LUXEMBURG
DANIEL OLY

Miniatur-Muskelprotz up! GTI - 115 PS zwischen fies und niedlich

Jeder kennt so einen: Er ist klein, hält sich aber für besonders groß, böse und Ehrfurcht gebietend. Hat eine große Klappe, macht Radau, nervt manchmal, kann aber auch ruhig und schmusig. Farbe: Meist weiß, aber mit genau den richtigen schwarzen Akzenten: Hunde (wie der beste Hund aller Zeiten, der meiner Familie) sind einfach niedlich. Und wenn sie ein Auto wären, dann wären sie wohl - ein Up! GTI.

Der kommt nämlich in einem ebenso kleinen Kraftpaket-Format daher, führt sich trotz winzigem Motor aber dennoch auf, als gehöre er ganz fix zu dem Großen im Straßenverkehr dazu. Dazu hätte er sogar fast jedes Recht: Dank gerade einmal 1.070 Kilo Lebendgewicht reicht der Motor - ein 115 PS starker Dreizylinder 1.0 Liter großer Turbobenziner - nämlich locker aus, um manche Schwergewichtsmeister das Fürchten zu lehren. In etwas unter 9 Sekunden auf 100, Spitze 195: Mit dem GTI ist gut zu spaßen.

Neu ist schneller

Ein lustiger Vergleich: Der Ur-GTI im ersten Golf hatte einen 110 PS starken 1,6-Liter-Saugmotor und war dementsprechend minimal langsamer. Und flößte dereinst trotzdem sehr viel teureren Sportwagen durchaus Angst ein. Das riskiert man mit dem neuen Modell zwar nicht mehr - flink und agil ist er aber trotzdem. Und bietet dabei so viel Fahrspaß, wie gefühlt schon lange kein GTI mehr.

Steile These, ich weiß. Aber sehen wir es mal so: In keinem anderen rezenten Sportwagen kann man so ungezügelt Vollgas frönen, ohne sich danach den Angstschweiß von der Stirn zu wischen. Der 1.0 TSI-Motor hat zwar Leistung - aber nicht so viel, dass der Kleine gefährlich zum Untersteuern neigt, Turbolöcher hat oder andere Risikofaktoren bietet. Der up!-GTI schafft damit, Geschwindigkeitsrausch-Feeling zu vermitteln, ohne gefährlich zu sein. Nervenkitzel, quasi ohne Risiko.

Und die Nachbarn freuen sich auch, denn der kleine Benziner kommt ganz ohne lauthals schreiende Auspuffanlage daher. Der markige Sound wird nur im Innenraum gekünstelt - und darauf kommt es schließlich an. Und auch das Äußere ist ein guter Mix: Coole GTI-typische Akzente, aber nicht zu auffällig.

Außerdem ist der kleine GTI erfreulicherweise etwas für Puristen; Fahrhilfen? Gibt es nicht. Zumindest keine dieser neumodischen Dingsbumse, die automatisch den Abstand zum Vordermann wahren. Und das Radio hat sogar noch richtige Knöpfe, die man ganz in echt drücken kann, statt Touchscreen-Quatsch. Sagenhaft!

Im Alltag besteht der Kleine natürlich auch; durch die kleinen Abmessungen ist der Muskelprotz-up! ebenso wendig wie seine Artgenossen. Parken ist damit ein Kinderspiel. Es fällt schwer, ihn nicht zu mögen. Selbst im Supermarkt gibt er dank passablem Kofferraum keine schlechte Figur ab. Überhaupt ist der up! überraschend groß und bietet selbst größeren Zeitgenossen genug Platz. Fehlt eigentlich nur noch ein vernünftiger Spritverbrauch. Kombiniert sollen offiziell 4,8 Liter heraus springen - das nimmt man der kleinen PS-Schleuder sogar fast ab, sofern man nicht ständig mit Bleifuß unterwegs ist. Der sechste Gang im (alternativlosen) Sechsgang-Handschalter bewirkt da wahre Wunder. Im Test war aber selbst bei längeren Vollgas-Passagen nichts jenseits der magischen 7-Liter-Grenze drin. Kein Wunder: Drei Zylinder sind eben sparsam - trotz Turbo.

Natürlich hat der up!-GTI auch Macken. Die Knautschzone ist sicher nicht dieselbe wie bei größeren Autos, und während man sich durchaus nicht fürchten muss, etwas zügiger zu fahren, so sind höhere Geschwindigkeiten doch etwas anderes, wenn man sich in einem großen Blechpanzer sicherer fühlt. Und ein optionales Navi - und nicht nur eine Klemmvorrichtung fürs Telefon - täte dem Kleinen auch nicht schlecht.

Es mag objektiv gesehen sicher bessere Hunde als unseren Familienhund geben, zweifellos - aber ich mag unseren Familienhund nunmal sehr. Mit Autos ist es manchmal genauso.