LUXEMBURG
CLAUDE MULLER

Kult und Raritäten aus der globalen Musikszene - Teil 3

Beim Recherchieren oder einfach beim gelegentlichen Herumstöbern stößt man regelmäßig auf Kleinode spezieller musikalischer Experimente, die den Weg in die Regale der meisten Plattenläden wegen des eher unkommerziellen Ziels nicht gefunden haben. Immer wieder beschäftigen sich Musiker aus verschiedensten musikalischen Umgebungen mit der Adaptation klassischer Werke, teils um sich selbst einen zweckgebundenen Traum zu erfüllen, teils um diese manchmal in monumentalen, großorchestralen Kreationen verpackten Meisterwerke in einer vereinfachten Form einem anderen, einem neuen Publikum zugänglich zu machen. Mit einer Geschichte, die das Leben schrieb, bereitet uns der Perkussionist Alex Jacobowitz im Begleittext auf sein einzigartiges Projekt „The Art Of Xylos“ vor, das die Transkription bedeutender Orchesterwerke für Xylophon und Marimba als Soloinstrument präsentiert. Er war es einfach leid als Perkussionist im Sinfonieorchester ein trauriges, unerfülltes Dasein zu führen, das oft erst nach Hunderten Takte Pause oder gar erst in den Schlussphasen mancher Symphonien einen Einsatz verlangte.

Mit seiner Auswahl unsterblicher Werke aus dem Bereich der klassischen Musik bietet der US-amerikanische Musiker in seinen originellen Bearbeitungen einen Leckerbissen der besonderen Art. Seine virtuose Technik und sein Feeling für subtile Klangmalereien erlauben es dem Solisten in seinen a capella-Versionen bekannten Werken wie Beethovens „Mondscheinsonate“, Schumanns „Träumerei“, Fantasien von Bach oder Mozart bis zur Klassik der Moderne den richtigen Touch abzugewinnen - erschienen bei Arte Nova Ebenso anspruchsvoll sind die Arrangements des in Jazzkreisen bestens bekannten Saxofonisten Branford Marsalis, der auf der CD „Romances For Saxophone“ dem Klassikliebhaber dieses Instrument in neuem Gewand näher bringt.

Fagott und Theorbe im Mittelpunkt

Marsalis, dessen Sound jedem Radiohörer durch sein Solo in Stings „Englishman in New York“ bestens vertraut ist, setzt mit der Auswahl des Repertoires dieses Projekts hauptsächlich die Spiritualität des Impressionismus französischer Komponisten in den Mittelpunkt. Seinem subtil geblasenem Sopransaxofon, das manchmal wie eine Oboe oder ein English Horn klingt gewinnt Marsalis gelegentlich auch ein exotisches Timbre ab. Debussy, Ravel, Satie faszinieren ebenso wie der berühmte fünfte Teil der „Bachianas Brasileiros“ des brasilianischen Komponisten Heitor Villa-Lobos, ursprünglich für Stimme und acht Celli konzipiert. Desweitern ist die russische Schule mit Strawinsky und Mussorgsky vertreten.

Auch für das Fagott gibt es nicht viele Solistenrollen. Der türkische Fagottspieler und Leiter des auf Barockmusik spezialisierten Ensembles „Musica Sequenza“ Burak Ozdemir hat auf dem Album „The Silent Cantata“ Arien, Choräle und Kantaten von Johann Sebastian Bach in rein instrumentalen Versionen für sein Instrument arrangiert. Mit einer Gegenüberstellung zweier Komponisten, dessen Schaffensperioden fast dreieinhalb Jahrhunderte auseinander liegen, befasst sich die „Lautten Compagney“ unter der Leitung des Theorbespielers, einer antiken Basslaute, Wolfgang Katschner. Dazu habe sie Miniaturkompositionen von Tarquinio Merula, einem zu Unrecht fast vergessenen Tonkünstler des frühen Barock, der von 1595 bis 1665 lebte, den minimalistischen Essais des zeitgenössischen Musikautors Philip Glass (*1937) in einer perfekten Kombination unter dem Titel „Timeless“ gegenübergestellt.

Eine berauschende Studie, die zwei Epochen fast nahtlos miteinander verschmelzen lässt, in einer faszinierenden Zeitreise von dem Echo-preisgekrönten Ensemble in Szene gesetzt.

Leichtere Kost ist bei den beiden Alben „Jazz Sebastian Bach“ der „Swingle Singers“, zu dem zeitweise die Schlagzeuger Daniel Humair und Bernard Lubat gehörten, zu genießen. Auf die Arrangements von populären Melodien aus dem Bach-Werk spezialisiert, bietet das achtstimmige Vokalensemble eine aufregende Demonstration von beeindruckender Gesangsakrobatik. Wer es lieber instrumental mag, dem seien die fünf Bände der Serie „Play Bach“ des französischen Pianisten Jacques Loussier empfohlen, wo ebenfalls „Hits“ des deutschen Barockkomponisten swingend in der kammermusikalischen Form des Pianojazztrios dargeboten werden.