PARIS
CHRISTIAN SPIELMANN

Musical „42nd Street“ im Pariser „Théâtre du Châtelet“

Lloyd Bacon realisierte 1933 das Filmmusical „42nd Street“, mit der Choreografie von Busby Bekeley, dem Choreografen schlechthin der amerikanischen Filmgeschichte. Die Hauptrollen spielten Warner Baxter, Bebe Daniels, Ruby Keeler und Ginger Rogers. Die Musik schrieb Harry Warren und die Texte Al Dubin. 1980 wurde aus dem Film ein Broadway-Musical, das 1984 auch in London und 2003 in Stuttgart lief. Im Pariser „Théâtre du Châtelet“ hat der renommierte Theaterregisseur und Choreograf Stephen Mear das Musical erstmals in Frankreich inszeniert.

Musical-Produktion mit Hindernissen

Der erfolgreiche Broadway-Regisseur Julian Marsh (Alexander Hanson) ist mit den Vorbereitungen zu seiner neuen Show „Pretty Lady“ beschäftigt. Das von Choreograf Andy (Stephane Anelli) geleitete Casting der Tänzer und Tänzerinnen ist vorbei, als Peggy Sawyer (Monique Young) auftaucht. Sie kommt zu spät, weil sie den Mut nicht aufbringen konnte, die Tür zum Theater zu öffnen. Schauspieler Billy Lawlor (Dan Burton) macht ihr schöne Augen, aber einen Platz in der „Chorus Line“ bekommt sie erstmals nicht. Der Star ist Dorothy Brock (Ria Jones), die seit ein paar Jahren nicht mehr auf einer Bühne zu sehen war. Da ihr neuer Freund Abner Dillon (Teddy Kempner) aber 100.000 Dollar investiert hat, zweifelt niemand ihr Können an. Peggy kann Marsh ein wenig später auf sich aufmerksam machen und wird als Ersatz engagiert. Dorothy wird heimlich von Pat Denning (Matthew McKenna) umschwärmt, was Marsh nicht passt, denn diese Geheimniskrämerei riskiert der Show zu schaden. Schließlich müssen die Testvorführungen von Atlantic City nach Philadelphia verlegt werden. Bei der Premiere stößt Peggy unglücklicherweise Dorothy, sodass diese stürzt und sich den Fuß bricht. Die Vorführungen werden abgesagt, und Marsh entlässt Peggy. Wer soll nun in New York Dorothy ersetzen? Alle sind sich einig, dass nur Peggy Dorothy ebenbürtig ist.

Absolut perfekt

Der Vorhang hebt sich ein Stück, und zig Füße steppen zur Eröffnungsnummer des Musicals. Direkt wird klar, dass Stephen Mear es fertiggebracht hat, sein ganzes Ensemble auf Perfektion zu trimmen - kein Fehltritt, kein verpasster Einsatz, alles in absoluter Perfektion! Die Kostüme von Peter McKintosh, der auch das Bühnenbild erschuf, sind je nach Szene wunderbar kitschig, in der Tradition der Broadway-Shows der 1930er Jahre, aber immer originell. So tragen die Tänzerinnen oft fantasievollen Kopfschmuck, wie in der Nummer „Dames“, oder Armbänder mit einer überdimensionale Münze in „We’re in the Money“. Die Verwandlungen der Bühne überraschen ebenfalls. Das Ensemble erscheint in Bilderrahmen auf einem dreistöckigen Gerüst zu „There’s a Sunny Side to Every Situation“, das sich dann in eine Bahnhofshalle zu „Lullaby of Broadway“ transformiert. Die „Shuffle Off to Buffalo“ spielt in einem Schlafwagen, und die Skyline von New York erscheint halbkreisförmig über der Bühne zu den Nummern des Finales.

Da alle Songs aus dem Film nicht für eine Bühnenproduktion ausreichten, wurden weitere Lieder des Duos Warren und Dubin eingefügt, unter anderem „Shadow Waltz“, „Lullaby of Broadway“ und „We’re in the Money“ aus dem Film „Gold Diggers of 1933“ und der Evergreen „I Only Have Eyes For You“ aus „Dames“.

Das ganze Ensemble spielt, tanzt und singt in unglaublicher Perfektion. Hervorheben muss man allerdings Alexander Hanson, der Marsh mit einer ungewöhnlichen Gelassenheit spielt, das Energiebündel Monique Young, Ria Jones als zickige Diva Dorothy, und sicher die etwas pummelige Jennie Dale als Maggie Jones, die sehr viel gute Laune versprüht.

„42nd Street“ ist in Paris zu einem Meisterwerk geworden, das man unter keinen Umständen verpassen darf. Nächstes Jahr schließt das Châtelet wegen Umbauarbeiten bis 2019. Ob danach das Musical hier noch seinen Platz haben wird, weiß man nicht, denn auch der Musical-begeisterte Direktor Jean-Luc Choplin wird das Theater 2017 verlassen.


Weitere Informationen unter www.chatelet-theatre.com