LUXEMBURG │ HENRI KLEREN

Erfolg am Instrument hängt vor allem vom Willen ab

Gitarre, Flöte oder doch Klavier? Die Wahl ist nicht leicht, zudem sind an den Instrumentenunterricht für Kinder viele Erwartungen geknüpft. Wann ein Instrument Charakter und Leistungen eines Kindes stärken kann, erklärt Musik- und Bewegungserzieher Henri Kleren.

„Viele Eltern haben bestimmte Erwartungen an den Musikunterricht für ihr Kind. Ein Teil stellt sich die Frage, ob ihr Kind dadurch schlauer wird. Ein anderer Teil sucht nach einer nachmittäglichen Beschäftigung für ihr Kind. Mitunter soll das Musizieren beruhigend auf ein sehr aktives Kind wirken. Was den Zusammenhang zwischen Musik und Intelligenz betrifft, haben Wissenschaftler den sogenannten Mozarteffekt, nach dem es einen positiven Einfluss von Musikhören auf die Intelligenzleistung geben soll, untersucht. Es stellte sich heraus, dass es Transfereffekte gibt: Weil die Musik das Wohlbefinden der Kinder gesteigert hat, waren ihre kognitiven Leistungen besser. Dieses Wohlbefinden kann aber auch durch eine andere Aktivität, etwa Sport oder je nachdem, was dem Kind gut tut, wachsen.

Bei der Wahl des Instrumentes versuche ich Eltern klarzumachen, dass das Instrument, das sie auswählen, einen sozialen Effekt auf ihr Kind hat. Daher sollte das Instrument zum Kind passen. Das heißt, dass es den Charakter des Kindes unterstützen oder ihn an einer Schwachstelle stärken kann. Daher muss man sich fragen, ob man ein introvertiertes Kind an ein Klavier setzt, an dem es nur alleine üben wird oder ob man es an ein Orchesterinstrument führt, mit dem es im Musikverein mit anderen spielt. Oder ob man ein hyperaktives Kind ans Schlagzeug setzt oder ob man ihm nicht eine Geige empfiehlt, damit es Behutsamkeit und Konzentration lernt. Viele Eltern haben mir diese Art der Abstimmung des Instrumentes auf die Kinder bestätigt. Andererseits sollte man einem Kind, das ein bestimmtes Instrument spielen will und daran Freude hat, das nicht ausreden. Insgesamt sind die Kinder langfristig motivierter, wenn das Instrument richtig ausgewählt ist oder sie in einem Ensemble spielen können.

Ein anderer wichtiger Aspekt ist die Frage um die musikalische Begabung. Unmusikalische Menschen gibt es meiner Meinung nicht. Jeder hat die Möglichkeit, Musik zu machen, es sind eher soziale Bedingungen und weniger ein junges Alter oder hohe kognitive Fähigkeiten, die dabei den entscheidenden Ausschlag geben. Der Erfolg am Instrument ist vielmehr abhängig von drei Faktoren: in erster Linie vom Willen, erst dann von Begabung und sozialem Umfeld. Letztere können den Willen nicht ersetzen, umgekehrt finden sich eher Möglichkeiten für einen gewissen Ausgleich.“