LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Tischtennisspielerin Sarah De Nutte stellte ihr Können bei EM und JPEE unter Beweis

Erhobenen Hauptes hat die FLTT-Delegation am zweiten Oktoberwochenende die Tischtennis-Europameisterschaft im österreichischen Schwechat verlassen. In der Tat haben unsere Spieler außerordentliche Resultate erzielt. Eine von ihnen war die 21-jährige Sarah De Nutte, aktuell Nummer 318 der Weltrangliste. Wir haben uns mit der aufstrebenden Profispielerin unterhalten.

Wie sind Sie gerade zu dieser Sportart gekommen?

Sarah De Nutte Eigentlich habe ich als Kind zuerst Fußball gespielt und außerdem eine Saison lang Tennis, bevor ich mich dann für den kleineren Schläger entschied. Meine Eltern waren damals selbst aktive Tischtennisspieler und sich sogar so kennengelernt. So kam es also, dass ich irgendwann mit zum Training ging. Ich musste mich einfach irgendwann entscheiden, weil ich beide Sportarten, also Tischtennis und Fußball, nicht mehr unter einen Hut bringen konnte, das war zu zeitaufwendig. Ich weiß nicht einmal mehr genau, warum dann Tischtennis das Rennen machte, wahrscheinlich weil ich mich so gut mit den Mitspielern verstand. Es war ja auch so, dass es ein Mädchenteam gab, während ich im Fußball als einziges Mädchen immer mit den Jungs spielte. Das war aber damals ganz ok, weil ich als Kind ohnehin immer lieber ein Junge sein wollte (lacht).

Der Wechsel ins Ausland folgte relativ früh?

De Nutte Das stimmt. Zuerst habe ich vier Jahre lang in Larochette gespielt, danach eine Saison in Ettelbrück, bevor ich dann nach Belgien wechselte. Da war ich 13 Jahre alt.

Die Entscheidung, mehr aus diesem anfänglichen Hobby zu machen, fiel also auch schnell?

De Nutte Den Gedanken, Tischtennis-Profi zu werden, habe ich schon früh gehegt, das ist wahr, deshalb war ich natürlich auch sehr froh über meine Aufnahme in die Sportsektion der Armee. Davor habe ich übrigens schon einige Zeit in Deutschland gespielt. Als dann letztes Jahr die Grundausbildung in der Armee von September bis Dezember anstand, bin ich wieder nach Ettelbrück gewechselt, um wenigstens ein paar Spiele bestreiten zu können. In meinem deutschen Verein hätte ich ansonsten die ganze Vorrunde versäumt. So konnte ich trotzdem während dieser vier Monate etwas spielen, wenn ich schon nicht unter der Woche trainieren konnte. Seit Saisonauftakt spiele ich nun wieder in Deutschland beim ATSV Saarbrücken. Tessy Gonderinger ist auch in dieser Mannschaft. Es war ein glücklicher Zufall, dass gerade ihr Verein zu dem Zeitpunkte eine Spielerin gesucht hat.

Wie groß sind denn die Unterschiede im Vergleich zu Luxemburg?

De Nutte Eigentlich habe ich ja immer mehr im Ausland als in Luxemburg gespielt, immerhin jetzt schon sechs Jahre, mit Ausnahme von letzter Saison. In erster Linie geht es darum, dass ich im Ausland ausschließlich gegen Frauen antrete. Das ist natürlich ein Vorteil. In Luxemburg gibt es zu wenige Tischtennisspielerinnen, sodass die Mannschaften immer gemischt sind. Genau deshalb ging ich auch schon mit 13 ins Ausland, das hat mir sehr viel gebracht. Frauen haben ein anderes Spielsystem als Männer. Frauen spielen näher am Tisch, es kommt zu einem längeren Ballwechsel, während Männer in ihrem Spiel viel mehr auf Topspin und einen schnellen Punkt setzen.

Wie zeitaufwendig ist der Sport in Ihrem Fall?

De Nutte Momentan trainiere ich zweimal täglich, jedes Mal zwischen zwei und zweieinhalb Stunden. Samstags oder sonntags, manchmal auch an beiden Tagen, stehen dann Spiele in Deutschland auf dem Programm.

Bleibt noch Zeit für andere Hobbys?

De Nutte Nein, andere Hobbys sind nicht möglich. Das interessiert mich aber auch momentan nicht, weil ich mich eben auf meinen Sport fokussieren möchte. Meine Freizeit, oder was davon noch übrig bleibt, nutze ich dann vor allem, um mich mit Freunden zu treffen.

Was war Ihr bisher größter Erfolg?

De Nutte Ganz klar die Europameisterschaft jetzt im Oktober in Österreich, wo ich es im Frauen-Doppel mit Ni Xia Lian ins Viertelfinale geschafft habe. Im Mannschaftswettbewerb der Frauen haben wir den Aufstieg in die höchste Spielklasse geschafft und sicherten uns den zwölften Platz. Bei den Spielen der kleinen Staaten konnte ich drei Goldmedaillen mit nach Hause nehmen, das war natürlich auch sehr gut.

Vergangene Saison reichte es nicht, um nach 2012 wieder Landesmeisterin zu werden. Wie wichtig ist ein solcher Titel überhaupt noch, wenn man als Profi international unterwegs ist?

De Nutte Es ist immer noch toll zuhause, Landesmeisterin zu werden, und auch unter Beweis zu stellen, dass man sich weiterentwickelt hat. Dieses Jahr hatte ich mir diesbezüglich aber auch nicht zu hohe Ziele gesteckt, immerhin waren die Landesmeisterschaften im Februar. Ich hatte meine Grundausbildung in der Armee erst im Dezember abgeschlossen, und eben vier Monate nicht so intensiv trainieren können. Acht Wochen wären etwas knapp gewesen, um mein altes Niveau wieder zu erreichen. Dazu braucht es dann doch etwas mehr Zeit. Mittlerweile bin ich aber wieder richtig gut in Form.

Haben Sie sich ein bestimmtes Ziel für die Zukunft gesteckt?

De Nutte Bis Dezember will ich es unbedingt unter die ersten 250 der Weltrangliste schaffen, um in den COSL-Elitekader aufgenommen zu werden. Das wäre mein Ziel für dieses Jahr.

Wie sieht es überhaupt mit dem allgemeinen Interesse am Tischtennis aus? Verdient diese Sportart mehr Aufmerksamkeit?

De Nutte Das ist im Tischtennis schon ein Problem, was wir natürlich alle sehr bedauern. Es ist schade, dass sich nicht mehr Menschen für Tischtennis interessieren, es ist ein interessanter und spannender Sport. Ich stelle immer wieder fest, dass Leute, die zum ersten Mal zu Spielen kommen, nachher begeistert sind. Viele wissen einfach nicht genau, was Tischtennis wirklich ist, weil der Sport auch nicht so oft in den Medien zu finden ist. In letzter Zeit berichten Zeitungen aber immer häufiger über die verschiedenen Meisterschaften. Das ist sehr positiv.