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Der Preis für Eisenerz fällt und fällt. Für die Stahlkonzerne muss das nicht unbedingt positiv sein

Eisenerz kennt seit einiger Zeit nur noch einen Weg: Nach unten. Der Preis ist auf den niedrigsten Stand seit Jahren gerutscht. Stahlkonzerne wie ThyssenKrupp oder Salzgitter freut es: Niedrige Erzpreise drücken die Kosten. Das Analysehaus Warburg Research hat beispielsweise Salzgitter auf „Buy“ hochgestuft, weil der Stahlkonzern im zweiten Quartal Rückenwind durch niedrigere Eisenerzpreise erhalte. Für ArcelorMittal sieht es anders aus, denn der Konzern ist stark im Eisenerzgeschäft engagiert. Ein Geschäft, dass nur noch wenig abwirft. Der amerikanische Stahlhersteller U.S. Steel musste kürzlich seine Eisenerzanlage kurzfristig stilllegen.

Nun könnte es kommen, dass die großen Bergbaukonzerne kleinere Wettbewerber verdrängen mit dem Effekt, dass sie künftig die Preise diktieren würden.

Förderung bleibt ungedrosselt

Obwohl der Eisenerzpreis im freien Fall ist, denken die größten Förderer nicht daran, ihre Produktion zu drosseln. Im Gegenteil: Von Quartal zu Quartal steigt der Abbau des für die Stahlherstellung wichtigsten Rohstoffs. Und das bei einer wegen der Sorgen um ein Ende des China-Booms schwächelnden Nachfrage.

Beispiel Rio Tinto: In diesem Jahr will das australisch-britische Unternehmen mit 340 Millionen Tonnen so viel Erz fördern wie noch nie. Ähnlich geht BHP Billiton vor. Die beiden Konzerne haben in den vergangenen Jahren viel in neue Abbaustätten in Australien investiert. Das soll sich nun auszahlen. Der brasilianische Vale-Konzern - weltweite Nummer eins der Erzförderer - will seine Produktion trotz einbrechender Gewinne ebenfalls nicht herunterfahren. Vielmehr will er neue, produktivere Minen in Betrieb nehmen und damit ältere Abbaustätten ablösen.

So beschleunigt sich der Preisverfall. Anfang Juli sackte der Erzpreis infolge der heftigen Börsenturbulenzen in China mit 44 US-Dollar pro Tonne auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren ab. Zuletzt legte er zwar ein wenig zu, doch bis ins vergangene Jahr hinein lag der Preis noch über 100 Dollar, auf dem Höhepunkt 2008 sogar bei rund 185 Dollar.

Ivan Glasenberg, Chef des weltgrößten Rohstoffhandelskonzerns Glencore, bringt das Verhalten der großen Förderer auf die Palme. Seit langem lässt er kaum eine Gelegenheit aus, die Konzerne an ihre Verantwortung zu erinnern. Schon 2013 warf er ihnen vor, den Markt zu überfluten und die Preise zu „versauen“.

Jahrzehntelang hatten sich die Preise für Erz angesichts des stetig steigenden Bedarfs in den Schwellenländern, dabei insbesondere in China, kontinuierlich erhöht. Dieser paradiesische Zustand ist nun vorbei. Um dem Treiben Einhalt zu gebieten, schreckte Glasenberg im vergangenen Jahr selbst vor einem Übernahmeangebot an Rio Tinto nicht zurück - scheiterte damit aber kläglich.

Was aber treibt die Bergbaukonzerne an? Auch ihnen würden ja höhere Preise mehr Gewinn bescheren. Anders als Glencore geht es ihnen nicht um kurzfristige Profite, wie Rio-Tinto-Chef Sam Walsh betont. Im Blick haben sie die langfristige Perspektive. Dahinter steht ein brutaler Verdrängungswettbewerb.

Für Stahlhersteller ist das eine zwiespältige Situation. Wenn künftig die Macht der großen drei Bergbaukonzerne noch weiter wächst, könnte sich das negativ auswirken.

Doch inzwischen werden auch die Investoren der großen drei Erzförderer unruhig. Zweifel wachsen, ob Rio und BHP an ihren großzügigen Dividendenplänen festhalten können. Die Konzerne stehen unter großem Druck, ihren Eigentümern mehr Geld auszuschütten. In den Boomjahren - so der Vorwurf - hätten sie zu viel in neue Projekte investiert und zu wenig an ihre Aktionäre gedacht. Das wollen die Unternehmen nun ändern. Doch ob dafür angesichts des Preisverfalls ihre Kraft reicht, ist offen.

ArcelorMittal spürt Minenkosten

ArcelorMittal, einer der fünf weltweit größten Produzenten von Eisenerz, gewinnt den größten Teil seines Eisenerzes aus Minen in Nordamerika. Seit Jahren konzentriert sich der Konzern auf die Senkung von Minenkosten, um die Auswirkungen von sinkenden Eisenerzpreisen abzumildern; dieses Jahr will das Unternehmen eigenen Angaben nach die Kosten weiter um 15 Prozent senken. ArcelorMittal rechnet darum mit einem Ergebnisrückgang auf 6,5 Milliarden bis sieben Milliarden Dollar, wozu auch die fallenden Preise für Eisenerz ihren negativen Beitrag leisten.