LUXEMBURGDANIEL OLY

Der Damenfußball will raus aus dem Nischendasein und mehr Qualität bieten

Passionierte junge Kicker wollen vor allem Eines: Fußball spielen können, sooft und soviel wie möglich. Dabei Spaß haben, aber auch gefordert werden und an den Herausforderungen wachsen. Manch einer mag sicher sogar den Traum wagen, später für sein Lieblingsteam oder die Nationalmannschaft aufzulaufen - bejubelt in der Menge, gelobt, beliebt und begeistert.

Nichts anderes wünscht sich auch Laura Miller. Die 17-Jährige kickt für ihr Leben gern - und zwar inzwischen nicht mehr im Großherzogtum, sondern in Metz. Ein notwendiger Schritt, wie sie erklärt, denn Luxemburg sei für Kickerinnen einfach meist das falsche Pflaster. „Ich träume seit ich klein war davon, aus meinem Hobby einen Beruf zu machen“, erklärt Miller. „Aber das ist in Luxemburg einfach nicht möglich.“ Als Frau vom Fußball leben zu können, sei schwer genug - im Großherzogtum sei es ein unüberwindbares Hindernis. „Außerdem wollte ich herausfinden, wo mein Limit ist - und das geht derzeit nur im Ausland“, meint sie.

„In Luxemburg ist der Sport meist noch ein Freizeitvergnügen - entsprechend schlecht steht es um unsere Förderung, was Material und Chancen betrifft“, erklärt Miller. So gebe es ihrer Erfahrung nach einige Teams, die den Damenmannschaften nicht dasselbe - organisatorisch wie materiell - bieten. Das sei im Ausland spürbar anders. „Hier wird sich konkret um die Spielerinnen gesorgt, sie werden untergebracht, betreut, erhalten psychische und physische Hilfe“, meint Miller. „Das existiert in Luxemburg in der Form einfach nicht.“ Hierzulande werde noch oft mit zweierlei Maß gemessen.

Unterschiede zwischen den Teams

Zumindest beim FC Junglinster gibt es das nicht; hier werde jedes Team separat gecoacht und genieße eigene Trainings-Sitzungen, wie Damenmannschaftstrainer Ronald Martinelli erklärt: „Der Tages- und Trainingsablauf ist geschlechterübergreifend derselbe, auch die technischen Workshops sind dieselben und separat vom Training“, erklärt er. Das heiße: Drei Tage Training die Woche, plus Spiele. Dafür haben die Damen ihren eigenen Trainer - und können auch auf das Personal des gesamten Teams zählen, also auf Masseure oder Physiotherapeuten. Unterschiede gebe es demnach keine. Auch beim Material werde nicht gespart, wie Generalsekretär Philippe Trierweiler betont.

Es hänge deshalb stark von den eigenen Chancen, Möglichkeiten und dem eigenen Talent ab, ob das Angebot in Luxemburg reicht. „Im Ausland ist das Talent zwar unverhältnismäßig viel besser - aber dadurch auch die Chancen, sich selbst zu verbessern, höher“, weiß der Trainer. Das eigene Potenzial und der persönliche Wille zur Weiterentwicklung seien ausschlaggebend. Das spielerische und physische Niveau sei in Luxemburg im Vergleich zum Ausland nämlich durchweg niedriger. „Wir sprechen hier wirklich vom Unterschied zwischen Profi und Amateur“, meint Martinelli. „Auch bei den Damen gibt es da sehr starkem Unterschiede in der körperlichen Leistungsfähigkeit“

Für den FCJJ ist die Mission deshalb klar: „Wir setzen auf Weiterbildung, Training, und gemeinsamen Fortschritt“, erklärt der Trainer. Der Direktor stimmt zu. „Was nutzt es uns, wenn wir den Spielerinnen oder Spielern Geldsummen zahlen, um bei uns zu spielen, wenn danach unser Team nicht mehr wiedererkennbar ist“, meint Trierweiler. „Die Zuschauer müssen sich damit identifizieren können, und das tun sie bei eingekauftem Talent einfach nicht. Deshalb investiert man in Junglinster in Fonds-Arbeit und Förderung von Teamgeist.

