LUXEMBURG
DANIEL OLY

Trotz positivem Trend: Organspenden bleiben weiterhin Sorgenkind

Die Zahl der Organspenden im Großherzogtum ist 2017 knapp verdreifacht worden - von drei auf neun Organspender - und einer Studie von „Lux-Transplant“ zufolge sprechen sich 82 Prozent der Befragten dafür aus, nach ihrem Tod zum Spender zu werden. Eigentlich ein positiver Trend, aber Gesundheitsministerin Lydia Mutsch und die Verantwortlichen von „Lux-Transplant“ sehen immer noch dramatischen Verbesserungsbedarf. Wieso?

Luxemburg ist Mitglied bei der europäischen Organspendezentrale „Eurotransplant“, die Spenderorgane vermitteln soll. „Da ist es leider auch weiter so, dass Tag für Tag im Schnitt vier Menschen sterben müssen, weil sich nicht rechtzeitig das richtige Organ finden lässt“, betonte Gesundheitsministerin Lydia Mutsch gestern. „Es ist einfach weiterhin schwer, geeignete Spender zu finden“, unterstrich auch „Lux-Transplant“-Direktor Dr. Claude Braun. „Es gibt einfach zu oft Zweifel daran, ob eine Organentnahme möglich ist.“

Verankert in der digitalen Patientenakte

Dabei gibt es doch eigentlich eine eindeutige gesetzliche Grundlage: Diese sieht nämlich vor, dass prinzipiell jeder Mensch als Organspender in Frage kommt, es sei denn, er habe sich explizit dagegen entschieden - ein „Opt-Out“-System, also. Zum Beispiel, indem man einen Organspenderausweis, die sogenannten „Passeports de Vie“, ausgefüllt hat. Aber selbst das scheint nicht zu reichen: „Unsere reale Problematik ist, dass wir nur schwer herausfinden können, ob es ein Einverständnis gibt oder nicht. Wir finden nur sehr selten diese Karten“, erklärt Jorge De Sousa, Koordinator für „Lux-Transplant“: Ein zweifelsfreier Nachweis müsse her, nach Möglichkeit mit einem nationalen Register.

„Das muss auch hier eines der Ziele sein“, unterstrich Mutsch deshalb. Eine Möglichkeit sei daher, den Status der eigenen Entscheidung zur Organspende künftig im digitalen Patientendossier DSP unterzubringen. Eine Option, die auch von den Experten von „Lux-Transplant“ begrüßt wurde. Zudem müsse
das Personal auch besser auf die Situation vorbereitet werden. „Wir müssen uns zudem darauf konzentrieren, das bestehende Gesetz künftig besser umzusetzen“, meinte die Ministerin.

Das Potenzial ist jedenfalls gegeben, wie eine von „Lux-Transplant“ organisierte Studie mit 500 Teilnehmern zeigt: Demnach sind knapp 82 Prozent der Befragten einer Organspende positiv gegenüber eingestellt. Und das, obwohl nur 39 Prozent angaben, über einen Spenderausweis zu verfügen. Leider hätten auch nur rund die Hälfte bislang mit ihren Familienangehörigen über das Thema gesprochen.

„Da besteht noch eindeutig Nachholbedarf“, erklärte Dr. Braun. 36 Prozent gaben an, im Zweifelsfall keine Entscheidung fällen zu können, weil sie die Situation zu sehr verwirre. Dabei spielt sicher auch das eher schlechte Verständnis des legalen Rahmens eine Rolle: Nur rund elf Prozent kannten die gesetzlichen Vorlagen. „Da müssen wir ansetzen, genau das muss sich ändern“, meinte Braun. „Es ist ein kulturelles Phänomen, und die Organspende muss deshalb zu einem selbstverständlichen Thema unserer Kultur werden“, sagte er. Gleichzeitig betonte er: „Natürlich muss es jedem selbst frei stehen, über die mögliche Spende entscheiden zu können.“

Für Luxemburg gibt es demnach eigentlich gute und schlechte Nachrichten: „Dank unserer Anstrengungen der letzten Jahre im Bereich der Sensibilisierung konnten wir 2017 eine wesentlich bessere Situation erreichen; wir hatten 14 Nieren, zehn Lebern, zwei Herzen und sechs Lungen - 32 Patientenleben, die gerettet werden konnten - indem wir neun Spender finden konnten“, erklärt Mutsch. Auch die Hornhautspenden seien mit 135 Fällen positiv gewachsen. „Damit ist Luxemburg nicht mehr Schlusslicht. Darauf sind wir stolz.“

Dennoch könnte es besser laufen. Wie in Belgien etwa, wo rund doppelt so viele Spender pro Million Einwohner (30,6 gegenüber 15,2 für Luxemburg) zu finden sind. Das liege auch an der nationalen Datenbank zur Organspende. Dafür wird es auch im Großherzogtum höchste Zeit - solang täglich Menschen unnötig sterben, kann kaum von Besserung die Rede sein.