LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Gusty Graas: Wie soll man wild entsorgten Zigarettenkippen Herr werden?

Sie sind klein, unauffällig, voller toxischer Stoffe und viele landen auf der Straße oder mitten in der Landschaft. Irgendwie werden Zigarettenkippen nicht richtig als Abfall wahrgenommen, dabei sind sie ein Riesenproblem. Eine interessante Entwicklung in Frankreich hat den liberalen Südabgeordneten Gusty Graas dazu veranlasst eine parlamentarische Anfrage an Umweltministerin Carole Dieschbourg (déi gréng) zu richten.

Hintergrund ist die Gründung eines bretonischen Unternehmens namens „MéGo“, das sich nicht nur namentlich (Kippe = mégot), sondern auch programmatisch auf die Beseitigung von Zigarettenkippen spezialisiert hat. Die Kippen, die bis zu 4.000 chemische Substanzen enthalten sollen, werden von dem Unternehmen gesammelt und recycelt. Das Unternehmen wurde laut Graas mit der Sammlung aller Zigarettenkippen in ganz Frankreich und Belgien beauftragt.

Gusty Graas wollte nun von der Ministerin wissen, ob sie über dieses Angebot informiert ist? Ob dieses System das Problem der Umweltverschmutzung durch Kippen beheben könne? Graas fragt auch, ob das Sammeln der Zigarettenabfälle und deren Recycling nicht von heimischen kommunalen oder privaten Betrieben übernommen werden kann?

Ministerin Dieschbourg stellte zunächst fest, dass das Projekt „MéGo“ im Ministerium bereits bekannt ist und man dabei sei, Kontakt aufzunehmen.

Ihrer Meinung nach beginnt die Sache aber mit der Müllvermeidung und einer entsprechenden Aufklärung. Kippen seien auf jeden Fall toxischer Abfall, der praktisch nicht abbaubar ist und viele Jahre zum Kompostieren braucht. Nach einer Studie der Stadt Düdelingen machen Zigarettenkippen rund 30 Prozent des wild entsorgten Mülls („Littering“) aus. Die Quote entspricht Erfahrungen anderer europäischen Städte.

Schon bei der Anti-Verschmutzungskampagne von 2017 habe man sich auf Zigarettenkippen konzentriert. Eine neuerliche Sensibilisierungskampagne befasse sich mit Zigaretten und Dosen an den Straßenrändern. Zigaretten stellten, ebenso wie Kaugummi, gerade im städtischen Bereich ein noch größeres Problem dar.

Das System MéGo bekämpfe das Phänomen Kippe auf öffentlichen Plätzen an Rauchertreffpunkten oder an Hauseingängen - also dort wo die Sammlung vergleichsweise leicht fällt. MéGo könne aber das Grundproblem, etwa in der freien Natur, nicht lösen. Andererseits seien Kippen nichts anderes als Abfall, und werden in die Gegend wirft kann mit einer Strafe von 49 Euro belegt werden.

Nach Auffassung der Ministerin müsse eine Recycling-System für Zigarettenkippen bei seiner Einführung von einer angemessenen Aufklärungskampagne begleitet werden.

Dieschbourg tritt dafür ein, dass die Hersteller der Zigaretten und Filter für die Beseitigung und das Recycling heran gezogen werden.