LUXEMBURG
MARCO MENG

Glashersteller wird mit seinen Werken in Luxemburg übernommen

Koch Industries übernimmt den Glashersteller Guardian ganz. Wie Guardian am Montag in den USA bekannt gab, hat Koch Industries nun durch die Tochtergesellschaft KGIC Merger Corporation 100 Prozent des Aktienkapitals von Guardian gekauft. 2012 war die US-Firma Koch Industries mit 45,5 Prozent bei Guardian eingestiegen. „Unsere Unternehmen passen gut zusammen“, wird in der Pressemitteilung Ron Vaupel, Präsident und CEO von Guardian, zitiert. Der Glashersteller mit global 17.000 Mitarbeiter hat im luxemburgischen Bartringen seine Europazentrale. Auch in Düdelingen und Niederkerschen bestehen Werke, wo derzeit rund 700 Menschen vor allem Glas für Gebäude herstellen. Die Sparte Autoglas war 2014 an das japanische Unternehmen Central Glass, genauer an die Tochter Carlex verkauft worden. Dazu gehörte auch der Standort Grevenmacher mit rund 600 Mitarbeitern.

Guardian hatte in den letzten Jahren eine Durststrecke durchlitten, die auch in Luxemburg nicht ganz ohne Konflikte verlief. Unter anderem stand zur Frage, ob in die Werke in Luxemburg noch investiert werde. Selbst Wirtschaftsminister Schneider hatte sich eingeschaltet und sich in den Vereinigten Staaten mit der Unternehmensleitung getroffen.

Wachstum prognostiziert

Im März nun wurde der neue europäische Stammsitz von Guardian in Bartringen feierlich eingeweiht. Inzwischen habe der Glashersteller in Europa seine Strategie geändert - in Richtung regionales Geschäftsmodell, wie Guus Boekhoudt, Vize-Präsident Europa von Guardian Industries‘ Glass Group, damals erklärte. Die Organisation sei neu ausgerichtet worden, „zu einem wirklichen regional operierenden Unternehmen.“ In den letzten Jahren habe die Glasindustrie eine der größten Rezessionen gesehen. Mittlerweile gebe es aber viele Gründe, optimistisch in die Zukunft zu blicken, so Boekhoudt, denn für die kommenden Jahre werde prognostiziert, dass die Nachfrage von Glas um fast zwei Prozent schneller wachsen werde als das BIP.

Interessanter Käufer

Die Übernahme von Guardian durch Koch bedarf noch der Zustimmung von Kartellbehörden. Für eine Finalisierung wird im ersten Quartal des kommenden Jahres gerechnet. Das weltweit tätige Unternehmen Koch Industries hat seinen Sitz in Wichita, Kansas, und ist nach Forbes das zweitgrößte US-Unternehmen, das keine Aktiengesellschaft und demzufolge auch nicht an der Börse gelistet ist. Der Jahresumsatz wird auf 100 Milliarden Dollar geschätzt. Koch deckt ein breites Produktionsspektrum ab. Zum Konzernkonglomerat gehören Firmen aus dem Erdöl- und Raffineriesektor, aus der Chemie- und Kunststoffbranche genauso wie aus der Düngemittelherstellung, Elektronik oder Konsumgüter. Eigenen Angaben nach investierte das Unternehmen seit 2003 rund 80 Milliarden US-Dollar in Zukäufe und Beteiligungen und hat in 60 Ländern rund 100.000 Mitarbeiter, rund 60.000 davon in den USA.

Die Brüder David und Charles Koch, die Erben von Koch Industries, gehören zu den reichsten Amerikanern - und zu den umstrittensten. Sie stehen im Ruf, durch ein weitverzweigtes Netz von Stiftungen Lobbyarbeit und direkte politische Einflussnahme in Washington zu betreiben - zum Beispiel durch Finanzierung von Wahlkämpfen - wie auch Zweifel am Wahrheitsgehalt eines menschengemachten Klimawandels zu unterstützen - bis hin zu Diskreditierung von Wissenschaftlern, die vor dem Klimawandel warnen, so Greenpeace.