SVEN WOHL

Fernseher an. Klimakrise. Zeitung auf. Klimakrise. Radio? Internet? Soziale Medien? Andere Kanäle, gleiche Meldung. Selbst die unkonkrete Rede des Premiers kam an der Klimakrise nicht vorbei. Auf der Straße protestieren die Jugendlichen. Meinungsartikel und Editorials füllen sich mit Klagen und Forderungen, Zeile für Zeile. Die Politik zeigt sich von der üblichen Seite: Ein langsames, sich selbst gefälliges schweres Tier. Oftmals mit sich selbst beschäftigt, meist über den Umweg von Skurrilitäten. Selbst ein Gartenhaus soll Gerüchten zufolge genügen, um die gesamte Aufmerksamkeit von Politik und Presse zu bannen.

Anhänger des kosmischen Nihilismus wissen, dass dies unterm Strich Kleinkram ist. Klimaschützer sowieso. Die regen sich eh ständig auf, das Tier namens Politik kümmere sich nicht genug um den Kampf gegen den Klimawandel kümmere. Sie werden nicht müde, mehr als Lippenbekenntnisse von der Politik zu fordern. Die Leser macht das mürbe, es füllt Seite um Seite einer jeden Tageszeitung. Vielleicht, weil es wichtig ist.

Weil einige dies begreifen, beginnt das Durchspielen der Kleinigkeiten, um den Kampf gegen den Klimawandel voranzutreiben. Besser recyceln, gelegentlich auf den öffentlichen Transport umsteigen, vielleicht sogar einen Hybridwagen kaufen. Alles gut, alles keine große Mühen oder Umstellungen. Komplett aufs Auto verzichten? Das ist nur was für irre Umweltschutznarren. Steuern einführen, um den Kampf gegen den Klimawandel ernsthaft anzugehen? Die Politiker wollen doch wiedergewählt werden, davon sehen wir also schön ab.

Gratis öffentlicher Transport? Kann man sich leisten, wenn das Ticket eh nur zwei Euro kostet. Auf Wachstum verzichten? „Aber unser Rentensystem!“, hört man die Massen schreien. Das System zu überdenken wäre eine tolle Sache, meinte Blanche Weber vom Mouveco. Dann könnte Luxemburg systematisch nachhaltiger werden, das wäre kein Kleinkram, sondern richtig mutig.

Wachsen möchte Luxemburg jedoch weiter. Die Politik befeuert es, die Bevölkerung unterstützt es. In Bissen kommt es zum politischen Tumult. Das haben Sie verpasst? Dann müssen Sie das mal googeln. Und Gerüchten zufolge gefällt den Menschen in Weisswampach - das ist ganz hoch da oben, Sie wissen schon - das ganze Wachsen dann doch nicht. Der Gedanke taucht auf, Luxemburg sollte umdenken, sich kleiner machen, auch wenn es ein Großherzogtum ist.

Eigentlich sitzen die Richtigen an den Hebeln, um ein Umdenken zu fördern. Weniger Wachstum, mehr Bäume, das könnte den Grünen doch liegen. Ach ja, die sind mit sich selbst beschäftigt: der Kleinkram namens Gartenhaus. Die Medientournee des François Bausch lässt hoffen, dass dies seinen Abschluss findet. Die Politik sich der Krise, dem Klima, den Katastropen und weniger dem Kleinkram und sich selbst widmen muss. Wer weiß, vielleicht findet bis zu den nächsten Wahlen jemand genug Mut, mehr zu wagen, die Klimakrise richtig anzupacken und auch unbeliebte Maßnahmen zu ergreifen. Denn mit Kleinkram kommt keiner weit.