LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Jean Bermes, Sänger und Mitgründer der „Kopla Bunz a.s.b.l.“, über musikalische Interdisziplinarität

Wenn man den Begriff „Kopplabunz“ hört, erinnert man sich wohl in erster Linie an seine Kindheit, „Kopla bunz“ ist aber auch der Name einer Vereinigung, die im Sommer 2016 gegründet wurde. Das Wort ist in diesem Kontext ebenfalls Programm, steht es doch für die „lautmalerische Grundlage für einen interdisziplinären Ansatz, Musik, Tanz, Sprache und Bildende Kunst in alle Richtungen rollen zu lassen“. Daraus kann man schließen, dass sich die Gründer relativ breit gefächerte Ziele gesteckt haben, wie uns Jean Bermes bestätigt. Er selbst hat Gesang sowie Dirigieren an der Universität Mozarteum in Salzburg und am „Conservatorium van Amsterdam“ studiert. Als Sänger (Bass-Bariton) ist er im In- und Ausland auf verschiedenen Bühnen unterwegs. Außerdem ist er Mitbegründer der „Salzburg Comedian Harmonists“ und der Gruppe „Sodaa“, die sich auf spartenübergreifendes Musiktheater spezialisiert hat. „Spartenübergreifend“ ist auch das Stichwort, das seine künstlerische Tätigkeit am besten beschreibt.

Musiktheater für alle Altersstufen

„Wir haben einen Namen gesucht, der einen klaren Bezug zu Luxemburg hat, der auf das Spielerische sowie die Bewegung anspielt und den man im Ausland aussprechen kann“, erklärt Bermes. Und bei der jungen Vereinigung ist in der Tat manches in Bewegung, auch wenn noch nicht alles konkret ist. „Wir sind ja gerade erst in unsere erste Saison gestartet“, gibt er zu bedenken. In welche Richtung es gehen wird, steht aber zumindest im weitesten Sinn fest: „Musiktheater, interdisziplinär und für alle Altersstufen“. Auch die anderen beiden Gründungsmitglieder bringen diesbezügliche Erfahrung mit, wie Bermes erklärt: „Ela Baumann ist eine absolute Spezialistin, was die Regie von Musiktheaterstücken angeht, und auch die Saxofonistin Anais Lorentz hat bereits viel auf diesem Gebiet gemacht“. Bei dieser Form des Theaters ist die Musik Bestandteil der Erzählung. „Was mich besonders daran interessiert, ist das Interdisziplinäre, dass man sich mit Künstlern aus anderen Bereichen austauschen und eine gemeinsame Sprache finden muss, damit das Ganze dann auch verständlich für das Publikum wird“, fährt Bermes fort. Nur auf der Bühne zu stehen und zu singen, reichte ihm persönlich jedenfalls nicht: „Meine Stärke ist, dass ich diversifizierter bin. Ich werde oft für Projekte im Ausland engagiert, die in gewisser Weise in eine Zwischen-sparte fallen, wo also kein reiner Sänger, Schauspieler oder Tänzer gesucht wird, sondern jemand, der das verbindet, im weitesten Sinne demnach ein Performer. Ich bin für ganz vieles offen.“

Viele Kulturhäuser würden kaum noch selbst produzieren, sagt Bermes, weshalb sich die Zusammenarbeit mit einer Vereinigung wie „Kopla bunz“ anbiete, sozusagen als „perfekter Koproduktionspartner“. Fest eingeplant für die nächste Spielzeit sind zwei Kinderproduktionen der „Kopla bunz a.s.b.l.“ - „A, B, Zeh“ und „Fenrir, der Riesenwolf“ -, die in verschiedenen Kulturhäusern im Land gezeigt werden. „Wir konnten mehrere Koproduktionspartner in Luxemburg finden und auch den ein oder anderen im Ausland. Das ist ein guter Start für unsere Vereinigung“, freut er sich.

Zwei, die sich ergänzen

Im Booking-Angebot sind überdies die karikativen Liederabende vom Duo „Borisowitsch & Jhang“. Diese Programme sind zwar nicht neu, werden aber in neuem Gewand präsentiert. Dahinter stecken Jean Bermes selbst und der Sankt-Petersburger Pianist Denis Borisowitsch Ivanov. Kennengelernt haben sich die beiden während einer Opernproduktion im Jahr 2007. „Wir haben schnell gemerkt, dass unsere Sichtweise auf die Musik ganz ähnliche ist“, sagt Bermes. Die szenischen Liederabende von „Borisowitsch & Jhang“ beschreibt er als „kabarettistisch oder dadaistisch absurd“. „Ich habe eine Vorliebe für absurde Komik“, schmunzelt er.

Angefangen hätte das Ganze mit einer „Carte blanche“ des Kasemattentheaters. Diese Gelegenheit nutzte der klassische Sänger 2015, um „alles, was nicht zusammenpasst, zusammen auf die Bühne zu bringen“. Bei diesen karikativen Liederabenden trifft klassisches und romantisches Gesangs- und Klavierrepertoire auf kabarettistisch-philosophische Reflexionen in freizügiger Mehrsprachigkeit, was laut Bermes bei einem sehr breiten Publikum ankomme. Die Zuschauer würden so die Scheuheit verlieren, die sie vielleicht vor einem klassischen Liederabend hätten.

Das Duo hat nun auch eine erste gemeinsame CD herausgebracht. „Wir haben etwas gesucht, das zu uns beiden passt. So sind wir auf den berühmten russischen Komponisten César Cui gestoßen, der oftmals französische Poesie vertont hat, jedoch zu sehr in Vergessenheit geraten ist. Es handelt sich um hochromantische Musik“, so Bermes.

Spannende Momente mit den Allerkleinsten

Er selbst ist indes im Januar auf der Bühne der „Rotondes“ zu sehen, dies in einer Musiktheaterproduktion für die ganz Kleinen. „Mouw“ von der flämischen Theatertruppe „De Spiegel“ richtet sich an ein Publikum ab 18 Monaten. Lange habe er sich dagegen gesträubt, in einer solchen Produktion mitzuwirken, erzählt der Sänger. Inzwischen liebe er es. „Der Bezug zum Publikum ist noch direkter als beim Musiktheater für ältere Kinder. Mit den ganz Kleinen ist es so spannend, weil für sie alles neu ist. Zu beobachten, wie sie auf das reagieren, was auf der Bühne passiert, ist toll. Sie werden ja auch direkt in das Stück eingebunden, dürfen rumkrabbeln, das Bühnenbild und die Instrumente anfassen und einfach mitmachen. Das ist sehr interaktiv. Ich habe immer gedacht, die Kleinen würden wegen meiner tiefen Stimme entweder Angst bekommen oder einschlafen. Weder das eine noch das andere ist aber passiert“, lacht er. Eine andere Frage hätte ihn zuvor ebenfalls beschäftigt: „Als Künstler habe ich mich gefragt, ob das wirklich noch Kunst ist, was ich da mache, oder doch vielmehr eine Erweiterung einer Kindertagesstätte. Die Antwort habe ich schnell gefunden: Musiktheater für die Allerkleinsten ist ein absoluter Mehrwert. Demnach ist es wichtig, diese Arbeit zu machen“.

Weitere Infos unter www.koplabunz.com