LUXEMBURG
SARAH GENTILI

25-jähriger Luxemburger ist der viertbeste Freestyle-Fußballer in Europa

Niederlande, Brasilien und Japan sind nur ein paar wenige Beispiele, wo sich Sven Fielitz vor einem Publikum und einer Jury beweisen musste. Der talentierte 25-Jährige ist der viertbeste Freestyle-Fußballer in Europa und der 25. weltweit. Der Luxemburger aus Niederanven hat sich dieser Sportart angenommen und gehört seitdem zu der stolzen „Selfteach-Generation“. Mit diesem Erfolg ist Sven ein Ansporn für junge Luxemburger, die diese Sportart ebenfalls ausüben möchten.

Erzähl uns ein wenig über deinen Lebensweg.

Sven Fielitz Ich bin in Niederanven aufgewachsen und wohne auch dort. Ich habe meinen Abschluss am Gymnasium Aline Mayrisch in Mathematik- und Wirtschaftsbereich abgelegt. Ich entschied mich nach meinem Abschluss nach Karlsruhe umzuziehen, um dort Informatikingenieur zu studieren. Leider hat sich dieses Studium als ein Fehlschlag herausgestellt und so beschloss ich eine ganz andere Richtung einzuschlagen, nämlich Film und Medienproduktion. Filme drehen war bereits in einem frühen Alter eine große Leidenschaft von mir. Ich bekam tatsächlich meine erste Kamera mit 15 Jahren von meinem Opa geschenkt. Mit derselben Kamera habe ich auch angefangen, meine ersten „Freestyle Moves“ aufzunehmen. Vergangenes Jahr, also 2015, bekam ich schließlich meinen Bachelor. Seitdem bin ich Freiberufler und versuche mein Studium mit meinem Hobby zu kombinieren, so dass ich auf tolle Möglichkeiten gestoßen bin, wie zum Beispiel meine Zusammenarbeit mit dem österreichischen Unternehmen „Redbull“. Ich habe ebenfalls einen Youtube- Kanal mit 15.000 Abonnenten, auf dem ich sämtliche selbst gedrehte Kurzfilme von meinen „Moves“ online stelle.

Wann hast du Freestyle-Fußball entdeckt und gab es seitdem irgendwelche Hindernisse?

Fielitz Mit dem Freestyle-Fußball habe ich mit ungefähr 15 Jahren angefangen. Vorher habe ich mit sechs Jahren in Mensdorf im Fußballverein angefangen zu spielen. Da ist mir bereits aufgefallen, dass ich während meinen Trainingseinheiten und Spielen gerne mit dem Ball jongliert habe. Was mich aber als erstes inspiriert hat, ist das Video „Secret Tournament“ von der Marke Nike im Jahre 2002, welche verschiedene Fußballberühmtheiten beim Spielen auf einem Boot zeigt. Daraufhin hat Nike eine Internetseite erstellt, auf der jedermann sein Talent auf Video zeigen und hochladen konnte. Außerdem habe ich mir oft Videos auf Youtube angeschaut, wie zum Beispiel von Soufiane Touzani und ich habe nach und nach versucht seine Bewegungen nachzuahmen. Mit 17 bis 18 Jahren habe ich mich entschieden, meinen damaligen Fußballverein zu verlassen, um mich ganz dem Freestyle zu widmen. Infolgedessen hatte ich mehr Zeit für mein Abschlussjahr und es fiel mir leichter, mich kreativ auszudrücken. Das Schönste an dieser Sportart ist, dass man selbstständiger ist und es gibt keinen Trainer, der dich rumkommandiert. Anfangs war die Entscheidung, mich dieser Sportart zu widmen, nicht nur für mich, sondern auch für meine Eltern eine Herausforderung. Diese Angst kann ich sehr gut nachvollziehen da das Risiko, eine Zeit ohne Arbeit leben zu müssen, einfach groß ist.

Welche Personen haben dich zu dieser Sportart inspiriert?

