LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Im „Kannergemengerot“ von Petingen kommen Grundschüler zu Wort

Aïssatou, Lara, Ricardo, Marie-Alice, Karim und Serge: Das ist kein gewöhnlicher Rat einer Gemeinde. Denn die Mitglieder sind noch minderjährig und werden noch lange die Schulbank drücken: Der „Kannergemengerot“ von Petingen, unter Kinderbürgermeisterin Aïssatou (im Bild mit Schärpe) setzt sich aus Schülern aus Petingen, Lamadelaine und Rodingen zusammen. In ihrem Gemeinderat können die Kinder Ideen besprechen und Verantwortung übernehmen.

Ziel ist es, dass die Kinder lernen, selbst Vorschläge für ihre Interessengebiete und Freizeitbereiche, also für Sport, Schule, Sozialwesen und Kultur, auszuarbeiten und den Erwachsenen im Gemeinderat vorzustellen. Die Vertreter aus den drei Gemeinden werden jeweils für zwei Jahre gewählt - von den Schülern ab dem Zyklus 3.1. der Grundschulen. Zur Wahl stellen können sich alle Schüler der Zyklen 3.2. und 4.1.

Den Petinger Gemeinderat der Kinder gibt es seit vier Jahren. Er geht auf eine Initiative der Jugendkommission zurück, die von dem „Maisons Relais“, dem Schöffenrat und vom Lehrpersonal der Grundschule unterstützt wurde. „Die Kinder werden von zwei Erziehern des „Maison Relais“ begleitet, die Zusammenarbeit mit Schöffenrat und Jugendkommission ist aber auch sehr eng“, erklärt Patrick Arendt, Präsident der Jugendkommission. Die Kinder machen ihre Sache gut: „Es gibt mehrere Kindergemeinderäte in Luxemburg, aber der von Petingen ist der aktivste“, sagt Arendt.

Schulhof und Spielplätze

Am Donnerstag hat der Kindergemeinderat seinem großen Vorbild einige Ideen vorgestellt. Verbesserungswünsche sehen die Kinder vor allem in der Schule und bei Spielplätzen.

So wünschen sich die Kinder die Umsetzung des „Fair Player“-Projekts, das schon seit fünf Jahren in einer Schule in Bettemburg existiert. Die Kinder wollen aus diesem Projekt vor allem eine Komponente übernehmen, die des „Buddy“. Der Schüler, der diese Position ausübt, soll eine Vertrauensperson für Streitigkeiten sein und mit Lehrern gemeinsam schlichten. Wenn die „Buddys“ da sind, könnte das Klima in den Pausen besser werden, haben sich die Kinder überlegt. Das Projekt soll mit Lehrern und Schulkommission besprochen werden, um es möglicherweise umsetzen zu können. Verbesserungsbedarf sehen die Kinder auch bei den Spielplätzen der Ortschaft Lamadelaine. Zum Teil stehen große Flächen ungenutzt leer, auf denen Spielgeräte stehen könnten. Auf anderen Spielplätzen finden sich Graffiti, auf anderen wuchert Moos, was die Kinder als gefährlich ansehen. Für einen der Spielplaätze wünschen sich die junge Gemeinderatsmitglieder eine Mountainbikepiste. Auch einige Schulhöfe könnten nach Meinung der Kinder besser sein: Mit Spielmöglichkeiten und einem Zaun zur Straße. Bürgermeister Pierre Mellina bedankte sich bei den Schülern und kündigte an, mit den zuständigen Stellen zu prüfen, welche Ansätze sich umsetzen lassen.

Von Raymonde Conter, Schöffin für Jugend und Soziales, bekamen die Schüler auch gleich eine erste Einschätzung: Etwa, dass an manchem Ort keine neuen Spielplätze entstehen könnten, etwa um die Ruhe der Anwohner zu garantieren. Allerdings gab es auch gute Nachrichten für die Kinder: Der Schulhof der Grundschule Lamadelaine soll erneuert werden. „Der Gemeinderat hat das bereits beschlossen und wir hoffen, dass wir alles bis zur nächsten Rentrée umsetzen können“, erklärte Conter. Dann soll es auch eine autofreie Zone um die Schule und neue Spielgeräte auf dem Schulhof geben. „Sie fanden unsere Ideen gut und versuchen ebenfalls, die Dinge hier zu verbessern“, sagt Aïssatou, die zwölfjährige Bürgermeisterin des Kindergemeinderates. „Wir werden neue Spielgeräte bekommen, das finden wir schon mal klasse.“

Bürgermeister Mellina ist zufrieden: „Die Kinder haben gute Ideen, zwei Projekte befinden sich in der Umsetzung.“ Auch die Idee des „Buddy“, des Schlichters auf dem Schulhof, gefällt ihm, allerdings muss dieses Projekt gemeinsam mit den Lehrern an den Schulen umgesetzt werden. „Insgesamt ist der Kindergemeinderat ein guter Schritt, um die Kinder für das Leben in der Gemeinde zu interessieren.“ Daher plant man in Petingen bald auch einen Jugendgemeinderat.

Kindergemeinderäte in Bartringen und Differdingen

Das Modell der Kindergemeinderäte ist beliebt und so gibt es auch in anderen luxemburgischen Gemeinden junge Ratsmitglieder. In Bartringen etwa hatte der Kindergemeinderat entschieden, dass im Sommer des Jahres 2016 mit der Verkehrssicherheitsorganisation „Sécurité Routière“ eine Sensibilisierungskampagne stattfinden sollte.

In Differdingen tagt der Kindergemeinderat sogar schon seit dem Jahr 2004. Ein Projekt, das Bürgermeister Roberto Traversini mit initiiert hat und unterstützt. Auch hier sollen die Kinder die Möglichkeit bekommen, selbst Initiative zu ergreifen und Veränderungen in ihrer unmittelbaren Umgebung umsetzen zu können.

In Differdingen sitzen fast dreimal so viele Kinder im Kindergemeinderat wie in Petingen: Hier kommen regelmäßig 20 Kinder, jeweils vier Vertreter aus jeder Schule, für Sitzungen zusammen. Getroffen wird sich etwa alle drei Wochen. In der jüngsten Zeit haben die Differdinger Kinder eine gemeinsame monatliche Schülerzeitung für ihre Kommune ins Leben gerufen.

Die Vertreter haben dem Schöffenrat auch eine Charta mit Verbesserungsvorschlägen für die Schule vorgelegt: Sichere, saubere und kindgerechte Schulgebäude mit Kantinen, außerdem mit Regeln für die Benutzung des Fußballplatzes, Zugang zum Schulhof, besserer Aufsicht. Auch über das Leben in der Gemeinde haben sich die Differdinger Schüler Gedanken gemacht, auf ihrer Liste standen etwa mehr Sauberkeit und ein Foyer, in dem ärmere Menschen unterstützt werden.