PASCAL STEINWACHS

Vor Begeisterung in die Luft gesprungen sind die Koalitionäre von Blau-Rot-Grün angesichts der Resultate der jüngsten, im Auftrag von RTL und „Wort“ durchgeführten Politmonitor-Umfrage wahrscheinlich nicht - die DP legt hier als einzige Partei leicht zu, derweil die LSAP an Zustimmung verliert und die von der Gartenhäuschen-Affäre um Roberto Traversini und der Datenschutzdebatte gebeutelten Grünen im Vergleich zu ihrer früheren Erfolgssträhne fast schon ein Erdbeben erleben -, aber den Allerheiligenurlaub verdorben hat ihnen die Umfrage sicherlich auch nicht. So büßen doch auch die Oppositionsparteien an Zustimmung ein, wobei die größte Oppositionspartei sogar fast so viel Federn lässt wie die Grünen.

Dass es der CSV nach dem Abgang ihrer Leitfigur Juncker nach Brüssel nach all den Jahren immer noch an einer richtigen Führungspersönlichkeit fehlt, der die Partei wieder auf den sicheren Weg, sprich in die Regierungsverantwortung bringt, daran erinnerte dieser Tage auch das „Luxemburger Wort“, das dann auch feststellte, dass die CSV angesichts der internen Querelen dabei sei, auseinanderzudriften.

Die Streitigkeiten um den Parteivorsitz zwischen (dem aktuellen Präsidenten) Frank Engel und (dem inzwischen mehr oder weniger abgetauchten) glücklosen Kandidaten Serge Wilmes haben dann auch unnötigerweise für böses Blut gesorgt und die Partei - unter Juncker traute sich keiner aufzumucken - weiter entzweit. Ein starker Mann - oder eine starke Frau - hätte hier für Ruhe im Karton sorgen können. Wenn dann auch noch - wie nach dem Besuch des Briten-Premiers, wo Xavier Bettel eine Pressekonferenz ohne Boris Johnson abhielt, nachdem dieser sich von einigen Buhrufern gestört fühlte - CSV-Präsident Engel voll des Lobes für Bettel ist, der ehemalige CSV-Spitzenkandidat Claude Wiseler (laut Politmonitor indes immer noch der beliebteste CSV-Politiker, allerdings weit abgeschlagen auf Platz sieben) jedoch von einem Mangel an Respekt gegenüber Johnson spricht, dann wird mehr als deutlich, dass bei der CSV jeder tut was er will und keiner auch nur den Hauch einer Strategie hat. Zumal Frank Engel, der inzwischen ja kein politisches Mandat mehr innehat und nur schwer auf sich aufmerksam machen kann, seine Meinung inzwischen wieder revidiert hat und Bettel diese Woche auf Facebook vorwarf, sich immer nur selbst in Szene zu setzen.

„Dat ass Spillschoul“ statt Politik, aber in ihrer Verzweiflung probierte die CSV ja vor kurzem sogar, die Regierung auseinanderzudividieren. So übt sich die größte Oppositionspartei aus Mangel an Ideen dann auch momentan, so wie in der bereits erwähnten Gartenhäuschen-Affäre (die natürlich durch nichts zu entschuldigen ist), in Brachial-Opposition, und ließ dafür sogar den für seine Kampfeslust und Verbissenheit gefürchteten Michel Wolter wieder von der Leine, nachdem es sich dieser schon seit längerem in seiner neuen Rolle als Hinterbänkler bequem gemacht hatte.

Xavier Bettel muss sich jedenfalls keine Gedanken machen, dass irgendeiner ihn in den nächsten Jahren aus seinen neuen Räumlichkeiten im Hotel Sankt Maximin vertreiben könnte...