COLETTE MART

Die alljährliche Veröffentlichung des Berichtes des Ombuds-Comités für die Rechte der Kinder ist stets ein Moment des Anhaltens und des Nachdenkens darüber, wie viel in unserem Land trotz aller Bemühungen schiefläuft. Der diesjährige Bericht fügt sich in den internationalen Kontext der Flüchtlingsdramen ein. Es kommt vor, dass in Flüchtlingsfamilien keine Papiere der Kinder aus dem Herkunftsland vorliegen, und somit sind diese ohne offizielle Identität.

Zwar gehen sie zur Schule, aber die Eltern bekommen kein Kindergeld, und ohne Papiere können die Kinder auch nicht mit auf den Schulausflug gehen. Dies bedeutet, dass in unseren Schulbänken Kinder in großer Prekarität ausgemacht werden können. Es ist schockierend, dass die jeweiligen Botschaften kein Interesse zeigen, ihnen zu helfen. Das Ombuds-Comité befasst sich auch mit minderjährigen Flüchtlingen, die ohne Begleitung in unser Land kommen, und irgendwann wieder verschwinden; in diesem Kontext wird für die Schaffung eines Spezialstatutes für minderjährige Jugendliche plädiert. Niemand fühlt sich für diese Kinder zuständig, nicht einmal das Jugendgericht, weil nämlich niemand da ist, dem man das Sorgerecht wegnehmen kann. Diese schlechten Nachrichten über die Situation verschiedener Flüchtlingskinder in unserem Land rühren an den internationalen Kontext der Migrationskrise, die seit einigen Jahren viele Länder rundum das Mittelmeer betrifft. Zahlreiche Kinder und Jugendliche sind unüberwacht, werden entführt, verschleppt und versklavt. Die Zeiten sind demnach günstig für skrupellose Menschenhändler. Während 2004 lediglich 10.000 Fälle von Menschenhandel im UN-Büro in Wien offiziell gemeldet waren, zählte man 2016 mehr als 24.000 Fälle, und die Dunkelziffer ist wahrscheinlich sehr hoch.

Kinder werden zu Zwangsarbeit herangezogen oder als Sexsklaven ausgebeutet, sie verschwinden in der Porno-Industrie, oder werden von bewaffneten Gruppen als Kindersoldaten und Selbstmordattentäter ausgebildet. Kinder und Jugendliche aus Syrien und aus Afrika gelten als besonders gefährdet. Unbegleitete afrikanische Jugendliche, die sich auf den Weg nach Europa machen, um ihre Familien zu helfen, landen oft in den Fängen libyscher Sklavenhändler, was die Weltöffentlichkeit mittlerweile weiß. Der Krieg in Syrien und die desaströsen Zustände im Südsudan haben zu einem humanitären Vakuum geführt, in denen Kinder und Jugendliche schutzlos ausgeliefert sind. Berichte, nach denen syrische Kinder auch von Vertretern von Nichtregierungsorganisationen sexuell missbraucht werden, ergeben ein verheerendes Bild der betroffenen Länder ab. In der Tat sind hier sowohl die Herkunfts- als auch die Transit- und Ankunftsländer dieser Flüchtlinge direkt betroffen und auch mitverantwortlich. Der Bericht des Ombuds-Comités offenbart, wie jedes Jahr, verschiedene Löcher im sozialen Netz in Luxemburg, und ebenfalls einige blinde Punkte in unserer Gesellschaft. Ein verstärktes Augenmerk auf den absoluten Respekt der Rechte der Kinder in unserem Land, gesetzliche und soziale Verbesserungen in diesem Bereich könnten dazu führen, dass Luxemburg eine Vorreiterrolle in einer wichtigen humanitären Frage spielen könnte, was uns international sehr gut zu Gesicht stehen würde.