KAHLER
JEFF KARIER

In Kahler eröffnet mit dem „Kinoler“ ein technisch top ausgestattetes Kino

Noch wird an einigen Stellen gebohrt und gehämmert. Aber in knapp zwei Wochen sollen hier Besucher aktuelle Filme genießen können. Denn dann wird nicht nur das neue „Duerfzenter Koler“ eröffnet. Im kleinen Dorf Kahler nimmt dann sogar ein Kino seinen Betrieb auf.

Die Idee für das Kino, das den Namen „Kinoler“ trägt, ging aus dem Vorhaben hervor, das Dorf wieder mehr mit Leben zu füllen. „Das war 2012“, erinnert sich George Fohl, Bürgermeister der Gemeinde Garnich, zu der Kahler gehört. Aus diesem Grund wurde ein Dialog zwischen den Bewohnern des Dorfes initiiert. Man wollte herauszufinden, in welche Richtung sich Kahler entwickeln sollte. In Zuge dessen wurde auch die Asbl „Koler Bierger“ gegründet, die sich unter anderem aus Mitgliedern verschiedener Klubs zusammensetzt. Denn in dem rund 250-Seelen-Dorf sind mehrere Vereine aktiv. Allen voran der „Club des Jeunes Kahler“, dessen traditionelles „Duerf-“ und „Béierfest“ zu den Highlights des Dorfes zählt. Mit „Koler Movies Lëtzebuerg“ und „Épisclérite Production“ gibt es sogar zwei Klubs in der Gemeinde, die sich spezifisch mit dem Medium Film beschäftigen. „Das ist durchaus außergewöhnlich“, betont Fohl.

In den Diskussionen entstand dann die Idee, neben dem „Duerfzenter Koler“, das in der alten Schule des Dorfes entstehen sollte, auch einen kleinen, aber modernen Kinosaal zu bauen. Mit diesem könne man nicht nur etwas für die Bürger von Kahler und der Gemeinde Garnich tun, sondern für die gesamt Region. Schließlich gab es bisher im Westen von Luxemburg noch kein Kino.

„Hinter der Schule, dort wo jetzt das Kino steht, hatte aber die Feuerwehr des Dorfes ihren Schuppen“, erklärt der Bürgermeister. Um den Platz nutzen zu können, musste zunächst die Feuerwehr neue Räumlichkeiten erhalten. Dies war durch die Neugruppierung in einem Einsatzzentrum in Garnich der Fall.

Technisch herausragend

Über einen separaten Eingang betritt man den Anbau, in dem auch der Kinosaal untergebracht ist. Hier blicken einem bereits bekannte Filmfiguren von den Wänden entgegen. Diese hat der junge Künstlers Alain Welter verschönert, der bereits mit seinem Projekt „Make Koler Kooler“ das Dorf ein Stück weit bekannter gemacht hat . Der Kinosaal bietet Platz für 46 Personen. Dabei sind die Sitze besonders gemütlich und mit Leder bezogen. Für das Bild sorgt der Projektor des alten Ciné Scala in Diekirch. Dieser wurde überholt und hat entsprechend des Abstands zur Leinwand ein neues Objektiv erhalten.

Die große Besonderheit ist die Surround-Sound-Technik „Dolby Atmos“. Bislang verfügen nur zwei Säle im Land über diese und zwar die jeweils größten Säle im neuen Ciné Scala und dem Kinepolis auf Kirchberg. „Unser Saal ist vermutlich der kleinste Dolby Atmos-Saal weltweit“, meint Henri Knupertz, Präsident der „Koler Bierger“ mit einm Lachen. Allerdings nutzen bislang nur wenige Filme diese Technologie, was sich in den kommenden Jahren jedoch ändern dürfte. Wie es sich für ein Kino gehört, gibt es an der Kasse neben Getränken auch Popcorn und andere Süßigkeiten. Snacks wie Nachos zählen allerdings nicht zum Angebot.

Was das Programm des Kinos betrifft, so erklärt Knupertz, dass man als Mitglieds des Verbands „Centre de diffusion et d’animation cinématographique“ (CDAC) aktuelle Filme zeigen werde, und zwar voraussichtlich in verschiedenen Fassung, also in synchronisierter und Originalfassung. Man wolle sich dabei aber nach dem Publikum richten.

„Wir werden mittwochs bis samstags ab 20.00 einen Film zeigen. Am Sonntag wird es zusätzlich um 15.00 eine Vorführung für Kinder geben“, erklärt Knupertz. Montags und dienstags bleibt das Kino geschlossen. Je nachdem wie die Resonanz ist, könne man weitere Vorführzeiten ansetzen. Hervorzuheben ist dabei, dass das Kino von den Mitgliedern der Asbl in ihrer Freizeit betrieben wird. „Dabei hatten wir zu Beginn des Projekts von Tuten und Blasen keine Ahnung. Hier gilt unser Dank unter anderem den Leuten des Ciné Scala sowie des Ciné Orion“, betont Knupertz. Diese hätten ihnen mit Rat und Tat zur Seite gestanden.

Nicht nur ein Kino

Das „Duerfzenter Koler“ selbst bietet einen großen Festsaal mit Tresen, in dem die Klubs des Dorfs Veranstaltungen organisieren können, der aber auch von Bürgern genutzt werden kann. Darüber hinaus verfügt das Zentrum auch über eine moderne und große Küche. Im ersten Stock befinden sich neben dem Raum des „Club des Jeunes Kahler“ auch die Toiletten. „Hier wohnte zuvor eine ältere Dame, die jetzt in eine unser neuen Sozialwohnungen direkt neben an umgezogen ist“, erklärt der Bürgermeister.

Insgesamt hat das Projekt „Duerfzenter Koler“ 3.630.000 Euro gekostet, wovon 35 Prozent auf das Kino und dessen Technik entfallen. Allerdings haben verschiedene Ministerien Subventionen für dieses Projekt zugesichert. Fohl spricht mit Blick auf das Kino von einem kalkulierten Risiko, denn „wenn das Kino in zehn oder 15 Jahren nicht mehr funktionieren sollte, kann man den Raum ganz einfach umfunktionieren.“ Dies sei bei der Planung berücksichtigt worden. So könne man etwa die Tribüne mit den Stühlen unkompliziert entfernen und so den Raum etwa als weiteren Festsaal nutzen.

Offiziell eingeweiht wird das Zentrum am 30. November. Der erste Film wird dann am Samstag dem 1. Dezember um 20.00 laufen. Welcher Film es sein wird, steht noch nicht fest. Der Eintritt wird für Erwachsene bei acht Euro liegen, Kinder werden sechs Euro zahlen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Film Überlänge, „Dolby Atmos“ oder 3D hat.

Tickets sowie seinen Sitzplatz kann man demnächst über die Internetseite www.kinoler.lu bestellen.