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Die namhaften Autohersteller werden von hier beliefert - ICT wird immer wichtiger

Autos werden in Luxemburg zwar keine produziert, trotzdem spielt die Autoindustrie eine wichtige Rolle in der luxemburgischen Wirtschaft. Die „Industrie luxembourgeoise des équipementiers de l’automobile“ (ILEA ) schätzt den Umsatz, den die rund 30 Firmen auf diesem Sektor mir ihren rund 9.000 Mitarbeitern erwirtschaften, auf etwa 1,5 Milliarden Euro im Jahr. Mehr als 2.200 dieser Beschäftigten arbeiten in Forschungs- und Entwicklungsabteilungen, wie sie Goodyear, IEE, ELTH, Delphi oder die vom japanischen Autoglashersteller Central Glass gekaufte Guardian Automotive in Luxemburg unterhalten.

Dank der zentralen Lage des Landes können diese Firmen etwa 20 Autofabriken im Umkreis von 300 Kilometern beliefern. Aber Komponenten „Made in Luxembourg“ werden auch in die USA oder nach Ostasien geliefert, während sich Luxcontrol und SNCH auf die Zertifizierung und Zulassung von Fahrzeugen und Fahrzeugteilen für den europäischen Markt spezialisiert haben.

„Schlüsselposition in Europa“

Die Initiative „Luxemburg for Business“ des Wirtschaftsministeriums und verschiedener Wirtschaftsvereinigungen schreibt denn auch, Luxemburg habe sich zu einem Standort mit einer Schlüsselposition in Europa in der Zulieferindustrie entwickelt.

Freilich spielen hier auch Elektro- und selbstfahrende Autos, aktuelle Top-Themen der Autobranche, eine zunehmende Rolle. Der luxemburgische Sensorspezialist IEE befindet sich beispielsweise nach eigenen Angaben in der Vorentwicklung entsprechender Technologien, die autonomes Fahren ermöglichen. Das Unternehmen entwickelt hierfür radargestützte Sensoren, die eine 360 Grad Fahrzeugumfeldüberwachung gewährleisten. „IEE konzentriert sich aktuell auf Radarmodule, welche vom autonomen Einparken bis zum automatischen Bremsen eine Vielzahl von Funktionen abdecken“, erklärt Kai Pabélick, Business Development Manager bei IEE für Fahrerassistenzsysteme.

Weltweit gesehen kommen in den Markt der Autozulieferer nicht zuletzt deswegen auch immer neue Namen vor allem aus dem IT-Sektor. Wie die Münchner Patentkanzlei Grünecker in einer Studie zu Patentanmeldungen im Automobilsektor schreibt, haben Toyota und Hyundai weltweit die meisten Patente für das Elektroauto angemeldet, doch gleichzeitig spielen Unternehmen wie Hitachi, Toshiba oder Panasonic hier eine immer größere Rolle. Für Luxemburg, das sich als ICT-Standort positionieren will und da auch schon einige Erfolge vorzuweisen hat, könnten sich in diesem Bereich vielversprechende potenzielle Synergien ergeben.

Dass Luxemburg im Automobilsektor nicht ganz unbedeutend ist, erkennt man nicht zuletzt daran, dass Paul Schockmel, bis dato ILEA-Präsident und Vizepräsident für Unternehmensstrategie und Marketing des Sensorherstellers IEE, letztes Jahr zum Vorsitzenden des europäischen Automobil-Zuliefererverbands CLEPA gewählt wurde.