BERLIN
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Der Goldene Bär geht an den verfolgten iranischen Filmemacher Jafar Panahi

Der iranische Regimekritiker Jafar Panahi ist für seinen Film „Taxi“ mit dem Goldenen Bären der 65. Berlinale ausgezeichnet worden. Der Hauptpreis der Berliner Filmfestspiele wurde dem 54-Jährigen am Samstagabend in Abwesenheit verliehen. Iran hat über den Regisseur ein Arbeits- und Ausreiseverbot verhängt. In der heimlich gedrehten und nach Berlin geschmuggelten Komödie „Taxi“ chauffiert Panahi seine Landsleute durch Teheran und lässt sie von ihren Alltagsproblemen erzählen.

Für das deutsche Bankräuber-Drama „Victoria“ von Regisseur Sebastian Schipper gab es einen Silbernen Bären für die beste Kamera - 140 Minuten lang nonstop geführt von dem Norweger Sturla Brandth Grøvlen. „Victoria“ bekam außerdem den Preis der Gilde Deutscher Filmkunsttheater. Schippers Drama war auch für den Goldenen Bären als bester Film gehandelt worden.

Als beste Schauspieler wurden die Briten Charlotte Rampling und Tom Courtenay geehrt. Sie spielen in dem Drama „45 Years“ von Andrew Haigh ein verzweifelt um seine Beziehung kämpfendes Ehepaar.

Unter Tränen

Mit dem Goldenen Bären für Panahi setzte die Jury unter Vorsitz von US-Regisseur Darren Aronofsky („Black Swan“) ein deutliches politisches Zeichen. Den Preis für Panahi nahm unter Tränen seine zehnjährige Nichte Hana Saeidi entgegen, die im Film auch mitgewirkt hatte. „Ich bin nicht in der Lage etwas zu sagen, ich bin zu ergriffen“, sagte sie. Auch Panahis Ehefrau war im Publikum und machte das Victory-Zeichen.

„Panahi hat einen Liebesbrief an das Kino geschaffen“, sagte Aronofsky über den Regisseur. Sein Film sei voller Liebe für seine Kunst, seine Landsleute, sein Land und sein Publikum. Zuletzt ging der Goldene Bär im Jahr 2011 in den Iran. Den Hauptpreis holte damals Asghar Farhadis Scheidungsdrama „Nader und Simin - Eine Trennung“, das später auch den Oscar gewann.

Die Jury entschied sich nicht für die Werke großer Altmeister wie Terrence Malick, Werner Herzog und Peter Greenaway. Stattdessen blickte das Gremium, in dem auch der deutsche Schauspieler Daniel Brühl saß, vor allem Richtung Lateinamerika. Den Großen Preis der Jury erhielt das chilenische Drama „El Club“ (Der Club) von Pablo Larraín. Der Film handelt von Priestern, die Kinder missbraucht haben.

Ebenfalls nach Chile ging der Bär für das beste Drehbuch: Regisseur Patricio Guzmán bekam den Preis für den Dokumentarfilm „Der Perlmuttknopf“ über die blutige Geschichte seines Heimatlandes. Guatemala, das erstmals im Wettbewerb vertreten war, holte mit dem Frauen-Drama „Ixcanul Volcano“ von Jayro Bustamante den Alfred-Bauer-Preis. Die Auszeichnung wird an Filme vergeben, die dem Kino neue Perspektiven eröffnen.

In Schwarz-Weiß

Den Preis für die beste Regie teilen sich zwei Filmemacher: Ausgezeichnet wurde „Aferim!“ vom rumänischen Regisseur Radu Jude, ein Schwarz-Weiß-Film über Sklaverei im 19. Jahrhundert in der Walachei. Zugleich wurde „Body“ der Polin Malgorzata Szumowska geehrt. In dem Film geht es um das zerrüttete Verhältnis eines Vaters zu seiner magersüchtigen Tochter. Der „Victoria“-Kameramann teilt sich den Silbernen Bären mit dem Kamerateam des russischen Endzeit-Dramas „Under Electric Clouds“ von Alexei German.

Die elftägigen Berliner Filmfestspiele zeigten mehr als 400 Filme aus aller Welt. Im Rennen um den Goldenen und die Silbernen Bären waren 19 Regiearbeiten, darunter drei Filme von Deutschen.