JUNGLINSTER
JEFF KARIER

6. Auflage von „Mini-Lënster“ regt Kinder zum Mitmachen an

Eine Stadt im Kleinen, die von Kindern nicht nur bevölkert wird. Sie übernehmen auch die verschiedenen Aufgaben, Berufe und Rollen, wie man sie von einer echten Stadt kennt. So sieht man Kinderpolizisten ihrer Arbeit nachgehen, Kinder die Essen zubereiten, aber auch Kinder, die ihre Freizeit genießen. Sogar einen Bürgermeister wählen die kleinen Bewohner unter sich. Das alles ist die Kinderspielstadt „Mini-Lënster“.

Hierbei handelt es sich um ein pädagogisches Großprojekt, wie es 1978 erstmals in München stattfand. Organisiert wird es in Junglinster vom „SEA Päiperlék“ in Zusammenarbeit mit der Gemeinde und das bereits seit 2009. Unterstützt wird das Ganze von zahlreichen Partnern wie Cactus, Enovos und gleich mehreren Ministerien.

Stadtkern in der Turnhalle

Dieses Jahr sind es mehr als 600 Kinder, die an „Mini-Lënster“ teilnehmen. Über rund zwei Wochen läuft das Projekt rund um das Kulturzentrum „am Duerf“. In der Turnhalle ist der Stadtkern aufgebaut. Mehrere aus Holz gefertigte Buden und Häuserfronten stellen unter anderem Postamt, Gemeindehaus oder auch die Arztpraxis dar. In ihnen gehen die Kinder ihrer Arbeit nach, werden dabei aber von einem Betreuer begleitet. Trotzdem sind die Kinder sehr frei, nehmen ihre Verantwortung ernst und alles läuft sehr geordnet ab.

Im Schulhof befinden sich mehrere Zelte, in denen unter anderem die Schreinerei untergebracht ist. Es gibt auch ein Freibad mit Pools und sogar ein Kino. An einigen Ständen servieren Kinder Getränke oder Essen, das in der Küche, die sich in der Schule befindet, zubereitet wurde.

„Die Kinder finden Einrichtungen und Ereignisse einer Stadt wieder, von denen sie im richtigen Leben noch ausgeschlossen sind. In diesem Rahmen können sie diese aber weitestgehend selber gestalten und weiterentwickeln. Im Kern geht es um die Partizipation der Kinder“, erklärt Christian Treitz, der gemeinsam mit Charly Schmitt „Mini-Lënster“ leitet. So sind die Arbeitswelt, Politik, Verwaltung, Kultur, Forschung aber auch Freizeit Teil von „Mini-Lënster“.

Wie Treitz betont, geht es nicht darum, die harte Realität der Erwachsenen nachzuspielen. Über die Partizipation sollen die Kinder Demokratie-Erfahrungen und Selbstbewusstsein sammeln sowie „Selbstwirksamkeit“ erleben, mit anderen interagieren, selbstständig agieren und nicht zuletzt Spaß am Spiel haben.

Arbeit zahlt sich aus

Eine wichtige Rolle im Konzept der Kinderspielstadt spielt der Ausweis, den jeder der kleinen Bürger besitzt. Neben Namen und Foto enthält dieser Formulare, in denen etwa die geleistete Arbeit festgehalten wird, aber auch ein Strafregister. Denn wer sich in „Mini-Lënster“ nicht an die Regeln hält, den nimmt die Mini-Polizei fest und die Straftäter landen vor Gericht. Wer schwere Straftaten begangen hat, kann nicht mehr als Polizist arbeiten und darf sich auch nicht für Wahlen aufstellen. „An den ersten Tagen hatten wir bereits rund 20 Gerichtsverfahren“, erzählt Kevin Engel. Der 13-Jährige hat bereits als Polizist gearbeitet, ist aktuell aber Teil der Stadtplanung, die die anstehende Parade vorbereitet. „Wir haben daher alle Institutionen angeschrieben und sie über den Ablauf informiert.“

Durch die geleistete Arbeit erhalten die Kinder einen Lohn, mit dem sie sich wiederum Dinge in der Kinderspielstadt kaufen können. Wer keine Arbeit hat, der kann das Arbeitsamt aufsuchen und wer sich fortbilden möchte, der kann die Universität besuchen. „Ich habe unter anderem an der Uni gearbeitet“, erklärt die 11-jährige May Wagner, die von „Mini-Lënster“ ganz begeistert ist.

Erste Erfahrungen

„Durch diese doch recht überzeugende Spielwelt können die Kinder mit ansonsten nur schwer verständlichen oder vermittelbaren Themen, wie sozialen Prozessen, aber auch wirtschaftlichen Zusammenhängen hautnah erste Erfahrungen machen“, führt Treitz weiter aus. Diese spielerische Herangehensweise macht den Kindern sichtlich Spaß, sorgt aber auch für eine spannende Dynamik.

Das diesjährige „Mini-Lënster“ läuft noch bis morgen. Dann gehen zwei anstrengende aber auch spaßige Wochen für die Kinder, aber auch die rund 70 bis 80 Pädagogen, Studenten und anderen Helfer zu Ende. 2020 wird dann die 7. Edition der Kinderspielstadt in Junglinster stattfinden.


Weitere Informationen unter www.paiperlek.lu