LUXEMBURG
ALAIN FABER, DIREKTOR DES „NATURMUSÉE"

„Die Objekte für unsere Dauerausstellung und für Sonderschauen stammen aus unseren Sammlungen, um die Biodiversität und das Naturerbe zu dokumentieren. Aber nicht alle unsere Sammlungen sind zum Ausstellen gedacht. In der Sammlung lagert auch viel wissenschaftliches Material, das als Grundlage für wissenschaftliches Arbeiten dient. Wichtig dabei ist das historische oder rezente Referenzmaterial, besondere Objekte, die in der Forschung als Vergleichsgröße dienen. Dieses Referenzmaterial wird in Museen gesammelt und steht Wissenschaftlern für Forschungen als Vergleichsmaterial zur Verfügung. Daher muss dieses Referenzmaterial gut konserviert werden und publiziert sein, damit Wissenschaftler es finden können. Das sind genau jene Objekte, die wir als Schätze unserer Sammlung bezeichnen und die wir derzeit in der Sonderschau „Unexpected Treasures“ zeigen. Ebenfalls zur Sammlung gehören digital erfasste Beobachtungen von Flora und Fauna, die wir als Big Data in einer Datenbank sammeln und zugänglich machen.

Ein Teil der Sammlung wird hier im Stadtgrund aufbewahrt, der größere Teil lagert außerhalb der Stadt in einem privaten Depot in einer Industriehalle. Das Problem dort ist, dass wir fast vollbelegt sind. Wie lange es noch reicht, hängt davon ab, was wir an Sammlungen erhalten. Es wäre schade, wenn wir Schenkungen aus Platzgründen ablehnen müssten, gerade, wenn es sich um luxemburgische Objekte handelt und besonders wenn wir jenen Fachbereich zuvor nicht abdecken konnten. Zudem eignen die Industriehalle und ihre minimale Klimatisierung sich nicht für empfindliche Sammlungen: Kommt ein Sturzregen, lässt sie zu viel feuchte Luft ins Gebäude. Wir hatten Verluste in dem Sinn, dass sich ein Feuchtigkeitsfilm auf Tierpräparaten abgelagert hat, einige Tiere sehr nass und ihre Haut gerissen waren. Wir mussten einige reparieren, andere gar ersetzen. Ein privates Depot ist nicht die Lösung, eine Sammlung, die zum Kulturerbe zählt, sollte in einem dem Staat gehörigen Sammlungsdepot untergebracht sein.

Das zweite Problem ist, dass die Sammlung vom Ort, an dem geforscht wird, entfernt ist. Es ist ein Hin und Her und die Objekte müssen transportiert werden. Es steht als wünschenswertes Ziel im Kulturentwicklungsplan, dass Lagermöglichkeiten für mehrere Kulturinstitute zusammengefügt werden und ein neues Gebäude entsteht: mit an die Besonderheiten der Sammlung angepasster Klimaanlage, sowie Ateliers und Forschungsmöglichkeiten. Das Kulturministerium hat sich verschiedene Beispiele im Ausland angesehen. Unser Wunsch ist, dass das Ministerium diese Arbeit weitervorantreibt und dass es zu einem Neubau kommt.“