Die Nachricht klang so, als käme sie aus einem anderen Land. Während die Luxemburger Öffentlichkeit sich mehr und mehr um ein vorzeitiges Ende der aktuellen Regierung Gedanken macht, geht das politische Tagesgeschäft weiter, und am Mittwoch kündigte sich im parlamentarischen Justizausschuss der Durchbruch in Sachen Volladoption für gleichgeschlechtliche Paare an.
In einer Zeit, in der allgemein die Diskriminierung von Menschen, auch von Homosexuellen, noch immer ein trauriger Dauerbrenner ist, ist jeder Schritt, der die Gleichstellung von Menschen zum Ziel hat, der richtige.
Falls Luxemburg wirklich im Herbst die Homo-Ehe und eine damit verbundene Möglichkeit zur Volladoption durchsetzen wird, ist unser Land im Bereich der Humanisierung der Gesellschaft ein Stück weitergekommen.
In einer Welt und in einer Zeit, in der wir immer mehr Kinder zählen, um die sich niemand kümmert, ist es positiv, den Kinderwunsch gleichgeschlechtlicher Paare ernst zu nehmen und homosexuellen Menschen genau dasselbe Vorschussvertrauen in Sachen Kindererziehung wie allen anderen zu geben.
Untersuchungen haben ergeben, dass Kinder aus gleichgeschlechtlichen Haushalten keineswegs weniger gut im Leben zurechtkommen, und auch nicht mehr Probleme als andere Menschen mit der sexuellen Zuordnung haben.
In einer Gesellschaft, in der Gefühle wie Liebe und Fürsorglichkeit eher abhanden kommen, ist es positiv, elternlosen Kindern bessere Chancen fürs Leben zu geben, und auch homosexuelle Menschen von Mutter-und Vaterschaft nicht auszuschließen. Homosexuelle Menschen sind bis heute Opfer zahlreicher Diskriminierungen. Noch immer sind Witze und Wortspiele über sie im Umlauf, noch immer sind sie Hänseleien ausgeliefert. Was jetzt die (psychoanalytische) Argumentation anbelangt, dass Kinder einen Vater und eine Mutter brauchen, wäre zu sagen, dass dies zwar stimmt, aber für sehr viele Kinder in der Welt eher nicht der Fall ist.
Kinder, die zur Adoption frei gegeben werden, haben oft niemanden mehr, viele Kinder verwahrlosen in armen Ländern, und auch in den Industrienationen wachsen sehr viele Kinder ohne Vater auf, einige auch ohne Mutter. Unter der „vaterlosen Gesellschaft“ leiden die Väter selbst, und natürlich die Kinder, denen es an männlichen Vorbildern fehlt. Bleibt die Überlegung, ob Kinder gleichgeschlechtlicher Paare eventuell mehr gehänselt werden als andere Kinder.
Hierzu wäre zu sagen, dass Kinder sich oft gegenseitig hänseln und dass prinzipiell kein Kind vor Hänselei in Sicherheit ist.
Die Tatsache jedoch, dass Homosexualität in vielen afrikanischen Ländern zum Beispiel verboten ist, könnte dazu führen, dass gleichgeschlechtliche Paare es doch eher schwerer haben, ein Kind aus einem armen Land zu adoptieren als Heterosexuelle.
Auch ein modernes Gesetz ist eingebettet in eine Welt, die diese Schritte noch nicht gegangen ist und die noch an traditionellen Vorstellungen über Ehe und Elternschaft festhält.


