LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Alone in Berlin“: Starbesetzung für Hans-Fallada-Verfilmung

Hans Fallada (1893 - 1947) schrieb den Roman „Jeder stirbt für sich allein“ Ende 1946, kurz vor seinem Tod. Er beschreibt die authentische Protestaktion des Ehepaars Otto und Elise Hampel, die mit Postkarten in Berlin gegen das Nazi-Regime protestierten. Auf Ansichtskarten prangerten sie die grausamen Taten der Nazis an. Sie verteilten die einzelnen Karten in Gebäuden in Berlin, in der Hoffnung, dass die Leute sie lesen und auch weitergeben würden. Der französische Schauspieler Vincent Perez hat den Roman unter dem internationalen Titel „Alone in Berlin“ verfilmt.

Sand ins Getriebe streuen

1940, Berlin. Als das Ehepaar Otto (Brendan Gleeson) und Anna Quangel (Emma Thompson) vom Tod ihres einzigen Sohns während des Kriegs erfährt, bricht ihre kleine heile Welt zusammen. Otto weiß, dass das Hitler-Regime nichts Gutes verheißt, aber wer sich dagegen auflehnt, wird hingerichtet. In ihrem Appartementhaus wohnt Frau Rosenthal (Monique Chaumette), die ins Visier der Uniformierten mit dem Hakenkreuz am Arm gerät. Auch der einstige Richter Fromm (Joachim Bißmeier) merkt, dass seine Macht am Ende ist. Otto beginnt auf Postkarten Botschaften zu schreiben, welche die Untaten der regierenden Nazis anprangern. Er hofft, die Menschen so aufzurütteln, damit sie sich ihrerseits auflehnen, und, wie er, Sandkörner ins Getriebe der Nazis streuen. Nur geben fast alle Leute die Karten an die Polizei weiter. Der Fall wird von Inspektor Escherich (Daniel Brühl) bearbeitet, der wiederum Standartenführer Prall (Mikael Persbrandt) untersteht. Anna beginnt ihrem Mann zu helfen, wohl wissend, dass man auch Frauen hängt.

Holprig, dann überraschend

Regisseur Perez tut sich am Anfang schwer, seinen Film ins Rollen zu bekommen. Die Nebengeschichte mit Frau Rosenthal und dem Richter hemmt den eigentlichen Plot. Zudem kann Emma Thompson mit ihrer wässerigen Mine nicht als Frau überzeugen, die einerseits trauert und andererseits bereit ist, den Kleinkrieg mit ihrem Mann gegen Hitler zu führen. Es dauert eine Weile, bis sie in dieser Rolle gefallen kann. Brendan Gleeson spielt von Anfang an gekonnt diesen Mann, der an Hitler zweifelt, aber angesichts seiner Position als Vorarbeiter in einer Schreinerei nichts gegen die Macht der Nazis bewirken kann. Erst die Idee mit den Karten, also einer Art Flugblätter gibt ihm etwas Hoffnung, doch noch seinen Teil zum Sturz der Regierung beizutragen. Daniel Brühl ist sicher der Schauspieler, der am meisten überzeugt. Als er sich eine blutige Nase von seinem Chef Prall holt, merkt man ihm an, dass Zweifel in ihm hochkommen. Dennoch lässt er den unschuldigen Enno Kluge (Lars Rudolph) über die Klinge springen, ehe er Otto stellen kann. Er hintergeht seine Versprechen, ehe er realisiert, dass er nicht besser ist, als alle anderen Nazis. In einer kleinen Nebenrolle entdeckt man den Luxemburger Patrick Hastert, der den Nazigefolgsmann Schröder spielt. Nach den anfänglichen Holprigkeiten, entwickelt „Alone in Berlin“ doch noch eine spannende Geschichte, mit überraschenden Wendungen.