LUXEMBURGGUSTY GRAAS

Kurze Geschichte der Heirat - Ehe und Adoption im Reformprozess

Die zuständige parlamentarische Justizkommission befasst sich zurzeit mit dem Gesetzprojekt 6172 A, das eine Reform der Ehe und der Adoption vorsieht. Unter anderem soll das legale Alter für beide Geschlechter auf 18 Jahre festgesetzt werden. Wesentlicher Punkt der Reform ist aber die Einführung der Heirat für gleichgeschlechtliche Partner.

In diesem Kontext stellt sich natürlich die Frage nach dem Stellenwert der Ehe in unserer Gesellschaft. Die Ehe, wie wir sie heute kennen entstammt dem römischen und kanonischen Recht. Im Folgenden versuchen wir, die Entwicklung dieser ältesten sozialen Institution im Laufe der Geschichte darzustellen. Eine Heirat stellte früher eher einen juristischen Schutz für die aus dieser Verbindung hervorgegangenen Kinder und die Bewahrung ihrer Erbrechte dar.

Unterschiedliche Formen in der Antike

Im pharaonischen Ägypten teilte man eine einfache Sicht der Menschheit: Mann und Frau sollen gemäß dem Gleichheitsprinzip zusammenleben können, auch wenn einzelne Pharaonen und höher gestellte Persönlichkeiten sich mehrere Frauen erlaubten. Viele Hebräer ihrerseits, wie übrigens auch Abraham, pflegten die Polygamie. König Salomon hatte 700 Frauen und 300 Konkubinen! In einzelnen Ländern (u.a.Tibet, Sri Lanka, Indien, Nigeria) besteht übrigens noch heute die Polyandrie, also das Recht für Frauen mehrere Ehemänner zu haben.

Die Ehe der früheren und mittleren römischen republikanischen Zeit war die Manuehe (manu = Hand), das heißt, das Recht körperlich zu züchtigen. Die zweite Form war die Ehe sine manu (ohne Gewalt). Es gab eine strenge Gütertrennung und eine Ehe konnte leicht geschieden werden. Die Frau bedurfte aber eines Tutors, wenn ihr Vater nicht mehr lebte. Diese Vormundschaft war in der Kaiserzeit lose und die Frau konnte ihr Leben selbst gestalten. Sklaven besaßen das Recht, eheähnliche Gemeinschaften zu bilden. Auch Freigelassene durften eine Ehe schließen, wenn sie die Frau kaufen konnten.

Die Germanen pflegten eher flexible Ehen (Friedelehe). Daneben gab es bei diesem Volk auch noch die Muntehe, wobei der zukünftige Bräutigam die Zustimmung für die Heirat beim Schwiegervater beantragen musste.

Wachsender Einfluss der Kirche im Mittelalter

Im Jahre 1215 erhob das von Papst Innozenz III. einberufene 4. Laterankonzil die Ehe zu einem religiösen Sakrament. Außer bei Blutsverwandtschaft war die Heirat fortan unauflöslich. Auch ein Ehebruch konnte höchstens zu einer Trennung von Bett und Tisch führen. Das gegenseitige Eheversprechen musste vor einem Priester abgelegt werden und eine Zustimmung der Eltern war nicht mehr notwendig. Diese Bestimmung fiel natürlich nicht auf das Verständnis der adligen Gesellschaftskreise, die denn auch in der Renaissance eine Heirat erneut von der Entscheidung der Eltern abhängig machten.

Am Ende des Mittelalters galt in den höheren Kreisen wieder die Regel, neben der Ehefrau auch mindestens eine Geliebte zu haben. Karl VII. war der erste französische König, der seine Beziehung zu seiner Geliebten Agnès Sorel nicht mehr verheimlichte.

Die protestantische Reform legalisierte dann die Scheidung, was die Stelle der Frau in der Gesellschaft stärkte. Das Konzil von Trente (1545-1563) führte die Zustimmung der Eltern für Frauen unter 25 und für Männer unter 30 Jahren ein. 1579 erklärte König Heinrich III. die heute noch in Luxemburg benötigte Veröffentlichung der Heirat als Pflicht.

Im Zuge der Aufklärung (18. Jahrhundert) verallgemeinerte sich die Ehe, die nun als ein Stabilitätsfaktor angesehen wurde. Am 3. September 1791 wurde die Zivilheirat in die französische Verfassung eingeschrieben. Durch sein Konkordat mit der katholischen Kirche führte Napoleon Bonaparte am 15. Juli 1801 erneut die kirchliche Trauung ein, die 1804 Eingang in das Zivilgesetzbuch fand.

Luxemburg: Vormachtstellung des Mannes bis 1972

1963 war in Luxemburg ein Gesetzentwurf über die Rechte und Pflichten der Eheleute fertiggestellt worden. Allerdings war die Vormachtstellung des Mannes nicht angetastet worden. Im April 1965 beschloss daher die „Fédération Nationale des Femmes Luxembourgeoises“ ein Gegenprojekt auszuarbeiten.

Eine historische Demonstration für eine Eherechtsreform fand dann am 30. Mai 1972 vor der Abgeordnetenkammer statt. Mit Erfolg, wurde doch am 12. Dezember desselben Jahres das Gesetz geändert und ein weiteres Gesetz folgte 1974.

In unseren Breiten hat die klassische Heirat allerdings in den letzten Jahrzehnten an Substanz verloren. Wurden 1960 in Luxemburg noch 2.236 Ehen vollzogen, so sank diese Zahl, trotz steigender Einwohnerzahl, 2011 auf 1.714. Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der Scheidungen von 153 auf 1.275.

Auf der anderen Seite entscheiden sich immer mehr Paare für einen „PACS“ (Pacte civil de solidarité, eingetragene Lebensgemeinschaft, siehe abgeändertes Gesetz vom 9. Juli 2004). Laut einer Umfrage im Jahre 2008 bewerteten 38 Prozent in Luxemburg die Ehe sogar als eine überlebte Institution. Alle Gemeinden können es bezeugen: Die Zahl der Eheschließungen vor dem Standesbeamten ist stark rückläufig.
Bibliographie:
- André Larané, www.herodote.net
- Conseil d’Etat, Avis Projet de loi No 6172A/
02, 28 novembre 2012
- Das Gespenst des Feminismus,
Jonas Verlag, Marburg, 2012