PASCAL STEINWACHS

Genauso, wie aus Spaß irgendwann Ernst werden kann, so kann aus Säbelrasseln, wenn es nur kräftig genug ist, irgendwann auch einmal ein richtiger Krieg werden, wie jetzt am Beispiel des Konflikts zwischen Nordkorea und den USA ersichtlich wird, wo ein durchgeknallter Diktator mit einer leicht exzentrischen Frisur und ein nicht weniger durchgeknallter sogenannter Präsident mit einer noch exzentrischeren Frisur gerade dabei sind, sich gegenseitig an Durchgeknalltheit zu übertreffen.

Da lässt Kim Jong Un also binnen eines Monats, und entgegen aller Verbote und Warnungen, zweimal eine Interkontinentalrakete abfeuern und prahlt damit, dass das gesamte Festland der USA jetzt in Reichweite Nordkoreas liegen würde, was Donald Trump wiederum dazu veranlasst, zwei Bomber über die koreanische Halbinsel fliegen zu lassen und - natürlich via Twitter - China zu drohen („...they do NOTHING for us with North Korea, just talk. We will no longer allow this to continue. China could easily solve this problem!“), dem wichtigsten Verbündeten und Handelspartner Pjöngjangs, das dann aber einige Tage später im UN-Sicherheitsrat, zusammen mit Russland, den schärferen Sanktionen gegen Nordkorea zustimmt. So weit, so gut.

Dann aber berichtete die „Washington Post“ am Dienstag unter Berufung auf vertrauliche Geheimdiensterkenntnisse, dass Nordkorea in der Lage sei, seine Raketen, die nach Einschätzung amerikanischer Experten sogar Städte wie Los Angeles oder Chicago erreichen könnten, mit Miniatur-Atomsprengköpfen zu bestücken, und über das Potenzial für bis zu 60 Atomwaffen verfüge, was Trump dazu inspirierte, Nordkorea zu warnen, dass es im Falle weiterer Drohungen gegen die USA auf „Feuer und Zorn“ stoßen werde, „wie es die Welt noch nie gesehen hat“, womit der US-Präsident aber eigentlich nur das Alte Testament paraphrasierte, wo beim Propheten Jesaja ja auch von einem apokalyptischen Weltenbrand die Rede geht („Ja, seht, der Herr kommt wie das Feuer heran, wie der Sturm sind seine Wagen, um in glühendem Zorn Vergeltung zu üben, und er droht mit feurigen Flammen“).

Die Reaktion Nordkoreas ließ nicht auf sich warten, drohte Pjöngjang doch wiederum den Vereinigten Staaten mit einem Raketenangriff auf die US-Pazifikinsel Guam. Auch ging von einem „grenzenlosen Krieg“ die rede, der „sämtliche Stützpunkte des Gegners ausrotten wird“, so dass der momentan gefährlichste Konflikt der Welt definitiv eine neue Stufe der Eskalation erreicht hat, und aus dem üblichen Säbelrasseln erstmals Ernst werden könnte, hatte Kim Jong Un doch noch nie einen derartigen Egomanen wie Trump als Gegenspieler.

Nicht gerade beruhigend auch der gestrige Tweet von Donald Trump: „My first order as President was to renovate and modernize our nuclear arsenal. It is now far stronger and more powerful than ever before...“ Ein US-Präsident, der mit seinen Atomwaffen prahlt... Höchste Zeit, sich endlich mal wieder den Stanley Kubrick -Klassiker „Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ anzusehen. Kim Jong Un und Donald Trump wären gut beraten, das vielleicht auch mal zu tun...