LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

„Turnup Tun“ steht wegen seines Songs „FCK LXB“ vor Gericht

Am gestrigen Donnerstag stand der luxemburgische Rapper Tun Tonnar, bekannt auch als „Turnup Tun“, vor Gericht. Die gegen Tonnar eingereichte Klage wegen Beleidigung bezieht sich auf den Umstand, dass er nationale Politiker wie Joe Thein, Tom Weidig und Fred Keup in einem Lied mit dem Wort „Féck den ...“ erwähnt hat.

Tonnar ist Student in Berlin und hat eine Ausbildung als Lehrer in der Schweiz hinter sich. Die Staatsanwaltschaft wirft Tonnar vor, zwischen Oktober 2018 und Februar 2019 die drei Politiker diffamiert zu haben. Tonnar meint aber, das würde nicht stimmen. Das Lied sei im Kontext der Wahlen geschrieben worden. Das Wort „Féck“ sei an sich sei keine Beleidigung oder ein Schimpfwort, so die Rechtfertigung. „Hätte ich das anders formuliert, hätte ich diesen Impakt bei den Leuten nicht gehabt“, beteuert Tonnar. Er wolle Aufmerksamkeit und stehe für das, was er im Lied sagt.

Der Schriftsteller Jemp Schuster meinte dazu: „ In der Satire darf man vieles sagen. Oft muss man über das Ziel hinausschießen, um wahrgenommen zu werden. Da reibt man sich eben manchmal an Leuten. Nie ist einer gekommen und hat mir gesagt, ich hätte über das Ziel geschossen.“ Das Wort ‚fécken‘ habe keine sexuelle Bedeutung. Das Wort hätte eher im übertragenen Sinn die Bedeutung von „klibber mech“, sagte Schuster. „Es ist nicht persönlich gemeint“, so Tonnar, eine persönliche Beleidigung sei es, wenn man den Leuten das ins Gesicht sage. Sein Lied wende sich an die Idelogie.

Tonnar tritt klar gegen konservative Politiker auf. Sein Song ist kurz, aber prägnant. Er setzt auf Rapp- und ein paar schrille Töne, um in Luxemburg mit gewissen Politikern abzurechnen. Sein Song „FCK LXB“ spiegelt diese Kritik wider. In seinem Song macht er sich über Keup, Thein und Weidig lustig. Für Turnup gehören diese Leute in Luxemburg zur rechten Szene, auf keinen Fall „zu Luxemburg.“ So macht der Angeklagte keinen Hehl aus seinen politischen Überzeugungen. Turnup singt von verzerrter Wahrnehmung, von „konservativen Politikern“. Zugleich machte er geltend, nichts falsch gemacht zu haben. Er erklärte, dass sein Lied unter dem Aspekt der künstlerischen Freiheit zu sehen sei und dass Musik und Kunst eine wichtige Rolle im Spiegel der Gesellschaft spielen würden. Doch auch die Meinungs- oder Kunstfreiheit findet ihre Grenzen dann, wenn sie Rechte Dritter verletzt.

Der Nebenkläger Alex Penning meinte, dass Fred Keup auch eine Privatperson sei. Es handele sich um eine Attacke, die öffentlich gemacht wurde. Der Clip sei 16.400 Mal gesehen worden. Penning fordert einen Schadenersatz von 5.000 Euro für seinen Mandanten.

Der Hass, der gegen ihn geschürt wurde, hätte ihm viel geschadet, meinte Joe Thein. Er beantragt einen Schadenersatz von 5.000 Euro. Ein dritter Nebenkläger Dan S., der schon ein paar Mal wegen Verbreitung von Hass im Internet verurteilt wurde, will, dass Tonnar sich bei ihm persönlich entschuldigt. Zu den 10.000 Euro Schadenersatz ,die er beantragt, soll auch das Lied gelöscht werden.

Philippe Penning meinte in seinem Plädoyer, dass Tonnar niemanden verleumdet habe. Der Song sei ein „Rapper“ -Lied. Die überspitzte Formulierung „Féck Lëtzebuerg“ heiße nichts anderes als „klibber mech Lëtzebuerg.“ „Klibbert mech mat Äerer Angscht“, hätte Tonnar gesungen. Es sei ein engagiertes Lied. Es gehe im Text um Menschen, die sich durch Intoleranz ausgegrenzt fühlen. Penning forderte einen Freispruch.

Die Staatsanwaltschaft stellt in ihrem Plädoyer das Publikum in den Mittelpunkt. Wie das Publikum darauf reagiere, sei wichtig. Man habe nicht das Recht, eine bestimmte Person zu diskriminieren. Auch wenn das Lied unter Satire falle, würden die Definitionen im Lied die Person verletzen. Tonnar soll deshalb laut Art. 448 des Strafgesetzbuches zu einer Geldstrafe von 1.500 Euro verurteilt werden.

Das Urteil ist für den 8. Mai vorgesehen.