SANDRA VISSCHER

Kaum zu glauben: In den „reichen“ Ländern lebt eins von fünf Kindern in Armut und eins von acht ist von Lebensmittelknappheit betroffen. Zwei Zahlen aus dem 14. Bericht von „Innocenti“ - dem Forschungszentrum des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen - über die Lage der Kinder in der Welt. Diesmal befasst sich der UNICEF-Bericht mit der Umsetzung der besonders für Kinder relevanten UN-Nachhaltigkeitsziele in 41 Hochlohnländern im OECD-Raum. Luxemburg steht an 14. Stelle in dem Ranking. Warum, erklärt Sandra Visscher, die Leiterin der luxemburgischen UNICEF-Zweigstelle.

„Der Bericht misst die Leistung der Ländern an neun UN-Zielen: Keine Armut, kein Hunger, Gesundheit und Wohlbefinden, eine qualitative Bildung, dezente Arbeitsbedingungen und Wirtschaftswachstum, wenige Ungleichheiten, nachhaltige Städte und Gemeinschaften, verantwortungsbewusste Produktion und Konsum sowie Frieden und effiziente Justiz und Institutionen. Luxemburg landet in diesen verschiedenen Kategorien, der Reihe nach, wie sie aufgeführt wurden, auf den Plätzen 19, 12, 14, 25, 3, 15, 31, 28 und 19.

Hierzulande leben 25,4 Prozent der Kinder unter 15 in Haushalten, die weniger als 60 Prozent des Median-Einkommens zur Verfügung haben - das ist ein höherer Prozentsatz als 2008. 7,2 Prozent leben mit einer Person zusammen, die Verpflegungsunsicherheit kennt. Andererseits leidet eins von sieben Kindern zwischen elf und 14 unter Übergewicht oder Fettleibigkeit.

Vier von 100.000 Kindern zwischen 15 und 19 nahmen sich im Großherzogtum 2012/2013 das Leben. 27,9 Prozent der Jugendlichen haben psychologische Probleme. Mit 13 Prozent der Frauen zwischen 18 und 29 Jahren, die angeben, vor dem Alter von 15 Jahren sexuelle Gewalt erlebt zu haben, ist Luxemburg Erster in der Statistik.

Beim Abbau von Ungerechtigkeiten und Maßnahmen für eine bessere Umwelt ist im Großherzogtum noch Luft nach oben. Durch die Bank stehen Norwegen, Deutschland und Dänemark als Modellländer an der Spitze der Bewertungen, die freilich enorme Unterschiede zwischen den Ländern zeigen.

Die Zahlen in diesem Bericht rütteln auf, auch wenn die meisten untersuchten Länder im Vergleich mit früheren Studien Fortschritte machten. Denn sie zeigen, dass es auch in Ländern mit hohen Durchschnittsgehältern noch viel zu tun gibt, um die Lebensbedingungen der Kinder zu verbessern. Reichtum insgesamt bringt nicht automatisch bessere Lebensbedingungen.

Wir möchten erreichen, dass sich die Gesellschaft und besonders die Politik mit den Feststellungen aus dem Bericht auseinandersetzt und handelt, um die UN-Ziele für die Kinder zu erreichen. Wir haben es hier mit einer gesamtgesellschaftlichen, ja globalen Herausforderung zu tun, zu der jeder etwas beitragen kann und ich würde sogar sagen muss, denn schließlich geht es hier um die Zukunft der Menschheit“.