SCHENGEN
ARMAND JAMINET

Viel Prominenz bei 30-jährigem Jubiläum des Schengener Abkommens

Es war „net vill Gedeessems“, erinnerte sich Robert Goebbels am vergangenen 27. März im „Journal“ an die Unterzeichnung des Schengen-Vertrags am 14. Juni 1985 an Bord des Moselkreuzfahrtschiffs Marie-Astrid in der kleinen, malerischen Gemeinde im Dreiländereck. Das Medieninteresse sei nicht gerade überwältigend gewesen, kein Außenminister habe es für nötig befunden, sich nach Schengen zu begeben, berichtete der damalige Staatssekretär im luxemburgischen Außenministerium.

Heute ist das Schengen-Abkommen, das erst vor 20 Jahren nach vielem politischem Hin und Her in Kraft trat, der Inbegriff eines Europas der offenen Grenzen. Zum Schengen-Raum gehören heute 26 europäische Länder mit mehr als 400 Millionen Einwohnern.

Entsprechend viel „Gedeessems“ gab es denn auch am Samstag im Moselörtchen, wo Bürgermeister Ben Homann die Führungsspitzen von EU-Kommission und Europaparlament, mehrere Regierungsmitglieder, unter ihnen Premier Xavier Bettel, die saarländische Ministerpräsidenten Annegret Kramp-Karrenbauer sowie den stellvertretenden kroatischen Staatsminister Ranko Ostojic begrüßen konnte. Die Abgeordnetenkammer war vertreten durch ihren Präsidenten Mars Di Bartolomeo und mehrere Abgeordnete. Unter den zahlreichen weiteren Gästen war auch Robert Goebbels.

„Projekt Europa verteidigen“

„Führende Politiker waren vor 30 Jahren nicht überzeugt vom schrittweisen Abbau der Kontrollen an den gemeinsamen Grenzen und schickten sogar nur die zweite Garde ihrer Regierungen nach Schengen, um das Übereinkommen zu unterzeichnen. Heute klopfen die europäischen Staatschefs an die Tür, um den Schengenstaaten beizutreten“, sagte Xavier Bettel in seiner viel beachteten Rede, „für viele Bürger ist es heute normal, über die Grenzen zu fahren, um ihrer Arbeit nachzugehen, sich medizinisch behandeln zu lassen oder gewisse Rechte zu haben. Sind uns diese schrittweisen Errungenschaften auch bewusst, die seit 1957 (Unterzeichnung der Verträge zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, d.R.) erreicht wurden?“ Bettel zeigte sich betrübt darüber, dass diese Errungenschaften heute wieder zum Teil von EU-Mitgliedstaaten in Frage gestellt würden. „Wichtig ist, dass wir das Projekt der Solidarität, des Zusammenlebens und das von Europa verteidigen. In vielen anderen Ländern dieser Erde haben zahlreiche Menschen das nicht“, unterstrich der Premierminister, der sich bei den Initiatoren des Schengener Abkommens bedankte. „Wir können uns miteinander verständigen, wenn wir die verschiedenen Grenzen abbauen. Schengen ist 1985 der Abbau der physischen Grenzen gewesen, aber für mich ist es eine logische Konsequenz aus dem, was vorher in der Geschichte passiert ist“, meinte indes Europaparlamentspräsident Martin Schulz. Diejenigen, die wieder Grenzen einführen wollen, würden die Europäer wieder trennen wollen. „Hören sie sich die Rhetorik der Menschen an, die gegen die europäische Integration hetzen. Es sind die gleichen Leute die gegen Brüssel und die Immigranten hetzen, die Minderheiten verachten und deren Rechte unterdrücken wollen. Es sind dieselben Leute, die wir tagtäglich im Europaparlament in leider viel zu großer Zahl zu ertragen haben“, mahnte Schulz. „Schengen war der Schlusspunkt einer historischen Entwicklung im 20. Jahrhundert und der Beginn einer der faszinierendsten Entwicklungen im 21. Jahrhundert“, unterstrich der Europaparlamentspräsident. „Robert Goebbels kann heute stolz darauf sein, was er damals unterzeichnete“, betonte indes EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Rückblick auf die wichtigen Akzente, die in den 1980ern in Puncto europäischer Integration gesetzt wurden.

Juncker: „Die Grenzen auch nur einen halben Tag lang schließen um zu zeigen, wie wichtig Schengen ist“

Europa sei übrigens auch sicherer geworden durch das Schengener Abkommen, das es der Polizei aus den Mitgliedstaaten erlaube, durch ein gemeinsames Informationssystem effizienter gegen Kriminalität vorzugehen. Das Schengen-Abkommen habe Vorteile gebracht, die heute selbstverständlich seien. Wenn man die Grenzen auch nur einen halben Tag lang schließe, werde die Tragweite des Abkommens jedem vor Augen geführt. Ein gemeinsames Foto auf der Place de l’Europe mit anschließendem Empfang der Gemeinde Schengen, beendete die einstündige Feier.


Mehr zum Schengen-Vertrag und zum Schengen-Museum:

www.schengen-tourist.lu