LUXEMBURG
JEFF KARIER

Fabrizio Annicchiarico wagte den Neuanfang und gründete „Food Porn Sessions“

Es ist der Vorabend von Nationalfeiertag und das Wetter will nicht so ganz mitspielen. Auf der Place Clairefontaine sind eine ganze Reihe Zelte, Buden sowie eine große Bühne aufgebaut. Es spielt gerade eine Band, wegen des Wetters stehen aber nur etwa 20 Leute vor der Bühne. Schräg gegenüber der Bühne befindet sich ein weißes Zelt mit zwei roten Bannern. Auf diesen steht „Food Porn Sessions“. Hinter dem Tresen des Zelts ist Fabrizio Annicchiarico (40), der Besitzer von „Food Porn Sessions“, einer Art One-Man-Catering. Heute steht er allerdings nicht alleine am Herd, sondern mit zwei weiteren Köchen, die ihm zur Hand gehen.

Ich stelle mich neben einen Kunden der auf seine „Gnocchi al Tartufo“ wartet, ein Gericht für das Fabrizio bekannt ist. Er begrüßt mich und ich bestelle ebenfalls eine Portion „Gnocchi al Tartufo“. Da aktuell noch recht wenig los ist, setzen wir uns nebenan auf ein Sofa.

2014 gründete Annicchiarico „Food Porn Sessions“ und kocht seither auf verschiedenen Events wie etwa Musikfestivals, Eröffnungen oder Sportereignissen aber auch bei Privatleuten. Da er selbst Vegetarier ist, sind auch seine Gerichte vegetarisch oder vegan. Er scheint damit bei den Leuten gut anzukommen, immerhin bekommt er immer wieder Lob für seine Speisen. Der beste Beweis für seine Selfmade-Kochkunst aber ist der bis September ausgebuchte Terminkalender. Sein Essen basiert zwar auf traditionell italienischen Rezepten, die er noch von seiner Großmutter kennt, durch seine Reisen hat er aber auch viele neue Aromen und Zutaten einfließen lassen. „Wenn die Sommersaison vorbei ist, werde ich erstmal drei Wochen verreisen, den Kopf wieder frei kriegen und neue Inspiration sammeln.“

Er hatte die Nase voll

Wenn er übers Kochen und sein Essen spricht, merkt man Annicchiarico an, mit welcher Leidenschaft er bei der Sache ist. Auf mich wirkt er dabei nicht wie jemand, der sein halbes Leben in Büros gearbeitet hat, scheint die Küche doch wie sein natürlicher Lebensraum. Annicchiarico arbeitete 20 Jahre lang in der Finanz- und Immobilienbranche und war auch lange Zeit zufrieden. Kurz nach seinem 38. Geburtstag stellte er dann aber alles in Frage. „Ich habe mich gefragt, was ich die nächsten 20 bis 30 Jahre tun möchte“, erklärt er.

Annicchiarico tat das, von dem viele nur träumen: Er startete beruflich neu, ließ alles Bekannte hinter sich und vollzog eine 180 Grad-Wende. Er kündigte trotz einer sehr guten Stelle bei einer Immobilienagentur und nahm sich Zeit, sich neu zu orientieren.

„Ich war immer der Meinung, dass jeder kochen kann, habe aus Spaß von dem was ich gekocht habe Fotos gemacht und sie auf Facebook geteilt.“ Aus heiterem Himmel hat ihn dann der Besitzer eines Bistros kontaktiert. „Sein Koch hatte gekündigt und er fragte mich, ob ich nicht bei ihm als Koch anfangen würde.“ Annicchiarico stimmte zu und was eigentlich sein Hobby war, wurde so über Umwege zu seinem Beruf. Er hatte schon immer eine gewisse Leidenschaft fürs Kochen und für gutes, frisches Essen. Was nicht von ungefähr kam, immerhin führten seine Eltern lange Jahre ein Restaurant. „Ich bin mehr oder weniger in der Küche aufgewachsen“. Die Schattenseite war aber, dass er somit auch einen Teil seiner Kindheit opferte, damit der Laden lief. Seine Eltern ermutigten ihn, einen anderen, seinen eigenen Weg einzuschlagen und das tat er auch. Nur ließ in das Kochen nie ganz los.

„Die Zeit im Bistro nutzte ich, um herauszufinden wie meine Idee von gutem Essen bei den Leuten ankommt“. Die Leute mochten sein Essen. Bevor er aber den Schritt in die Selbstständigkeit wagte, führte Fabrizio eine Marktstudie durch. Als dann alle Zeichen auf Grün standen, war „Food Porn Sessions“ geboren.

Der Name bezieht sich dabei nicht auf Pornos, wie er mir erklärt, sondern auf das altgriechische Wort „poros“, was man mit begehrt, oder gefragt übersetzen kann. Und „Sessions“ soll verbildlichen, dass er nur für eine kurze Zeit an einem Ort ist und dann weiter zieht.

Alles frisch

Mit seinem Angebot scheint er eine gewisse Nische gefunden zu haben. Das gilt nicht nur für seine Gerichte als solche, sondern auch für seine Philosophie. „Ich lege großen Wert auf frische Produkte, die am besten auch noch aus der Region sind. Ich versuche außerdem, saisonal zu kochen, also nur die Produkte zu verarbeiten, die auch gerade draußen wachsen.“ Das ist aber natürlich nicht immer möglich, er hat aber seine Händler, denen er vertraut und von denen er erstklassige Ware meist aus Italien bekommt.

Wer nun erwartet, dass Annicchiarico einen Katalog mit Preisen hat, aus dem die Kunden auswählen können, liegt falsch. Er bietet Lösungen nach Maß an, die sich ganz nach dem Kunden richten. Durch seine mobile Küche bleibt er flexibel, was ihm sehr wichtig ist, wie er mehrmals unterstreicht.

Annicchiarico selbst scheint dabei eine Art One-Man-Show zu sein. Er kümmert sich nicht nur ums Essen und die Kunden, er macht alles selbst. Da kann man nur hoffen, dass er sich dabei nicht übernimmt. Allerdings wird er aufgrund der großen Nachfrage demnächst weiteres Personal einstellen, die ihm Arbeit abnehmen werden. Außerdem warten zuhause auf ihn seine zwei Kinder, die ihm viel Kraft geben.

Nach unserem Gespräch gibt mir Fabrizio noch eine neue Kreation zu probieren, die er gemeinsam mit seinen zwei Köchen für heute entwickelt hat, ein mediterranes „Taboulé“ dessen frische Zutaten eine wahre Freude sind. Wer braucht da noch Hamburger, Mettwurst und Co.? 

Alle weiteren Informationen finden Sie unter www.foodporn.lu