LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Staatsanwaltschaft beantragt zwölf Monate Freiheitstrafe für Kindsmutter

Wer sein Kind schlägt, muss mit einer harten Strafe rechnen: Maria Rosario L. (38) soll 2011 ihre damals achtjährige Tochter regelmäßig misshandelt haben. Das kleine Mädchen war im Grundschulalter, als die Mutter in der Wohnung der Familie regelmäßig körperliche Gewalt angewandt hat. Sie führte Strafrituale ein und schuf mit ihren Erziehungsmethoden und Übergriffen ein Familienklima aus Angst, Unterdrückung und Gewalt, so die Staatsanwaltschaft. Jetzt kam es fünf Jahre nach dem Vorfall zum Prozess gegen die Mutter des Kindes, die sich am Donnerstag vor Gericht zu verteidigen versuchte.

Eine Lehrerin war auf die Hämatome des Kindes aufmerksam geworden. Das Kind hatte sich ihr anvertraut und ihr gesagt, dass ihre Mutter sie schlagen würde. Was sie sah, erschütterte die Lehrerin: Der Körper des Kindes war mit Hämatomen übersät. Die blauen Flecken am Oberkörper und in den Kniekehlen, all dies fand plötzlich eine Erklärung. Für die Lehrerin eindeutig Gewalt gegen das Kind. Sie rief die Polizei.

„Sie sind überfordert“

Laut Anklage soll die Mutter das Kind mehrfach mit einem Ledergürtel geschlagen haben. Vor Gericht erklärt die Mutter aber, sie hätte ihr Kind nie geschlagen. „Das hat ihre Tochter doch nicht erfunden“, unterbricht die Vorsitzende Richterin Elisabeth Capesius die Mutter.

Für die Richterin ist das Schicksal des Kindes ein äußerst tragischer Fall. Für sie ist die Mutter eher eine „psychisch unstrukturierte Frau“, die sich nicht unter Kontrolle hat. Wenn sie das Kind grün und blau schlägt, nimmt sie es manchmal gar nicht wahr. „Sie sind überfordert“, sagt die Richterin in Richtung der Mutter.

Sie sei offensichtlich nicht in der Lage, ihre eigenen Bedürfnisse zurückzustellen. Das sei anscheinend der Grund, warum sie ihr Kind schlagen würde. „Kinder dürfen nicht geschlagen werden, unter keinen Umständen. Kinder haben ein Recht auf Erziehung ohne Gewalt“, sagte die Richterin. „Das Einzige, was ich von Ihnen verlange: Schlagen Sie Ihr Kind nicht mehr.“

Ob sie selbst in ihrer Jugend geschlagen wurde, will die Richterin wissen. Das Gericht wollte der Frau klar machen, dass ihr Kind nicht das erleiden dürfte, was sie selbst erlitten hatte.

Kein Augenkontakt

Die Nebenklägerin hatte sich mit dem Kind unterhalten. Die Kleine würde beim Gespräch den Augenkontakt meiden, sagte die Anwältin. Das Kind habe Angst und versuche einer potenziellen Verunsicherung aus dem Weg zu gehen. Auf die Frage, wie es denn in der Schule so laufe, antwortete das Mädchen schlicht mit „ça va.“ „Sie leidet wirklich“, sagte die Rechtsanwältin und schäme sich, weil sie ihre Mama bei der Lehrerin verpetzt habe. Die Rechtsanwältin beantragte 10.500 Euro Schmerzensgeld für das Mädchen.

Angst, Unterdrückung, Gewalt

„Diese Frau liebt ihr Kind durchaus“, betonte die Substitutin. Aber in bestimmten Situationen könne sie sich eben nicht kontrollieren. Im Zweifel schlage diese Mutter auch zu, um ihre Bedürfnisse durchzusetzen. Es gäbe viele Möglichkeiten, zu lernen, mit der eigenen Wut anders umzugehen und Alternativen zu entwickeln, sagte die Substitutin. Die Schläge mit dem Gürtel seien von dem kleinen Bruder bestätigt worden. Die Staatsanwaltschaft will, dass diese Frau wegen Misshandlung einer Schutzbefohlenen verurteilt wird und beantragt eine Strafe von zwölf Monaten auf Bewährung. Die Urteilsverkündung ist am 15. Dezember.