LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Erfahrungen rund um Musik und Physik auf dem Science Festival

Wie entstehen Töne? Was ist der Unterschied zwischen Ton und Klang? Können wir Töne sichtbar machen? - Solche Fragen standen auf der Ankündigung zum einstündigen Workshop „Physik der Musik“, der im Rahmen des Science Festivals am Wochenende stattfand. Ich war neugierig und kam; gemeinsam mit rund 80 Kindern und Erwachsenen, die fünf Euro Eintritt bezahlt hatten und jetzt in einem Saal auf die Bühne blickten. Unter den Zuschauern waren bemerkenswert viele Väter.

Moderatorin Tuba Tuncak stellte das „Duo Doyna“ vor, eine Frau mit Klarinette und Saxophon und ein Mann mit Gitarre. „Wisst ihr, warum es Duo heißt“, fragte sie die Kinder, die begeistert mitmachten. Matthias kannte die Antwort. „Richtig, es sind zwei!“ Auf ihre Frage, wer denn ein Instrument spiele, reckten sich zahlreiche Finger im Saal hoch. Trommel, Querflöte, Gitarre und Saxophon waren vertreten. Moderator Joe Hecker im leuchtend gelben Hemd versicherte: „Musik ist angewandte Physik. Wegen der Schallwellen.“ Dass dies nicht nur für Musik, sondern auch fürs Schnipsen, Klatschen und Singen gilt, konnten seine Gäste sich gleich selbst beweisen.

Danach hielt Hecker ein Feuerzeug in die breite Öffnung des Saxophons. Die Flamme bewegte sich, als die Saxophonspielerin einen Ton erzeugte. „Hier kann man den Ton sehen. Das liegt an den Schwingungen“, versicherte Hecker. Und fuhr fort: „Die menschliche Stimme reicht bis zu 5.000 Schwingungen pro Sekunde, aber wir hören bis zu 20.000 Schwingungen pro Sekunde.“ Mit Hilfe eines vom PC erzeugten Tons von tief bis hoch führte er das vor. Alle Teilnehmer mussten die Arme so lange oben halten, wie sie etwas hörten. Die Eltern gaben zuerst nach. Manche Kinder hatten den Arm auch noch nach dem Ton-Ende oben, wie Hecker lachend feststellte.

Dann zeigte er mithilfe seines auf die Wand projizierten Handys, wie man Töne sichtbar machen kann, wie ein Kammerton A aussieht und dass sich dieser je nach Instrument verschieden anhört und daher auch ein anderes Bild ergibt. Klang ist also nicht gleich Ton. Über die Sprache der Musiker - Noten - und ein Beispiel für Improvisation ging es zur Oktave und dem Raten eines Kinderliedes, das immer auf dem gleichen Ton beruht. „Bruder Jakob!“, löste ein Kind das Rätsel auf, bevor sich das Duo mit Taktwechseln vom 5/8tel zum 4/4tel beschäftigte.

Welche Rolle Klangkörper spielen, wurde klar, als Hecker eine kleine Spieluhr mit Drehkurbel auf die Holzgitarre setzte, die den Sound von „Happy Birthday“ verstärkte. „Unser Körper verstärkt auch Schall“, versicherte Hecker und riss zur Demonstration die Horchmembran eines Stethoskops ab, das er sich anschließend auf den Kopf setzte. Als er das Mikrofon daran hielt wurden Geräusche überraschend laut - beispielsweise Zähneklappern oder Kaugeräusche. Die durften Carolina, Paul und ein weiterer Junge mithilfe von Hanuta, Chips und Erdnüssen vorführen. „Unser Kopf ist ein Räsonanzraum für knusperige Knabbersachen. Die hören wir gerne“, behauptete Hecker. Die Chips klangen wie ein Gewitter, die Erdnüsse wie Schritte eines Riesen.

Der Knochenschall ist keine neue Entdeckung, versicherte die Moderatorin mit Blick auf Beethoven. „Als er alt und taub war, konnte er noch komponieren. Dazu hat er den Taktstock auf das Klavier gelegt, gespielt und dabei auf den Taktstock gebissen. So konnte er die Musik in seinem Kopf hören.“

Diese Klangübertragung führte Hecker mithilfe einer elektrischen Zahnbürste und verschiedenen Musikträgern vor, bevor er auf Ultraschall und Fledermäuse zu sprechen kam. Mithilfe eines Geräts machte er Ultraschallgeräusche wie Händereiben hörbar. Es klang nicht toll. „Deshalb ist es, denke ich, ganz okay, dass wir kein Ultraschall hören“, meinte Hecker, bevor die Moderatorin zum Kuckuckslied wechselte.

Am Ende der Veranstaltung warteten auf die Kinder noch zahlreiche Ateliers, die allerdings gut besucht waren. Denn an diesem sonnigen, kalten Novemberwochenende hatten zahlreiche Kinder mit ihren Eltern den Weg in den Grund gefunden und vor dem Aufzug hoch zur Oberstadt bildeten sich lange Schlangen. Wer eine Stärkung brauchte, fand sie bei den verschiedenen Foodtrucks. Und für die Abwechslung sorgte die Wissenschaft.

Lëtzebuerger Journal
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Luxembourg Science Festival

Wissenschaft für jedermann verständlich

Bei der achten Auflage des Science-Festivals konnten Groß und Klein Phänomene der Biologie, Chemie und Physik bewundern und die Naturwissenschaften auf spielerische Art entdecken. Das vom „natur musée“ und dem „Fonds National de la Recherche“ (FNR) organisierte Festival lud vergangene Woche am 7. und 8. November zunächst Schülerinnen und Schüler zwei Tage lang ein, bevor am Wochenende jeder Zugang hatte. Rund 280 Schulen machen mit und bewunderten die sorgsam vorbereiteten Vorführungen in der Abbay de Neimënster und dem Naturmuseum im Grund. Das Festival findet alle zwei Jahre statt und punktet beim Publikum jedes Mal mit einer großen Bandbreite von interessanten Vorführungen, Quizshows und Antworten auf Fragen. So ging es in diesem Jahr unter anderem um die Wirkung von Mikroplastik auf Tiere und Ozeane oder auch die Folgen von Erdbeben und Tsunamis. Ein Giroscope machte beispielsweise die Schwerelosigkeit im All erlebbar. Alle Veranstaltungen waren gratis. Partner des Science Festivals sind das Kulturministerium, das Forschungsministerium und die Stadt Luxemburg. Darüber hinaus wird das Event mit dem Anspruch, Forschung einem breitem Publikum nahe zu bringen von folgenden Unternehmen und Institutionen unterstützt: Ceratizit Luxemburg, CFL, Enovos, Goodyear, Luxembourg Institute of Science and Technology (LIST), Police Grand-Ducale, SciTeach Center und SuperDrecksKëscht.

www.science.lu
Lëtzebuerger Journal
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