ATHEN/LUXEMBURG
LJ MIT DPA

Griechen lehnen bei Referendum Forderungen der Geldgeber mit großer Mehrheit ab

Die Griechen haben beim Referendum über die Sparpolitik die Forderungen der Geldgeber unerwartet deutlich abgelehnt. Nach Auszählung von knapp 50 Prozent der abgegebenen Wahlzettel stimmten über 61 Prozent mit „Nein“. Das war der Stand bei Redaktionsschluss. Definitive Resultate werden für heute morgen erwartet. Die Reformgegner lagen dabei während des Auszählung in allen Regionen des Landes vorn. Die Regierung in Athen kündigte noch für den Abend einseitig neue Verhandlungen mit den Gläubigern an. Die internationalen Geldgeber hatten allerdings gewarnt, ein mehrheitliches „Nein“ werde alles noch komplizierter machen und womöglich ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro nach sich ziehen. Regierungschef Alexis Tsipras hatte dagegen seinen Anhängern versprochen, ein „Nein“ werde seine Verhandlungsposition gegenüber den Geldgebern stärken.

Kurz nach Schließung der Wahllokale feierten Hunderte Gegner des Reformprogramms auf den Platz vor dem Parlament in Athen. Der griechische Verteidigungsminister Panos Kammenos reagierte erfreut auf erste Ergebnisse. „Dies zeigt, dass das griechische Volk nicht erpresst, terrorisiert und bedroht werden kann. Die Demokratie siegt“, schrieb er auf Twitter. Er ist Parteichef der rechtspopulistischen Unabhängigen Griechen, des Koalitionspartners des linken Regierungschefs Tsipras.

Regierungssprecher:„Es muss eine Lösung binnen 48 Stunden geben“

Noch gestern Abend wollte man substanzielle Gespräche mit den internationalen Partnern beginnen, erklärte Regierungssprecher Gabriel Sakellaridis in Athen. „Das Mandat (des Volkes) ist klar.

Ein neuer Versuch beginnt (seitens Athens) für eine für beide Seiten günstige Einigung, als gleiche Partner und nicht als eine Schuldenkolonie“, sagte Sakellaridis. „Es muss eine Lösung binnen 48 Stunden geben.“ Tsipras werde sich „sehr schnell bewegen, um den Auftrag des Volkes in die Tat umzusetzen. Ab heute starten wir Verhandlungen“, hieß es. Aufseiten der Euro-Partner zeichnete sich gestern Abend dagegen keine Bereitschaft zu schnellen Gesprächen ab. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel wird heute in Paris den französischen Präsidenten François Hollande treffen, um über die Konsequenzen aus dem griechischem Referendum zu beraten. Das teilte Regierungssprecher Steffen Seibert gestern Abend mit.

Die griechische Regierung hatte bis zuletzt im scharfen Tonfall die Position der internationalen Geldgeber aus EU-Kommission, IWF und Europäischer Zentralbank (EZB) kritisiert .

„Was man mit Griechenland macht, hat einen Namen: Terrorismus“, sagte Finanzminister Gianis Varoufakis vor dem Referendum in einem Interview der spanischen Zeitung „El Mundo“. Tsipras hatte die Volksabstimmung zur Verärgerung der Geldgeber überraschend angesetzt. Die Verhandlungen gerieten danach in eine Sackgasse. Noch zur Verfügung stehen Hilfsgelder in Milliardenhöhe für das von der Staatspleite bedrohte Land verfielen am Dienstag. Ohne neue Hilfskredite droht ein schneller Zusammenbruch der Banken und der Staatsfinanzen. Überall in Europa jubelten linke Parteien über das Resultat. „Le peuple a vaincu. Le gouvernement grec est renforcé. La Troïka est ko“, twitterte gestern Abend der luxemburgische „Déi Lénk“-Abgeordnete David Wagner. Wir kommen morgen in einem „Thema des Tages“ auf das Referendum und die Folgen zurück.