LUXEMBURG
CARL ADALSTEINSSON

„Das ‚Réseau Luxembourgeois des Centres Culturels Régionaux Décentralisés‘ wurde 2008 von acht Kulturhäusern gegründet und umfasst inzwischen neun Einrichtungen. Es entstand aus einem Bedürfnis des Austausches. Der Wunsch war, sich als regionale Kulturhäuser, die dezentral liegen, zu positionieren und ein Sprachrohr zu bilden. Wir treffen uns alle zwei Monate und besprechen auch kulturpolitische Aspekte. So waren wir auch mehrmals Ansprechpartner für Jo Kox, der uns kontaktiert hat, bevor er seine Empfehlungen für den Kulturentwicklungsplan gibt. Und tatsächlich hält uns die kulturpolitische Aktualität wach, ein Beispiel ist die Quellbesteuerung von nicht-ansässigen selbständigen Künstlern. Dabei gibt es Ungereimtheiten, beispielsweise was an Pauschalen für Anreisen und Produktionskosten eigentlich darunter fällt. Uns ist dabei aufgefallen, dass das Steueramt die Häuser in diesem Punkt ungleich behandelt, allerdings befolgen die Steuerbeamten die Gesetze, welche wiederum leicht adaptiert und auf OECD-Standards und EU-Rechtsprechung umgestellt werden müssten. Das Kulturministerium könnte uns dabei die Tür zum Finanzministerium öffnen, was aber zu langsam passiert, wodurch uns diese Angelegenheit nun schon seit fast drei Jahren beschäftigt. Das bedeutet für uns im Endeffekt einen bürokratischen Aufwand sondergleichen, allerdings haben wir inzwischen alles Mögliche versucht. Wir wünschen uns für dieses zugegebenermaßen technische Thema mehr politischen Willen zur der fälligen Vereinheitlichung auf europäischer Ebene.

Ein weiterer Umstand, der uns umtreibt, ist die Divergenz der Sichtbarkeit, der Wahrnehmung, Wertschätzung und der Finanzierung des kulturellen Angebots zwischen Luxemburg-Stadt und den Regionen. Wir hoffen in diesem Punkt auch auf den Kulturentwicklungsplan, da wir eine unterschiedliche Budgetentwicklung beobachten: Die regionalen Kulturhäuser werden finanziell von der jeweiligen Gemeinde und vom Staat unterstützt. Während aber die Budgets der (para-)staatlichen Kulturhäuser kontinuierlich – mit Recht! – gesteigert werden, stagnieren mehr oder weniger die staatlichen Finanzmittel für die kulturellen Nahversorger in der Region, obwohl die Kosten unweigerlich und stetig steigen. Uns geht es insbesondere auch um die Anerkennung des Umstandes, dass vier Fünftel der Bevölkerung in den Regionen leben, da fehlt es noch an der korrekt gewichteten Beachtung durch die Gesellschaft. Der Kulturentwicklungsplan sollte sich aus unserer Sicht auch damit beschäftigen, wie die Beziehungen zwischen Kulturhäusern, Kommunen und Staat intensiver gestaltet werden können. Aber auch in der Landesplanung soll an Kultur gedacht werden: Wir müssen uns fragen, welches Angebot und welches Publikum wir in den Regionen haben und bedienen wollen.“