MARRAKESCH
DPA/LJ

Klimakonferenz in Marrakesch eröffnet

Mit flammenden Appellen zum Kampf gegen die Erderwärmung hat die Klimakonferenz im marokkanischen Marrakesch ihre Arbeit aufgenommen. „Untätigkeit und der Status quo sind keine Optionen“, erklärte die neue UN-Klimachefin Patricia Espinosa am Montag vor Delegierten aus knapp 200 Ländern. Der marokkanische Außenminister und Konferenzchef Salaheddine Mezouar mahnte: „Die Augen der Welt ruhen auf uns!“

Zeitpläne ausarbeiten

In der französischen Hauptstadt hatte die Weltgemeinschaft im vergangenen Jahr unter anderem vereinbart, dass die gefährliche Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, besser 1,5 Grad, begrenzt werden soll. Die Nachfolger-Konferenz in Marokko dauert bis zum 18. November und soll einen Fahrplan für die Umsetzung dieser Ziele erarbeiten. „Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass die Ziele und Ambitionen des Paris-Abkommens erreicht werden“, betonte Espinosa.

VOTUM KLIMA

Rote Karte für den Luxemburger Pensionsfonds

Zu Beginn der Weltklimakonferenz in Marrakesch fordert die luxemburgische Klimaschutz-Plattform „Votum Klima“, Investitionen des luxemburgischen Pensionsfonds „Fonds de Compensation“ (FDC) in fossile Energien und Atomenergie umgehend zu stoppen. Bereits im Februar 2015 hatte „Votum Klima“ anlässlich des „Global Divestment Days“ darauf aufmerksam gemacht, dass der Pensionsfonds in großem Umfang Gelder in fossile Energien und Atomenergie investiere. Kohleinvestionen würden aber in klarem Widerspruch zu den Verpflichtungen stehen, die Luxemburg durch das Pariser Abkommen eingegangen sei, und die Atominvestitionen im Widerspruch zu der Anti-Atompolitik des Landes. Für „Votum Klim“ ist klar, dass der Pensionsfonds generell klare Regeln brauche: Investitionen müssten ethisch, rechtlich und politisch vertretbar sein. Die Regierung, allen voran der zuständige Sozialminister Romain Schneider,sei gefordert, dies jetzt umzusetzen. Nehme man das Pariser Abkommen ernst, so bedeutet dies de facto, dass Kohle und andere fossile Energien der Vergangenheit angehören. Dennoch hätten die Verantwortlichen der Regierung und des Pensionsfonds - in dessen Verwaltungsrat neben Regierungsvertretern auch Vertreter von Gewerkschaften und Arbeitgebern sitzen - bisher keine Schritte unternommen, um klimaschädliche Investitionen zu beenden, bedauert „Votum Klima“.

Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal als Gastgeberin der Konferenz von Paris im vergangenen Jahr übergab zur Eröffnung der Konferenz den Hammer des Vorsitzenden an den marokkanischen Außenminister Mezouar. Die Delegierten in Marrakesch wollen Verfahren und Zeitpläne zur konkreten Umsetzung der Pariser Klimaziele ausarbeiten. Dabei geht es etwa um die Frage, wie arme Länder bei der Anpassung an die Folgen der Erderwärmung unterstützt werden oder wie die ganz unterschiedlichen Klimaziele der Staaten verglichen werden können. Während in der ersten Woche vor allem Experten verhandeln, werden in der zweiten Woche die Minister und Politiker erwartet.

Royal betonte insbesondere die Bedeutung einer Klimakonferenz auf dem afrikanischen Kontinent. „Der Klimawandel ist in Afrika am grausamsten und ungerechtesten“, sagte sie. „Der afrikanische Kontinent leidet am meisten darunter, ohne dafür verantwortlich zu sein“, sagte sie unter Verweis auf Naturkatastrophen und Wüstenbildung. „Von den 50 Ländern, die am meisten von der Klimaerwärmung betroffen sind, befinden sich 36 im subsaharischen Afrika.“ Die reichen Länder hingegen verhielten sich im Umgang mit natürlichen Ressourcen so, „als ob es drei Planeten gäbe“. Der in Paris vereinbarte Weltklimavertrag war erst drei Tage vor Beginn der Konferenz in Marrakesch in Kraft getreten. Dies war möglich geworden, weil große Staaten und Gemeinschaften wie China, die USA und die EU rasch ratifiziert haben. Damit können die USA auch im Falle eines Wahlsiegs des Klimawandel-Skeptikers Donald Trump nicht so leicht vom Abkommen zurücktreten. Genau genommen findet das neue Klimaabkommen aber erst nach 2020 Anwendung: Solange gilt noch der Vorläufer, das Kyoto-Protokoll.

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Anlässlich der Klimakonferenz haben sich 20 Tageszeitungen aus aller Welt, darunter auch das „Lëtzebuerger Journal“ unter Koordinierung von „Sparknews“ mit Klimathemen befasst und die Artikel untereinander ausgetauscht. Der Schwerpunkt war, welche Rolle Städte beim Klimawandel und dem Kampf gegen ihn spielen. Die von uns veröffentlichten Artikel finden Sie hier. Anbei eine interaktive Grafik zu dem Projekt sowie eine Dokumentation als E-Book.