LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Badreddin macht mit dem „Ornina Syrian Orchestra“ ein anderes Bild seiner Heimat hörbar

Die Laute lehnt an der Wand, daneben stehen ein Klavier, ein Schlagzeug, auf dem Boden ein Geigenkoffer. Die Instrumente gehören zum Alltag von Shafi Badreddin. Er liebt Musik, vor allem arabische. Die hat er schon früh in seiner Heimat Syrien am Konservatorium in Damaskus studiert. Für die Musik zog er noch vor Beginn des Krieges 2002 nach Frankreich, um dort am Konservatorium von Lyon mehr über Komposition und Elektroakustik zu lernen. Das blieb natürlich nicht ohne Folgen. Badreddin komponierte selbst. Seit 2006 lebt er in Luxemburg. Seine Stücke wurden bislang in Frankreich, Italien, den Niederlanden, Deutschland, der Türkei, Syrien und arabischen Ländern aufgeführt. Und in Luxemburg. Hier war er 2018 im „Grand Théâtre“ zu hören.

Im Land machte er sich mit dem „Ornina Syrian Orchestra“ einen Namen. Es ist ein Orchester mit professionellen Musikern, vorzugsweise aus seiner Heimat, die heute teilweise in Stockholm oder Madrid oder in anderen europäischen Ländern leben. „Die Medien zeigen nur die negativen Bilder von Syrien. Aber es gibt auch ein anderes Gesicht. Ich bin syrischer Künstler und möchte diese positive Seite vermitteln“, sagt er. Das Orchester hat der 46-Jährige mit anderen Musikern 2016 gegründet und leitet es. „Wir haben einen Verein“, erzählt er. Das „Ornina Syrian Orchestra“ spielt neue syrische sowie arabische Musik und verfügt auch über einen syrischen Chor.

Badreddin empfängt uns im Restaurant „Phenicia“, das seine Familie betreibt. Natürlich steht auch hier eine Bühne, auf der live musiziert wird. Der Musiker ist dabei nicht allein. „Auch meine Brüder spielen Instrumente wie Trompete oder Cello“, erklärt er. Der Komponist und Musiker spielt Klarinette, arabische Laute - die Hol - und Klavier. Das hilft ihm beispielsweise beim Komponieren. Ohne lange zu zögern nimmt er die Laute und schlägt die Saiten an.

„Unser erstes Konzert hieß ,Voice of Syria‘, weil wir ein anderes Bild von Syrien zeigen wollten als immer Krieg und Ruinen, das letzte hieß ,Hymne an den Frühling‘ in Anspielung an den arabischen Frühling“, berichtet er. „Man muss sich kennenlernen, um zusammenleben zu können.“ Badreddin, der durch eine private Beziehung nach Luxemburg kam, will seine Liebe zur Musik auch hier weitergeben. Der Name seines Orchesters sei eine Referenz. „Ornina, das bezieht sich auf eine bekannte Sängerin des Tempels von Ugarit, nahe dem heutigen Latakia, die um 1500 vor Christus gelebt hat“, erklärt er die Bezeichnung. Diesem Anspruch will der Orchestergründer gerecht werden. Zur Aufführung in Luxemburg kam eine bekannte syrische Solistin. „Aber wir arbeiten auch mit dem Pianisten David Ianni zusammen, er ist ein Freund“, meint Badreddin.

Das Orchester umfasst 35 Mitglieder, mit dem Chor sind es über 50. „Wir treffen uns zwei- bis dreimal pro Woche zum Üben“, erklärt Badreddin. Unter den Orchester-Musikern sind nicht nur Exil-Syrer sondern auch Musiker. „Wir wollten ein Mini-Sinfonie-Orchester, aber eben eines, das nicht klassisch europäisch, sondern klassisch arabisch ist“, sagt der Musiker. „Mit Trompete, Streichern und Posaunen.“ Dazu kommen traditionelle arabische Instrumente wie Oud, die arabische Laute, arabische Trommeln „Darbouka und Daf, Qanoun, eine Art Zither, oder die Nay-Flöte. „Wir waren in der arabischen Welt eines der ersten Orchester, das Metallbläser einbezogen hat“, freut sich der Orchestergründer. Damit alles gut klingt, arrangiert er die Stücke. „Dabei muss ich aufpassen, nicht die Originalität des Stücks zu beeinträchtigen.“

Es gibt laut Badreddin viele Unterschiede zwischen westlicher und arabischer Musik. Ein Beispiel sei das Improvisieren: „In der arabischen Musik gehört es zum Stil, viel mehr zu improvisieren. Gleichzeitig gibt es auch dafür Regeln.“ Er selbst ist sehr der so genannten Spektralmusik zugeneigt, die sich in den 1970er Jahren durch die Studiotechnologie herausgebildet hat. Badreddin lehrt selbst nicht am Konservatorium, aber er freut sich, dass das Orchester dort Instrumente für Konzerte ausleihen darf. „Das Conservatoire du Nord hat auch Schüler, die bei uns mitmusizieren.“

Nach den Auftritten von 2018 hat Badreddin weitere Projekte. „Ich würde gern ein Musical aufführen“, sagt er. Und erzählt von den Rahabani-Brüdern Assi und Mansour aus dem Libanon, die ab den 50ern immer bekannter wurden und mit der Sängerin Nouhad Haddad, besser bekannt als Fairuz, ein sehr erfolgreiches Trio bildete. In den 70er Jahren führten sie erfolgreich Musicals wie „Al Mahatta“ (Der Bahnhof) auf. „Das ist wirklich genial“, findet Badreddin, der den vielseitigen Künstlern viel abgewinnen kann und sie gern selbst aufführen würde.

Momentan bereitet er weitere Auftritte vor. Badreddin hat Anfragen aus dem Ausland. Die Europäische Kommission hat beispielsweise ein Programm namens „Europe Creative“, das Aufführungen in mindestens drei Ländern voraussetzt und ihn interessiert. Auch eine Teilnahme an Esch 2022 kann er sich gut vorstellen. „Da bereiten wir gerade unsere Bewerbung vor. Es ist viel Papierkram.“

Jeden Mittwoch trifft sich die Ornina asbl um 20.00 im Restaurant Phenicia.