SIMONE MOLITOR

Wenn nach jahrhundertelanger Vorherrschaft die Macht immer mehr schwindet, kann das zu Existenzängsten führen. Dass die katholische Kirche in Luxemburg momentan von derartigen Sorgen geplagt ist, wird sie nicht leugnen können, insbesondere jetzt, da nicht nur die Trennung vom Staat ins Gotteshaus steht, sondern auch noch der traditionelle Religionsunterricht abgeschafft werden soll. Bereits mit dem Inkrafttreten des Schulgesetzes im Jahr 1912 war der Klerus maßgeblich in seinem Einfluss auf die Schulbildung beschnitten worden. Der Priester hatte nicht länger das Sagen in der Schule. Ein Riss ging seinerzeit durch die klerikale Gesellschaft. Dass aber die Einführung eines einheitlichen Werteunterrichts nun zu einer ähnlichen Spaltung führen würde, käme wohl dem berühmten „Teufel an die Wand malen“ gleich.

Plan B wurde jenseits der Bistumsgemäuer ausgearbeitet und sieben weitere Glaubensgemeinschaften mit ins Boot genommen, um künftig einen gemeinsamen Kurs anzubieten, in dem viele Religionen vertreten sind. Eine Art Verzweiflungstat der katholischen Kirche, um den religiösen Einfluss auf die Kinder nicht komplett zu verlieren? Oder doch ein historischer Schritt? Immerhin wird anerkannt, dass sich die religiöse Landschaft verändert hat, und noch dazu anderen Glaubensgemeinschaften das Recht zugestanden, vor den Schülern für ihre Ideologien einzutreten. Wie Erzbischof Jean-Claude Hollerich sagte, soll es dabei nicht um die Glaubensvermittlung gehen, auch nicht um Geld oder Macht, sondern vielmehr um die Wissensvermittlung.

Laut Volker Strauß, seines Zeichens Präsident des Rates der christlichen Kirchen, sollen „die Kinder etwas über die Religionen erfahren, nicht im Sinne der Propaganda, sondern um sich zu informieren, um kritisch hinzuschauen, auch vergleichen zu können und vor allem unsere Gesellschaft und Teile dieser Gesellschaft, zu denen die Religionen gehören, besser zu verstehen“. Soll nicht genau das auch einer der Bestandteile des Werteunterrichts sein? Damit wären wir beim grundlegenden Problem, bisher weiß nämlich scheinbar niemand genau, wie die Inhalte dieses neuen einheitlichen Kurses aussehen sollen. Als recht nebulös könnte man die bisherigen Erklärungen dazu bezeichnen. Wären die Informationen klarer, würde sich vielleicht so manche Diskussion erübrigen.

Was den kuriosen Plan B anbelangt, so bleibt die Frage, wer diesen Religionenunterricht überhaupt halten wird? Sollen alle acht Köche abwechselnd an dem Süppchen kochen? Logisch wäre es. Prompt kam dazu die Stellungnahme der Vereinigung der Religionslehrer: Die Religionslehrer würden sich ihrer Ausbildung wegen am besten eignen. Wie hätte es auch anders sein können. Ob sich die anderen Glaubensvertreter damit einverstanden erklären, ist allerdings fraglich. Eine weitere Frage drängt sich auf: Wie soll etwas derart Zusammengewürfeltes funktionieren? Wo ist die gemeinsame Basis? Die Weltanschauungen und Ideologien gehen doch bisweilen weit auseinander. In eine Suppe kann man wohl alles reinschmeißen, was der Garten so hergibt, das heißt aber noch lange nicht, dass sie am Ende genießbar ist. Viele Köche verderben bekanntlich den Brei. Dass die Initiative manch einem etwas scheinheilig vorkommen mag, dürfte folglich nicht von der Hand zu weisen sein.