Für die Vereinigung der Religionslehrer des Grundschulunterrichts ist die vor rund einem Jahr angekündigte Abschaffung des Religionsunterrichts ein „Schock, der bis heute nachwirkt“. Mit der Konvention zwischen Staat und Glaubensgemeinschaften, die am Montag unterzeichnet wurde, sei dem Beruf des Religionslehrer ein Ende gesetzt worden, sagte Yves Brosius, Präsident der „Association Luxembourgeoise d’En-seignant(e)s d’Education Religieuse et Morale dans l’Enseignement Fondamental“ (ALERF), gestern. Die Religionslehrer machen sich insbesondere Sorgen, was ihre berufliche Zukunft angeht. Auf ihre Fragen - wie etwa die Übernahme durch das Ministerium genau ablaufen soll - erwartet sich die ALERF klare Antworten von Bildungsminister Claude Meisch (DP) und hofft, „nicht wieder vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden“. Es dürfe außerdem nicht der Eindruck entstehen, dass es sich bei Religionslehren um schlecht ausgebildete Leute handele. Einige hätten einen Bachelorabschluss, andere einen Sekundarschulabschluss, andere wiederum hätten eine Reihe von Weiterbildungen absolviert. Von insgesamt rund 240 Religionslehrern hätten bis zu 100 einen Bachelor-Abschluss, sagte Brosius.
Unverständnis über Vorgehen der Regierung
Allerdings wäre eine Umorientierung überflüssig, würde am Religionsunterricht und der Wahlmöglichkeit festgehalten. Leider habe der Religionsunterricht, der mit vielen Vorurteilen behaftet sei und mit Katechismus nichts mehr zu tun habe,, nie die Chance gehabt, sich zu beweisen“, argumentierte der Präsident der ALERF. „Unerklärlich“ sei, warum ein Unterrichtsfach abgeschafft werde, in dem über 70 Prozent der Grundschüler eingeschrieben sind. Auch der Bürgerinitiative „Fir de Choix“, die über 25.000 Unterschriften für den Erhalt der Wahlfreiheit gesammelt habe, sei quasi ignoriert worden. Ebenso wie der alternative Vorschlag des Religionenunterrichts mit Verweis auf das Regierungsprogramm „nicht einmal ansatzweise in Erwägung gezogen wurde“, obwohl er der gesellschaftlichen Vielfalt Rechnung getragen hätte.
Insgesamt kann die ALERF die Vorgehensweise der Regierung nicht nachvollziehen. „Wir sind enttäuscht und unzufrieden über diese Einigung“, sagte Brosius. Lediglich über die Medien sei man zunächst auf die Pläne der Regierung aufmerksam geworden. Bei den anschließenden Treffen mit Ressortminister Meisch seien die meisten Fragen unbeantwortet geblieben, auf die versprochene Roadmap warte man heute noch. Möglichkeiten, auf das nun beschlossene Abkommen einzuwirken, habe es keine gegeben, sagt die ALERF.