Fielitz Wie vorher bereits erwähnt hat mich Soufiane Touzani sehr viel inspiriert. Aber mich hat auch ein weiteres Video von Nike begeistert und zwar mit dem Fußballstar Ronaldhino. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, das Video heruntergeladen zu haben und es dank eines Computerprogramms in „Slow Motion“, also in Zeitlupe, umgewandelt zu haben, um jede Bewegung einzustudieren. Timo ist ein weiterer Freestyle-Fußballer, der mich durch seine Videos auch sehr fasziniert und überzeugt hat.

Wie erlernt man diese Sportart und wie oft trainierst du üblich?

Fielitz Freestyle-Fußball gibt es noch nicht sehr lange, ich denke, es wurde erst 2004 als neue Sportart etabliert. Als ich angefangen habe, war meine einzige Trainingsquelle Videos auf Youtube zu visualisieren. Durch die „Slowmotion“ und das Nachahmen der Bewegungen, wird man schnell selbstsicherer und bekommt so eine Basis in dieser Disziplin. Beim vielen Üben habe ich mit der Zeit meinen eigenen Style entwickelt. Heutzutage versuche ich jedem Einsteiger zu helfen und gebe dementsprechend auf meiner Facebook-Seite die Möglichkeit mich anzuschreiben um Tipps zu erhaschen, dennoch ist und bleibt diese Sportart eine „Self-teach“-Sportart. Ich trainiere ungefähr vier- bis fünfmal die Woche, zwei bis drei Stunden, im Winter in Sporthallen und im Sommer im Freien. Manchmal treffe ich mich ganz spontan mit anderen Freestylern bei der Philharmonie in der Stadt, da der Betonboden dort perfekt zum Üben ist und weil wir dort viel Platz und Ruhe haben.

Gibt es spezifische oder beliebte Moves?

Fielitz Ein Anfänger-„Move“ heißt „All around the world“. Die Welt ist in diesem Fall eine Metapher für unseren Ball, welcher einmal um den Fuß gewirbelt wird. Ein anderer Trick heißt „Neckstall“, der wie sein Name bereits verrät, darin besteht, den Ball auf seinem Nacken zum Stillstand zu bringen. Es scheint mir auch wichtig zu erwähnen, dass es drei obligatorische Kategorien in einem Freestyle-Wettstreit gibt, nämlich „Sitdown“ also im Sitzen, „Lower“ heißt im Stehen und „Upper“, in der man mit dem Oberkörper arbeitet. Damit es nicht langweilig wird, suchen sich Freestyler überall Inspirationen, wie zum Beispiel im Tanz und anderen Bereichen.

Was waren deine Erfahrungen auf der „Redbull Streetsyle“-Weltmeisterschaft?

Fielitz Diese Weltmeisterschaft wird jedes Jahr von „Redbull“ organisiert und es gibt Vertreter aus allen Ländern. Anfangs nahmen 32 Freestyler teil und die Jury bestand aus fünf Mitgliedern. Meistens sitzt in der Jury ein prominentes Gesicht, damit die Veranstaltung eine größere Besucherzahl anzieht. Wir wurden in acht Gruppen mit jeweils vier Freestylern aufgeteilt und jedes Mal wurden die zwei Besten aus jeder Gruppe ausgewählt, ich wurde Zweiter. Am folgenden Tag gab es die Achtelfinale. Ich habe in den drei kurzen Minuten gegen einen Chinesen gewonnen. In der letzten Runde habe ich mich leider verletzt und sah mich gezwungen, aufzuhören. Es bleibt für mich trotzdem eine schöne und spannende Erfahrung, ich bin sehr dankbar mitgemacht zu haben.

Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Fielitz Ich werde weiterhin Auftritte für Gemeinde- und Sportveranstaltungen in Luxemburg geben. Außerdem pflege ich gerne meine Homepage, Facebook-Seite und meinen Youtube-Kanal, auf welchen ich regelmäßig Videos publiziere. Ich habe demnächst ein Youtube-Projekt mit einem talentierten englischen Freestyler, Andrew Henderson. Ansonsten arbeite ich mit der „Freestyle Football Federation“ zusammen und erhoffe mir, später dort einen festen Arbeitsplatz zu ergattern.

Videos von Sven Fielitz gibt es auf dem Youtube-Kanal unter https://www.youtube.com/user/TekNeekOfficial