ROSPORT
CORDELIA CHATON

Das Mineralwasserunternehmen Rosport will bis Ende des Jahres 100 Prozent aller Flaschen aus recyceltem Plastik herstellen - Direktor Max Weber setzte lange vor Greta darauf

Lange bevor es Trend am Markt war, setzte Rosport auf Umweltschutz. Für Direktor Max Weber ist das sowohl eine Herzens- als auch eine Überzeugungssache. „Den Vorgesetzten kommt dabei eine besondere Vorbildrolle zu“, stellt er fest. Rosport ist ein 1955 gegründetes Luxemburger Traditionsunternehmen, das im gleichnamigen Ort an der Sauer aus zwei Quellen sowohl stilles als auch kohlensäurehaltiges Mineralwasser unter den Markennamen „Viva“ und „Rosport“ abfüllt. Insgesamt verkauft Rosport rund 24 Millionen Liter Getränke pro Jahr, Apfelschorle und anderes mitgerechnet. Damit sind die Luxemburger ein Winzling im Vergleich mit den multinationalen Konzernen wie Nestlé, zu dem San Pellegrino, Vittel oder Contrex gehören, oder dem Coca Cola-Konzern. Zum Vergleich: Während Rosport mit 26 Mitarbeitern 35 Millionen Flaschen jährlich abfüllt, sind es bei Nestlé rund 290.000 Angestellte, 48 Wassermarken und etliche Milliarden Liter abgefülltes Flaschenwasser jährlich.

Geschlossene Kreisläufe

Doch Rosport hat es verstanden, aus dem Nachteil einen Vorteil zu machen - insbesondere beim Thema Verpackung. „Wir sind ein kleines Land und unser Ziel waren von Anfang an geschlossene Kreisläufe“, erklärt Weber im Gespräch mit dem „Journal“. Das gilt sowohl für Glasflaschen als auch für Plastikflaschen. In diesem Segment hat „Fridays for Future“ viel bewegt. Die erste Entscheidung klingt zunächst überraschend: „Wir exportieren nichts“, sagt Weber. „So können wir die Flaschen im Land halten und selbst wieder verwenden.“ Das leuchtet ein. Im Jahr 2015 hatte Rosport neue Glasflaschen eingeführt. „Seither kommt das viel stärker“, beobachtet Weber. „Und seit 2018 nimmt der Anteil der PET-Flaschen ab. Der Abschwung ist mit zehn Prozent pro Jahr relativ hoch. Das ist der Greta-Effekt.“

Während 2003 noch ein Viertel der Flaschen PET waren und 75 Prozent Glas, hatte sich das 2010 auf 41 Prozent PET verschoben und 2017 auf 51 Prozent. Seither geht der Plastikanteil zurück. Weber rechnet für dieses Jahr mit 43 Prozent PET-Flaschen. Dabei können sich die Flaschen von Rosport mit Blick auf die Umweltbilanz sehen lassen. Seit 2010 arbeitet Rosport mit Valorlux zusammen, die die Plastikflaschen in Luxemburg sammeln. Diese werden an das Unternehmen Plastikpak verkauft, das sie schreddert und dekontaminiert, bevor sie in Käerjeng zu rPET recycelt werden, Chips also, die wieder recycelt werden können. Derzeit verwendet Rosport 50 Prozent rPET für seine Flaschen. „Ende 2020 wollen wir alle Flaschen auf 100 Prozent umstellen“, gibt Weber das Ziel vor.

