Schwache Geschäfte in Frankreich und die neue Werbesteuer in Ungarn halbieren den Gewinn der RTL Gruppe. Seine Prognose hat Europas führender werbefinanzierter Unterhaltungskonzern nach diesem Gewinneinbruch nach unten korrigiert: Man erwarte jetzt einen „leichten“ Umsatzrückgang in diesem Jahr, teilte der Konzern gestern mit. Obwohl der Rückgang nicht ganz unerwartet kam - RTL hatte erst jüngst erhebliche Belastungen durch die neue ungarische Steuer vorausgesagt - war die Höhe des Einbruchs doch überraschend. Anleger reagierten verstimmt, wie der Aktienkurs, der gestern nach der Bilanzpräsentation um mehr als sieben Prozent einbrach, verrät.
Die Zwischendividende fällt demnach geringer aus als im Vorjahr. Im September bekommen Aktionäre für einen Anteilsschein zwei Euro ausgezahlt statt 2,50 Euro wie im Vorjahr.
In der ersten Hälfte des laufenden Jahres gingen die Umsätze verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 2,5 Prozent auf knapp 2,7 Milliarden Euro zurück. Der operative Gewinn sackte gar um sechs Prozent auf 519 Millionen Euro ab. Der Grund waren geringere Ergebnisbeiträge der RTL-eigenen Produktionsfirma FremantleMedia und den Rundfunkgeschäften der RTL Group in Frankreich - höhere Gewinne aus Deutschland und den Niederlanden konnten diesen Rückgang nicht ausgleichen.
Was unter dem Strich übrig blieb, ist mit 202 Millionen Euro weniger als die Hälfte als 2013.
Ganze 88 Millionen Euro musste RTL zudem auf sein Ungarn-Geschäft abschreiben. Gestützt wurde der Gewinn durch das Deutschland-Geschäft, das sein Ergebnis um 2,3 Prozent auf 313 Millionen Euro steigerte; in den Benelux-Staaten ging es sogar um 15,8 Prozent nach oben.
Obwohl die Werbemärkte in der ersten Jahreshälfte „weiterhin Anzeichen für eine Erholung gezeigt hätten und die Werbeeinnahmen in allen RTL-Märkten zulegten, verdiente die Frankreich-Tochter M6 elf Prozent weniger. Darin spiegelt sich laut RTL die schwierige wirtschaftliche Situation in dem Land wider.
Wirtschaftlichkeit von RTL Hungary deutlich reduziert
Die neue Werbesteuer in Ungarn habe „mit ihrer konfiszierenden Wirkung“ einen „schwerwiegenden Schaden“ verursacht, teilen die Co-Chefs Anke Schäferkordt und Guillaume de Posch mit und erklärten, die Einführung der Werbesteuer sei „ein alarmierendes Zeichen für alle internationalen Investoren in Ungarn.“ Und weiter: „Unser Erfolg, sowohl bei den Zuschauern als auch finanziell, basiert auf einer lokalen, dezentralisierten Führungsstruktur und der politischen Unabhängigkeit. RTL ist tief in Ungarn verwurzelt und wird dies auch bleiben.“
Die RTL Group ist seit 1997 in Ungarn und beschäftigt dort 350 Menschen. Das Unternehmen hatte schon vor einiger Zeit an die ungarische Regierung appelliert, die „kontraproduktive Steuer“, die speziell gegen RTL gerichtet sei, zu überdenken, da sie nicht nur das Geschäft von RTL untergrabe, sondern auch große Bedenken hinsichtlich der Freiheit des Journalismus in Ungarn hervorrufe.
Digitale Konkurrenz?
Neben den Halbjahreszahlen äußerte sich Schäferkordt gestern gegenüber der Nachrichtenagentur dpa auch zum Start der US-Video-Plattform Netflix im September in Deutschland.
Eigenproduktionen von Serien oder Spielfilmen werden nach ihrer Einschätzung für RTL langfristig immer wichtiger, um sich gegenüber den Internet-Anbietern wie Netflix , Maxdome oder Amazon Prime abzusetzen. Die Sender würden in Zukunft immer weniger exklusive Inhalte aus den USA anbieten können. Große Teile unserer Programme sind im Internet über unsere On-Demand-Plattformen wie RTL Now abrufbar und ebenfalls werbefinanziert, Interessant werde die Frage sein, wie sich Netflix auf die Angebote im Pay-TV auswirken werde,
Netflix, wo Zuschauer sich die Filme herunterladen können, wann sie möchten, bereite ihr in Sachen Sehverhalten der RTL-Zuschauer aber keine Sorgen. „Wir werden unsere schnell wachsende digitale Reichweite monetarisieren“, so die beiden RTL-Chefs. Die Umsätze des Digitalgeschäfts1 der RTL Group wuchsen hingegen organisch und durch neue Akquisitionen um zehn Prozent auf 113 Millionen Euro.
Ende Juli hatte die RTL Group eine verbindliche Kaufvereinbarung für eine Mehrheitsbeteiligung von 65 Prozent an der Technologieplattform zur Vermarktung von Onlinevideo-Werbung SpotXchange bekannt gegeben.
Die Investition stärke die globale Reichweite der RTL Group am gesamten Markt für Onlinevideo-Werbung erheblich und bringe dem Unternehmen neue technologie- und datenbasierte Kompetenzen, so RTL gestern in der Bilanz-Mitteilung


