PAUL HEBER

Das Bild des fünfjährigen Omran, der staub- und blutverschmiert in einen Krankenwagen in Aleppo gebracht wird, nachdem er zuvor aus Trümmern geborgen wurde, ging in diesen Tagen um die Welt (siehe unten). Es steht für das Schicksal von Millionen Kindern, die zum Teil nichts anderes in ihrem Leben kennen als Krieg.

„Das Bild dieses kleinen Jungen sollte unseren moralischen Kompass bewegen und uns die Ausmaße der Problematik vor Augen führen. In Syrien gibt es fast keinen Ort, an dem Kinder sicher sein können. Sechs Millionen Kinder benötigen derzeit humanitäre Hilfe in Syrien. 3,7 Millionen Kinder in Syrien unter fünf Jahren kennen in ihrem Leben nichts anderes als Krieg und Gewalt. Rund 300.000 Kinder kommen als Flüchtlinge auf der Welt.

Das Bild von Omran sollte vor allem eine Erinnerung für alle Konfliktparteien sein, dass die Sicherheit von Kindern die höchste Priorität sein muss. Fünf Jahre nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs beobachtet Unicef allerdings eine dramatische Verschlechterung der Situation von Kindern in Syrien.

Auf allen Seiten des Konfliktes werden immer häufiger Kindersoldaten rekrutiert, was unweigerlich Missbrauch mit sich bringt. Auch Kinderehen nehmen zu, weil Eltern darin einen Ausweg sehen, die Versorgung ihrer Kinder zu sichern. Infolge des Konflikts leben inzwischen weit mehr als 80 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Eine Zunahme von Kinderarbeit lässt sich ebenfalls beobachten.

Die Langzeitfolgen des Bürgerkriegs auf die Nachwuchsgeneration lassen sich heute noch nicht vorhersagen. Wir wissen aber, dass sich Kinder in Konfliktgebieten durch Traumata aber auch durch die ausbleibende Förderung kognitiv schlecht entwickeln. Das Land nach dem Krieg wieder aufzubauen wird mit vielen Problemen verbunden sein.

Als Unicef leisten wir Direkthilfe vor Ort und unterstützen andere Organisationen. Aufgrund des Mangels an Energieressourcen ist das Gesundheitssystem praktisch zusammengebrochen und es fehlt an sauberem Wasser. Besonders in diesem Bereich versuchen wir die Menschen mit sicherem Trinkwasser zu versorgen und verteilen zudem Hygienekits, um über die Wichtigkeit von Hygiene aufzuklären. Wir führen auch Impfaktionen durch und beobachten auch immer häufiger Fälle von Mangel-ernährung.

Für unsere Arbeit ist es deshalb entscheidend, dass es humanitäre Korridore gibt, die uns erlauben, Hilfslieferungen dorthin zu bringen, wo sie benötigt werden. Gleichzeitig müssen diese Korridore aber auch der Bevölkerung als Fluchtweg dienen können. Außerdem darf die Infrastruktur nicht weiter zu Kriegszwecken missbraucht werden.“

Laut dem Roten Kreuz kamen seit dem Kriegsbeginn in Syrien rund 50.000 Kinder ums Leben - darunter auch der Bruder von Omran. Foto: AP - Lëtzebuerger Journal
Laut dem Roten Kreuz kamen seit dem Kriegsbeginn in Syrien rund 50.000 Kinder ums Leben - darunter auch der Bruder von Omran. Foto: AP