Möglich wird das nicht zuletzt durch den geänderten Zeitgeist. Denn noch vor einigen Jahren hätten die Kunden das abgelehnt. Der Grund: Durch das Recycling verändert sich die Farbe. Rosport-Flaschen, die eigentlich hellblau und klar sind, werden grauer und undurchsichtig. „Jetzt will der Kunde mehr Recycling und der optische Aspekt ist nicht mehr so wichtig“, hat Weber festgestellt. „Das ist der gleiche Trend wie beim Papier. Dem Kunden ist die reine Kosmetik nicht mehr so wichtig.“ Ihm selbst geht es vor allem um das Konzept: „Wir wollen Circularität und kurze Wege.“ Deshalb arbeitet Rosport mit allen möglichen Stellen zusammen, vom Wirtschaftsministerium über Luxinnovation bis hin zu Partnerunternehmen. Die Kapseln für die Flaschen kommen von United Caps aus Wiltz und die Label vom Roost. „So haben wir einen geschlossenen Kreislauf im Land. Natürlich hätten wir auch billigere Lieferanten auf der anderen Moselseite finden können. Aber wir wollen hier den Kreislauf aufbauen und unterstützen.“

Einen Partner hat Rosport im deutschen Morbach gefunden, die Firma Papier-Mettler. Sie verarbeitet unter anderem Reste aus der Zuckerrohrherstellung. „Dieses Polyethylen aus Zuckerrohr ist voll recyclingfähig. Anders ist es bei Kunststoffen auf Stärkebasis, wie Mais- oder Kartoffelstärke“, weiß Weber. „Hier wird über 50 Prozent unseres Packfilms aus Abfall vom Zuckerrohr verwendet und das ist somit auch noch umweltfreundlich.“ Der daraus gewonnene Film wird für Umverpackungen verwendet, die beispielsweise Sechserflaschen-Lose zusammenhalten.

Wasser aus der Region

Rosport ist heute so weit in Sachen Umwelt, weil das Unternehmen schon vor sieben Jahren angefangen hat; lange vor Greta, Fridays for future und Vintage-Mode. „Am Anfang haben wir 25 Prozent Recyclat verwendet, jetzt sind wir bei 50 Prozent“, berichtet Weber. Rosport hat für sein Engagement schon viele Preise gewonnen. In Zukunft will Weber weitermachen. Dabei setzt er sowohl auf Glas als auch auf PET.

„Die Glasflasche ist oft nicht so viel besser, weil die Herstellung klimaintensiv ist, bei 86 Grad Celsius gewaschen werden muss und viel hin- und hergefahren wird, bevor sie wieder befüllt wird.“ Die meisten Konsumenten in Luxemburg hingegen würden die PET-Flasche in die Valorlux-Tüte geben. So kommt Rosport schnell wieder an Granulat aus den eigenen Flaschen. „Deshalb wollen wir Rosport nicht ins Ausland verkaufen. Dann sind alle Vorteile der Nähe und der kurzen Wege weg“, unterstreicht der Rosport-Direktor. Er gibt zu bedenken, welche Reise die Glasflasche eines italienischen Herstellers auf sich nehmen muss, um beispielsweise zurück zum Abfüllort zu gelangen. „Viele der Glasflaschen werden dort weggeworfen, weil sie nicht mehr befüllbar sind. Man muss sich bewusst sein, wie viel dahinter steckt.“ Längst ist das Vorgehen von Rosport auch ein Argument ihren Großkunden gegenüber. „Der Preis ist nicht mehr das Wichtigste“, sagt Weber. „Was wir offerieren, kann keine internationale Firma bieten. Wir machen alles bis hin zum Recycling hier.“

Das kommt bei den Kunden gut an. Aus Umfragen weiß Weber, dass sie immer mehr Wert auf die ökologische Verträglichkeit legen. Im vergangenen Jahr gaben mehr als ein Drittel der Kunden an, dass ihnen das wichtiger war - Werte, die noch vor zehn Jahren die Faktoren Marke oder Preis erreichten. Daneben spielt auch der lokale Faktor eine Rolle. „Die Menschen wollen nicht nur Gemüse und Milch aus der Region, sondern auch Wasser. Wir sind luxemburgisch und lokal, nur so können wir so preiswert sein“, sagt Weber. Das gefällt nicht nur Luxemburgern. „Wir kommen auch bei Ausländern gut an“, lächelt der Rosport-Direktor. Der Umweltaspekt spielt dabei eine zunehmende Rolle.