LUXEMBURG/THARKAD
DANIEL ’VULTURE‘ OLY

Kickstarter-Kampagne - und dann? „Battletech“-Mechstrategie erhält stetig Nachwuchs

Als die Crowdfunding-Kampagne für den Begründer der Kampfroboter-Strategiespiele vorbei war, waren für „Battletech“ insgesamt 2,7 Millionen Dollar zusammen gekommen. Genug, um die Vision eines Rundenstrategiespiels umzusetzen. Entsprechend positiv fiel deshalb das „Journal“-Review zur Veröffentlichung aus, da sich der Autor - wie unzählige andere Mech-Fans - seit Jahren nach neuen stampfenden Robotern sehnte.

Gemeint sind die namensgebenden Kampfroboter, die „BattleMechs“, in denen die „MechWarrior“, also die Kampfpiloten, in die Schlacht ziehen. Was als Tabletop-Strategiespiel seinen Anfang nahm, hatte dann 2018 endlich einen angebrachten digitalen Vertreter. Und der bewies Tiefe: Schüsse aus den verbauten Waffen verursachen Hitze, Treffer verursachen Schaden. Beides versucht der findige Pilot zu vermeiden oder zumindest zu balancieren. Und so konnten Spieler in einer mehrstündigen Einzelspielerkampagne die Geschicke einer Söldnereinheit lenken, die zwischen die Fronten eines Erbschaftskriegs geraten ist. Zurecht einer unserer Tops des Jahres.

Seitdem haben die Macher von „Harebrained Schemes“ aber die Hasenpfoten keinesfalls stillgehalten. Es hat sich bewahrheitet, was sich durch die Zusammenarbeit mit dem Publisher „Paradox“ kurz vor Release bereits abzeichnete: „Battletech“ lebt, denn es wird regelmäßig mit neuen Inhalten versorgt. Einige davon sind kostenlos, wie die regelmäßigen Updates. Auch neue Spielregeln, zum Beispiel beim Sammeln von Schrott, um neue Mechs zusammenzubauen, wurden veröffentlicht und geben dem Spiel neuen Wiederspielwert. Daneben gab es inzwischen zwei vollwertige Erweiterungen, die neue Funktionen und - viel wichtiger - neue Kampfroboter bieten. In „Urban Warfare“ kommt so, wie der Name es bereits sagt, ein komplett neues Biotop auf die Spieler zu. Wurde sich sonst auf Mond-, Eis- oder Waldoberflächen duelliert und geprügelt, stellen die Kämpfe in Innenstädten eine völlig neue Herausforderung dar; Mobilität spielt eine viel größere Rolle als rohe Feuerkraft, und Sprungdüsenmanöver von einem Hausdach auf das andere können den Unterschied ausmachen. Das Gameplay wird damit deutlich aufgewertet, jede Runde wird anders.

Neue Stampfer

Mit „Flashpoint“, das bereits im November 2018 veröffentlicht wurde, wurden hingegen die namensgebenden Brennpunkte in der Galaxis freigeschaltet: Spontane Aufträge, die mehr Geld und lukrative Folgeaufträge sowie seltene Ausrüstung versprechen, dafür aber nur kurze Zeit verfügbar und viel herausfordernder sind. Auch haben die Entwickler einen Start als normalen Söldner-Kapitän ermöglicht, der dann auf den fest vorgegebenen Pfad der Einzelspielerkampagne verzichtet. Das wertet die eigentlichen Stärken des Spiels, seinen „Sandbox“-Charakter, bei dem man frei nach Lust und Laune das Universum erkunden und Missionen abschließen kann, weiter auf. Denn neue Inhalte für die unterhaltsame, aber auf Dauer nervige Kampagne gab es keine - und das ist vielleicht auch gut so. In beiden Erweiterungen gab es auch neue Mechs; einerseits gab es neue Varianten für existierende Roboter, womit dann auch mehr Abwechslung reinkommt. Auf der anderen Seite gibt es auch ganz neue Modelle, die mit neuen Technologien daherkommen, sodass sie sich nicht einfach nur spielen wie eine neue Version eines anderen Roboters. Wer etwa agile Nahkämpfer mochte, kommt mit dem „Hatchetman“ voll auf seine Kosten, während der vor Lasern strotzende „Crab“ eine echte Lichtshow abziehen kann. Auch Störsender sind jetzt mit von der Partie.

Daneben bleibt viel beim „Alten“, aber das ist auch gut so; „Battletech“ hatte den Dreh gut raus, wie man die Duelle der Söldner-Roboterkrieger nicht nur technisch solide in Szene setzt, sondern auch noch fesselnde Kämpfe inszeniert. Agile kleine Scouts suchen sich die großen Ziele, während die langsam stampfenden, hundert Tonnen schweren Kampf-Mechs sich methodisch auf große Distanz beharken.

Ein paar Nachbesserungen beim Spielprinzip gab es natürlich in den Updates auch; kleine Roboter sind, der richtige Pilot vorausgesetzt, schwerer zu treffen und damit nicht direkt gefundenes Fressen. Die großen, schweren Ziele hingegen können sich nicht mehr so einfach hinter einer Hügelkuppe verstecken. Das macht insgesamt Sinn, kann aber vermutlich sogar durch weiteres Feintuning noch eine Spur besser werden. Aber dank dem Modell mit den Erweiterungen ist eine fortwährende Entwicklung zum Glück quasi garantiert. Und so können sich „Battletech“-Fans freuen, dass der erste Vollpreistitel seit 2001 nicht nur ein kurzes Vergnügen bleibt.

Ein drittes Update wurde auch bereits angekündigt, genaue Details gibt es aber noch nicht. Bleibt es beim bisherigen Rhythmus, dürfte es noch bis Anfang 2020 dauern, bis es so weit ist. Möglich wäre unter anderem eine Überarbeitung der Verwaltung, die zwischen den Missionen gemacht werden muss. An der hat sich bislang verhältnismäßig wenig getan, die Menüs sind auch weiterhin eher altbacken. Auch der Rollenspiel-Aspekt, bei dem die Mech-Piloten bei Laune gehalten werden müssen und Missionen mit den Auftraggebern besprochen werden, ist weiterhin zwar eine nette Dreingabe, wirklich gut geht aber anders. Das Jahresende dürfte erste Details bringen. Aber bis dahin lautet die Devise: Sensoren auf volle Leistung und die Laser vorglühen, MechWarrior; der nächste Drop kommt bestimmt.

Beide Addons sind online erhältlich und kosten je 19,99.