LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Eine echt französische Bäckerei wollten ein Bäcker aus Reims mit seiner Partnerin gründen - und scheiterte fast an den Auflagen

Maryline Roux und Manuel Dias da Costa aus Frankreich haben sich vor vier Jahren mit einer Bäckerei selbständig gemacht - und wären fast an den langen Prozeduren verzweifelt. Jetzt habe sie viele Stammgäste und planen eine zweite Bäckerei.

Wie sind Sie auf die Idee mit einer Bäckerei gekommen?

Manuel Dias da Costa Ich hatte schon eine Bäckerei in Reims, als ich Maryline kennen gelernt habe. Sie hat damals hier als Friseurin gearbeitet. Über ihren Arbeitgeber hatten wir Kontakt zu dem Freund eines Bäckers, der in Rente gehen und seine Bäckerei verkaufen wollte. Zwischenzeitlich hatte jemand anders übernommen, der aber schloss - und dann kamen wir.

Maryline Roux Ich muss dazu sagen, dass ich sehr, sehr gern Brot esse! Da war es ein Glücksfall für mich, mit einem Bäcker zusammen zu sein. Ich habe gerne Kontakt zu Menschen und das ist ja hier im Verkauf auch der Fall.

War es schwierig, sich selbständig zu machen?

Roux Ja, anfangs fehlte immer irgendetwas. Es hat Monate gedauert, allein die Genehmigung fürs Geschäft zu erhalten. Niemand konnte uns so richtig sagen, was wir alles brauchen. Ich habe schon gedacht, wir schaffen es nie mehr. Immer, wenn wir ein Papier hatten, fehlte ein anderes.

Dias da Costa Gleichzeitig hatten wir hier viel zu tun, das Material war alt und wir brauchten neue
Öfen, haben renoviert, isoliert und oben das kleine Café eingerichtet. Angefangen haben wir vor ziemlich genau vier Jahren zu viert. Jetzt sind wir 14 mit den Mitarbeitern. Wir kommen gut zurecht. Von drei Öfen haben wir auf sieben erhöht, denn ohne gutes Material hat man auch kein
gutes Produkt.

Wie differenziert man sich als einzelne Bäckerei angesichts der ganzen Ketten?

Dias da Costa Zunächst über die Produkte. Wir können unser Mehl bis zum Feld in Frankreich zurückverfolgen, weil wir mit „Label Rouge“-Mehl arbeiten. Wir nehmen Sel de Guerande und eine spezielle Hefe, Schokolade von Valrhona und AOP-Butter. Unsere Öfen sind spezielle Steinöfen. Wir legen sehr viel Wert auf Qualität und Leute, die Lust haben, zu arbeiten. Das Konzept geht auf. Wir denken sogar über einen zweiten Laden nach, aber eine Kette wollen wir nicht, weil wir dann die Qualität nicht mehr gewährleisten können.

Woher kommen Ihre Kunden?

Roux Aus ganz Luxemburg, von Mamer über Bettemburg bis nach Kehlen. Das liegt wohl vor allem an dem Brot, aber auch am Gebäck. Wir arbeiten viel mit jahreszeitlichem Obst, da machen wir zum Beispiel unser Croissant Mirabelle oder Quetsch. Das Brot hat unserem Geschäft den Namen gegeben. Am Anfang wussten wir nicht so recht, wie wir den Laden nennen sollten.

Dias da Costa Maryline ist in Luxemburg bekannt, sie arbeitet ja schon seit 1984 hier. Eine Kundin hat uns dann durch ihren Anruf auf den Namen gebracht. Sie wollte das „Pain de Marie“. Bis dahin hatten wir das „Tradition“ und das Baguette, dessen Namen wir dann geändert haben. Er ist mittlerweile geschützt.

Sie sind beide über 50 - ist es mit Ende vierzig nicht schon ein bisschen spät für die Selbstständigkeit?

Dias da Costa Besser spät als nie - und außerdem haben wir ja jetzt unser eigenes Brot!

www.aupaindemary.lu/de