Niveau zu tief

Untereinander tauschen oder Spielerinnen abwerben bringe nämlich ebenfalls reichlich wenig. „Es sind ja immer dieselben Spielerinnen; der Talentpool bleibt derselbe“, meint Trierweiler. „Die Qualität des Sports insgesamt wird dadurch nicht besser.“

Da sei denn auch der Hund begraben: „Das Niveau fehlt, um im großen Stil Sponsorings anzuziehen, wie es zum Teil im Ausland der Fall ist“, erklärt er. „Natürlich können wir ihnen nichts zahlen, das Niveau fehlt einfach“, meint Trierweiler. Deshalb sei es unverhältnismäßig, dieselben Standards wie im Herren-Fußball anzusetzen. Dazu gehören auch die Geldprämien für Spielerinnen; „Wir können kein Geld bieten, weil es einfach - auch im internationalen Vergleich - an Talent und Niveau mangelt“, sagt er. Stattdessen soll das Team von Innen ausgebessert werden.

Rückendeckung bekommt der Verein dabei auch von der luxemburgischen Fußballföderation FLF; auch seitens der FLF wurden Fördermaßnahmen für junge Mädchen und den Damenfußball im Allgemeinen eingeführt. Zudem sitzt mit Carine Nardecchia erstmals eine Frau im FLF-Verwaltungsrat, die sich zudem direkt in den Kommissionen des Damenfußballs engagiert. Nardecchia hatte sich bereits für eine bessere Förderung stark gemacht und erst jüngst gemeint, im Damenfußball habe sich bereits viel getan - aber es könne noch besser werden.

Raus aus den Vorurteilen

Die langjährige FCJJ- und Nationalspielerin Rose Settani sieht das pragmatisch: „Die verbalen Vorurteile vor dem Damenfußball gibt es schon lange nicht mehr - Sprüche wie ,Was macht eine Frau im Fußball‘ zum Beispiel“, erklärt sie. Im Fußball stecke für die Damen gleich viel Sentimentalität und Herz, auch Damen spielen aus Leidenschaft gern; „Fußball ist längst nicht mehr nur eine reine Männerdomäne.“

Bei der Förderung sieht sie wegen der besseren finanziellen Situation eindeutigen Vorrang für die Herren. „Das ist nicht ganz so offensichtlich. Wir haben ja auch Trainer“, erklärt sie. „Aber das ganze Personal existiert primär, um das Herrenteam zu fördern.“ Die Damen hätten zwar auch Zugriff, müssen diesen aber immer einzeln einfordern. „Das Budget ist eben ein anderes, und obwohl wir auch vom Masseur profitieren dürfen, müssen wir eben explizit danach fragen.“ Immerhin: Die Jugendarbeit ist gut, das Hauptaugenmerk liegt auf der Förderung von jungen Talenten, und mit den neuen Programmen kommen auch Mädchen in den Genuss von besseren Chancen. Aber: „Das erste Team bleibt eben das erste Team“, meint Settani. Deshalb wird es wohl zumindest auf absehbare Zeit dabei bleiben: „Hier in Luxemburg wird man als Dame nicht Profi“, meint sie. „Dazu muss man ins Ausland.“

Nichts anderes tat Laura Miller mit ihrem Wechsel nach Metz, wo sie ihre eigenen Ziele verfolgen kann: „Derzeit stecke ich in einem sogenannten ,double projet‘ in Metz, bei dem Schule und Sport Hand in Hand gehen“, erklärt sie. „Das heißt auch, dass ich die Fußballkarriere an den Nagel hängen kann, wenn es in der Schule nicht klappt - und umgekehrt.“ Deshalb will sie Schritt für Schritt wachsen. „Erst das Projekt, dann hoffentlich eine Uni - und im Fußball warte ich darauf, was mir das Leben bietet.“