LUXEMBURG
CLAUS REHNIG

Die luxemburgische Koproduktion „Amour Fou“ läuft heute in den Kinos an

Minutenlangen Applaus spendeten die Zuschauer im Frühjahr am Ende der Projektion von „Amour Fou“ in der offiziellen Vorführung auf dem Festival von Cannes.

Der Spielfilm ist ein internationaler Film von der österreichischen Regisseurin Jessica Hausner und wurde unter anderem durch den Film Fund Luxemburg finanziert. So wurden beispielsweise die gesamten Innenaufnahmen im Luxemburger Studio gedreht , auch ein großer Teil der Postproduktion, vor allem Ton und Mischung fand in Luxemburg statt.

Doppelter Selbstmord

„Amour Fou“ erzählt die Geschichte des doppelten Selbstmords von Henriette Vogel und Heinrich von Kleist im Jahr 1811 mit einem gewissen Humor, der immer wieder die Position der Regisseurin durchscheinen lässt.

Kleist, ist jemand, der kaum aus sich herausgeht, als müsste er sich trotz seiner Anerkennung als Dichter dafür entschuldigen, dass er da ist.

Das verhaltene Spiel von Christian Friedel als Dichter Kleist unterstreicht die Lebensunfähigkeit und somit die suizidären Tendenzen. Henriette Vogel, gespielt von Birte Schnöink, gibt sich zwar als verheiratete Frau und Mutter ebenfalls auf sich zurückgezogen, ist aber extravertierter, und eine wohl unheilbare, vermutete Krankheit kann letztlich erklären, warum sie Kleists Ansinnen auf einen gemeinsamen Freitod zustimmt.

Er hatte das übrigens schon vorher seiner Cousine angetragen, die aber höflich ablehnte; eine Szene,in der das Publikum herzlich lacht und erkennen kann, dass „Amour Fou“ etwas anderes sein will als die übliche Biographie und vielleicht auf einer anderen Ebene zu sehen ist - der Ebene, wo Jessica Hausner ihre Gestalten aus einer kritischen und fast satirischen Distanz ansieht.

Authentische Schilderung des Lebens

Keine Biographie also, aber doch eine authentische Schilderung des Lebens am Anfang des 19. Jahrhunderts. Von Liebesgewalt, innerer Pein, von blauen Bergen, ruhigen Tälern wird da bei Familienessen oder Hausmusikabenden gesungen und auch über die aufkommende Idee von Demokratie diskutiert. Ganz wie auf den Bildern, die man aus der Zeit der Romantik kennt. Aber das Klischee trügt und einige Kritiker fanden den Film deshalb etwas zwiespältig. Denn sieht man ihn als Komödie, wie Jessica Hausner ihn konzipiert hat, muss man sich zwangsläufig mit der Zeit der Romantik und ihrer Suche nach dem Absoluten und der Todessehnsucht auseinander setzen. Dennoch, ein schöner Film.


„Amour Fou“ läuft heute in den luxemburgischen Kinos an