LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

„Ce soir, j’ovule“ von Carlotta Clerici im „Théâtre du Centaure“

Anne Brionne steht inmitten des Innenhofes des Théâtre du Centaure, ihr Smartphone am Ohr, am anderen Ende der Leitung der Schauspieler Jules Werner: „Moien Jules, c’est Anne...“. Die Schauspielerin steht vor verschlossenen Türen des Theaters, bei der letzten Probe zur „Ce soir, j’ovule“ wurde die Tür zugeschlagen, der Schlüssel steckt innen. Vielleicht habe sie den Schlüssel auch zuhause liegen lassen, merkt Brionne an während sie Werner aufs Band spricht und gleichzeitig in ihrer Handtasche kramt, um doch noch den Schlüssel zum Bühneneingang zu finden. „Lassen Sie uns hier in den Hof setzen, wir können dann schon ein bisschen reden und auf Aïcha warte, sie steht noch im Stau.“

Bühnenfassung ohne Schluss

Aïcha Rapsaet inszeniert bis zum 29. März im Centaure Carlotta Clerici Stück über eine Frau, die alle Hebel in Bewegung setzt, um ein Kind zu bekommen, dann aber von ihrem Arzt mitgeteilt bekommt, dass sie steril ist. Brionne stieß 2014 auf den Monolog und suchte dann eine Regisseurin, den sie in der Person von Rapsaet fand. Das Stück stelle die Frage, wieso man sich ein Kind wünsche, erklärt Brionne. „Ist es, weil die Gesellschaft es von einer Frau erwartet?“ Clericis Stück zeichnet den Lebenslauf einer einzelnen Person, die einem enormen Druck standhalten muss, den sie selber aufbaut und der auch von der Gesellschaft auf sie ausgeübt wird. Die Frau stelle aber keinen Einzelfall dar, betont die vierfache Mutter und erklärt, dass sie verrückt geworden wäre, hätte sie das Schicksal der Frau ereilt, die sie auf der Bühne darstellt. Sie würden das Publikum gerne unterhalten und zum Nachdenken anregen, betonen Brionne und Rapsaet an. „Wir gehen aber nicht zu sehr auf medizinische Details ein“, fügt Rapsaet hinzu. Die belgische Regisseurin hat sich als Vorbereitung auf das Stück nicht mit Frauen unterhalten, die sich in einer ähnlichen Situation befinden wie die Protagonistin des Stücks, sondern das Gespräch mit der Autorin gesucht. „Mir war wichtig zu erfahren, wieso Clericis das Stück geschrieben hat.“

Nach Absprache mit Brionne hat die Regisseurin sich dazu entschieden, für ihre Bühnenfassung auf Clericis Ende zu verzichtet und die Zuschauer mit einem offenen Ende zu konfrontieren. Die Figur, die sie verkörpere, werden, anders als in Clericis Fassung, kein Kind adoptieren, verrät Brionne.