LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

Juliette Binoche stellte sich den Fragen von Cinémathèque-Direktor Claude Bertemes

Künstlerinterviews in der hauptstädtischen Cinémathèque mit Schauspielern erweisen sich als wahre Publikumsmagneten: Vor dem Filmhaus traten sich am Mittwochabend vor 19.00 Filmfans und Autogrammjäger bei Temperaturen um den Gefrierpunkt die Füße platt, um noch einen der letzten Plätze für das knapp 90-minütige Gespräch von Cinémathèque-Direktor Claude Bertemes mit der französischen Schauspielerin Juliette Binoche zu erhaschen.

Das Künstlergespräch zwischen der Schauspielerin und dem Chef des Hauses wurde gespickt mit kurzen Filmausschnitten, angefangen bei den ersten Filmen, die sie mit Regisseuren aus ihrer Heimat wie André Téchiné gedreht hat, bis hin zu ihren Projekten mit Anthony Minghella, die ihr ermöglichten, auch in Hollywood Fuß zu fassen.

Die beiden Gesprächspartner unterhielten sich auf Augenhöhe, die Französin überraschte ihren Fragesteller und das Publikum das eine oder andere Mal mit sehr spontanen Bemerkungen, mit denen sie den vorgesteckten Rahmen des Gesprächs durchbrach. Bertemes sprach gleich am Anfang des Interviews Binoches familiäre Wurzeln an: Vater und Mutter waren alle beide im Theatermilieu tätig, den beruflichen Werdegang der beiden bezeichnete die Schauspielerin als „manchmal chaotisch“. Binoche drehte in jungen Jahren mit Jean-Luc Godard, den französischen Regisseur betrachtet sie allerdings nicht als ihren Entdecker. Sie habe damals links und rechts nach Rollen Ausschau gehalten, an Castings teilgenommen.

Auf Distanz gehen

Die Französin, die demnächst in „Nobody wants The Night“, dem Eröffnungsfilm der diesjährigen Berlinale zu sehen sein wird, vergleicht die Schauspieler mit Antennen, die Informationen an den Kino- oder Theaterzuschauer senden. Der einzelne Mime müsse selber wissen, was er an das Publikum weiterleite, erklärte Binoche und fuhr fort, dass zwischen dem Schauspieler auf der Bühne und dem Publikum eine direkte Kommunikation bestehe.

Der Vorbereitung auf einen Filmdreh räumt sie eine wichtige Rolle ein: Man müsse sich auf Dreharbeiten vorbereiten, als würde man sich auf eine neue Welt vorbereiten, ließ sie die Zuschauer in der Cinémathèque wissen. Als junge Schauspielerin sei es für sie anstrengend gewesen, nach Ende des Drehs wieder auf Distanz zu ihrer Filmfigur zu gehen, heute sei dies aber für sie ein Leichtes. Man dürfe die Rolle nicht zu persönlich nehmen, lautete die Aussage der Französin.

Von Bertemes auf „Les amants du Pont-Neuf“ angesprochen, meinte Binoche, dass der Film sie, auch wegen der kräftezehrenden Dreharbeiten persönlich verändert habe. „Das Leben ist stärker als die Kunst“, merkte sie an. In Hollywood habe sie nicht anders schauspielern müssen als in Europa, betonte Binoche, als Bertemes sie zu ihrer Hollywood-Erfahrung befragte.