LUXEMBURG
CAMILLE MULLER

Obwohl der Herbst den Sommertemperaturen keinen wirklichen Abbruch getan hat, ist er wieder da - Pelz in Form von Bommel, Bündchen und Kragen. Jahrzehntelang sensibilisierten Tierschutzorganisationen und doch scheint er wieder tragbar zu sein, resümiert Camille Muller, Verantwortlicher für Sensibilisierungsarbeit bei „VegInfo Luxembourg“.

„Tierschutzorganisationen hatten seit den 70er Jahren mit Erfolg das Gemetzel von Robbenbabys und das Leid der Käfighaltungen in die Medien gebracht. Der Pelzmantel wurde so zum Symbol für grausames Tierleid in der Arktis und qualvolle Haltungsbedingungen in sogenannten Pelzfarmen. Ein anhaltender Erfolg war diesen Medienkampagnen leider nicht beschieden. Auch jahrelange Protestaktionen von Tierschützern, die zum Beispiel die Schließung der ehemals größten Nerzfarm Deutschlands in Orsbach bei Aachen zu Folge hatten, waren nur scheinbar ein Erfolg. Der Betreiber verlegte seinen Betrieb 2011 einfach in eins der neuen EU-Mitgliedsländer im Osten Europas, wo Tierrechtsbewegungen weniger aktiv, die Kontrollen weniger streng und die Löhne niedriger sind. Das Leiden der Tiere geht weiter.

Es sind jedoch nicht mehr luxuriöse Pelzmäntel, die das eigentliche Problem darstellen, sondern der kleinere Pelzbesatz, der zur Massenware für Groß und Klein, Mann und Frau sowie für das große als auch das bescheidenere Portemonnaie geworden ist. Dass sich auch Kunstpelz darunter mischt, ist kein wirklicher Trost, da er von weitem nicht als solcher zu identifizieren ist und damit zur Pelzmode beiträgt. Tierschutzorganisationen haben bereits bewiesen, dass es sich bei scheinbarem Kunsthaar oft um echten Pelz handelt - nicht selten sogar um Katzen- oder Hundepelz, obwohl der Verkauf in der EU seit 2007 verboten ist.

Betrachtet man die Anzahl der Tiere, die, je nach Pelzart, benötigt werden, handelt es sich kaum um Reste der Pelzindustrie. So werden je nach Größe eines ganzen Pelzmantels bis zu 45 Nerze oder 30 Kaninchen benötigt. Hinsichtlich dieser Zahlen besteht schon ein Kragen wohl aus mehreren Tieren.

Viele Konsumenten scheinen durch alltägliche Bilder von gequälten Tieren abgestumpft zu sein. Doch Pelz ist nicht nur Tierausbeutung. Es ist auch eine Belastung für Mensch und Umwelt! Die dichtbehaarte Haut von Tieren muss wie bei der Lederproduktion vor Verwesung geschützt werden. Dabei werden, genau wie bei der Lederverarbeitung, gesundheitsbelastende Chemikalien zum Gerben benutzt und der zulässige Wert häufig überschritten. Doch wer ist sich schon bewusst, Sondermüll mit Formaldehyd, Chrom, Kohlendioxid, Schwefelsäure und Aluminiumsalzen um den Hals zu tragen?

Vergleichbar mit ‚Foie Gras‘ können nationale Gesetze, die eine Produktion von Pelz verbieten, den Import nicht verhindern. Nur eine Harmonisierung auf EU-Ebene kann zeitgemäßen Tierschutz voranbringen, wenn dieser nicht wieder durch unsinnige Ausnahmeregeln wie ‚kulturelles Erbe‘ zunichtegemacht wird. Doch bis dahin werden wohl Tierschutzorganisationen unermüdlich weiterhin sensibilisieren müssen.“