräfte!“ lautet die Parole des Ministers. Wenn es nicht anders gehe, werde er für eine Gesetzesverschärfung mit drastischen Strafen plädieren.

Sein Ministerium werde noch in diesem Jahr eine Kampagne für „Respekt vor der Arbeit der Rettungskräfte“ starten. Er wolle zusammen mit der Universität eine Bestandsaufnahme für Luxemburg machen und auch auf Erfahrungen aus dem Ausland zurückgreifen.

Kersch mahnte aber auch die Retter, kollegial miteinander umzugehen, vor allem in den sozialen Netzwerken.

Rauchmelder für alle

Der Innenminister setzt beim Brandschutz auf Prävention. In einem demnächst eingebrachten Gesetz soll die Pflicht zum Einbau von Rauchmeldern festgeschrieben werden, weil Rauchmelder mit einfachen Mitteln Leben retten. Die Einbaupflicht soll für Neubauten zum 1. Januar 2019 in Kraft treten, für bestehende Wohnungen soll es eine Übergangsfrist von fünf Jahren geben. Um die Notwendigkeit der kleinen Lebensretter zu verdeutlichen, wird die Regierung jedem Haushalt in Luxemburg einen Rauchmelder schenken, so die Botschaft des Ministers.

Stichtag 1. Juli 2018

Als Kersch auf die Reform des Rettungswesens zu sprechen kam, die nun zum 1. Juli juristisch abgeschlossen sein soll, war ihm der Ärger über einige Gerüchte anzumerken. Insbesondere jenes, nach dem er alle kleinen Rettungszentren „dicht“ machen wolle. Er werde das ganz sicher nicht tun, denn diese Reform sei eine Reform von unten nach oben. Der Minister habe mit Schließungen überhaupt nichts zu tun.

Man habe natürlich nicht alle Akteure von der Reform überzeugen können, doch sei sie mit einer großen Mehrheit umgesetzt worden. Diese „Jahrhundertreform“ sei durch Zusammenarbeit, Transparenz, Zuhören und Umsetzen des Gehörten realisiert worden. „Wir können stolz sein!“ Damit werde aber keineswegs das bisher von allen Rettern geleistete in Frage gestellt. Natürlich bedeute die letzte Etappe viel Arbeit für alle. Dabei wies er darauf hin, dass man mit der Reform auch ein neues Berufsbild für hauptamtlichen Helfer entwickelt hat. Kersch wurde andererseits nicht müde sein Credo zu wiederholen „Das Rückgrat des Rettungswesens sind die Freiwilligen und das werden sie auch bleiben!“