LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Nachwuchskünstlerin Marion Dengler macht in der Galerie „Beim Engel“ auf sich aufmerksam

Gezeichnet hat sie immer schon gerne und war noch dazu eine begeisterte Micky Maus-Leserin. Auch andere Comics wie Lucky Luke, Tintin und so weiter übten früh eine gewisse Faszination auf Marion Dengler aus. „Als ich mein erstes Manga dann gelesen hatte, stand fest: Ich will Comic-Zeichnerin werden“, erklärt uns die heute 24-jährige Künstlerin, die ihre Illustrationen derzeit zum ersten Mal in einer Ausstellung zeigt.

In der Galerie „Beim Engel“ hat das Kulturministerium diesen Monat eine Expo-Reihe gestartet, deren Ziel es ist, der Kunstszene Luxemburgs in ihrer ganzen Vielfalt eine Plattform zu bieten. Die erste Gruppenausstellung widmet sich der Kunstsparte „Illustration/Zeichnung“ und läuft noch bis zum 25. Juni. Marion ist überglücklich, neben sechs weiteren Künstlern Teil davon zu sein. „Eine solche Chance bekommt man nicht jeden Tag. Es freut mich sehr, dass ich nun ein bisschen auf mich aufmerksam machen kann. Vielleicht bekomme ich ja sogar erste Aufträge. Eigentlich bin ich offen für alles, abhängig von meinen Kompetenzen natürlich“, bemerkt sie.

Kontakte in der Berliner Comicszene

2016 hat sie ihren Bachelor in Illustration an der Berliner Technischen Kunsthochschule mit der Note 1,3 abgeschlossen. Ein Master-Studiengang soll folgen. Ihren Hauptwohnsitz hat die junge Luxemburgerin übrigens nach wie vor in Berlin. Und daran soll sich auch nichts ändern, wie sie uns erklärt: „Die Stadt ist einfach toll. Ich habe mittlerweile viele Kontakte in der Comicszene aufgebaut. So zähle ich zum Beispiel den Comic-Zeichner Mawil, der unter anderem ,Kinderland‘ für den Reprodukt-Verlag gezeichnet hat, zu meinem Bekanntenkreis. Er war übrigens auch mein Bachelor-Betreuer.“

Projekt Graphic Novel

Ihr Bachelor-Projekt ist indes noch nicht ganz abgeschlossen, sondern soll vielmehr erst der Anfang sein. Eingereicht hatte sie nämlich die ersten Kapitel einer eigenen Graphic Novel, für die sie irgendwann einen Verlag finden will. Die Geschichte spielt im Berlin der 1930er Jahre und beginnt 1932. „Jene Zeit, wo Hitler noch nicht an der Macht war. Es war der Zeitraum, in dem eigentlich noch vieles möglich war. Vieles befand sich im Umbruch“, weiß sie. Drei Hauptfiguren aus drei unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten, mit drei unterschiedlichen politischen Ansichten treffen aufeinander: Claire, eine Kommunistin; Charlotte, eine Trans-Frau, die einst als Offizier im Ersten Weltkrieg diente, dann Geschäftsführerin eines Nachtclubs wird; und der Großindustrielle Gerhard, der mitten in der Wirtschaftskrise den Betrieb seines Vaters übernehmen muss und mit dem Hitler-Regime sympathisiert.

Da es sich bei dem Projekt um historische Fiktion handelt, war eine ausgiebige Recherche nötig. „Ich habe immer schon gerne Zeit in der Bibliothek verbracht und in Büchern gestöbert. Das macht mir einfach Spaß, tatsächlich bin ich ein Geschichts-Nerd“, verrät sie und lacht. Da sie aber lieber zeichne, als Dissertationen zu schreiben, hätte sie sich gegen ein Geschichtsstudium entschieden. Zeichnen alleine reicht bei einem solchen Projekt natürlich nicht, ein gewisses Schreibtalent ist Voraussetzung. „Man muss sich schon ein paar Gedanken machen, über den Plot, die Handlungsstränge, den Spannungsbogen und so weiter“, fügt sie hinzu.

Was ist überhaupt der Unterschied zwischen Graphic Novel und Comic, wollen wir wissen. Marion Dengler lacht. „In der Comicszene in Deutschland ist diese Frage teilweise eine Kontroverse, weil es nämlich nicht wirklich einen Unterschied gibt. Graphic Novel hört sich aber nun mehr nach Buch an, klingt demnach etwas intellektueller als Comic oder ,BD‘ und lässt sich deshalb vielleicht leichter an Erwachsene verkaufen, teils werden auch ernstere Themen behandelt mit geschichtlichem Hintergrund und politischen Bezügen. Im Endeffekt sind es trotzdem Comics“, sagt sie.

Vielseitige Nachwuchskünstlerin

In der Galerie „Beim Engel“ zeigt die Künstlerin aber nicht nur Illustrationen aus ihrer Graphic Novel, sondern auch generellere Sachen. Auffallend ist, dass es in ihren Werken keine eindeutige Linie gibt, und dass sie verschiedene Stile sowie Techniken nutzt, was auf ihre Vielseitigkeit hindeutet. „Ich will mich nicht unbedingt auf eine bestimmte Technik festlegen. Teils arbeite ich zwar mit Sepia-Tinte, vor allem aber digital oder vermische beides. Wenn man digital arbeitet, kann man Fehler leichter korrigieren“, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Bei den ausgestellten Werken lohnt es sich indes, genauer hinzuschauen, manche Illustrationen erscheinen wohl auf den ersten Blick eher klassisch, enthalten aber fast immer fantastische, teils sogar absurde Elemente. Ideen kommen ihr meist spontan. Auf Knopfdruck läuft gar nichts, sagt sie. Dennoch steckt hinter vielen Motiven eine gewisse Überlegung und damit auch eine Botschaft, die zu entschlüsseln definitiv Spaß macht.


Die Galerie „Beim Engel“ (1, rue de la Loge,

L-1945 Luxemburg) ist täglich (außer montags)

zwischen 10.30 und 19.00 geöffnet